Praktischer Unterricht hatte ökologische Untersuchung des Bachlaufs zum Ziel

DILLENBURG (kn) - Die gründliche, ökologische Untersuchung des Nanzenbachs war nun Ziel eines Biologie-Leistungskurses der Wilhelm-von-Oranien-Schule unter Leitung ihres Tutors Günter Krause. Dabei waren ihnen der heimische Hobbybotaniker Willi Hecker aus Niederscheld sowie Professor Tikatin und Werner Heimann von der Abteilung Mikrobiologie des Untersuchungsamtes Dillenburg behilflich. Was die Schülerinnen und Schüler aufdeckten und in einem umfangreichen Werk dokumentierten, kann man nicht auf die leichte Schulter nehmen, stellten sie doch eine teilweise starke Belastung des Wassers fest.

Im Rahmen des Ökologieunterrichts der Wilhelm-von-Oranien-Schule wollten sich die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 12 nicht nur mit theoretischen Problemen auseinandersetzen. Sie wählten sich den Nanzenbach als praktisches Unterrichtsobjekt aus, weil dieser als typischer Mittelgebirgsbach einige Rätsel zu bieten hat. Er durchläuft ein Dorf, stellt den Zufluss für einen Weiher dar, dient als Brauchwasser für eine Fabrik und fließt direkt an der alten Dillenburger Mülldeponie "Am Laufenden Stein" entlang. In Gruppen von drei bis fünf Schülerinnen und Schülern wurden die Themenbereiche Geologie und Geographie des Bachlaufes, Vegetation des Bachbereichs, chemische Zusammensetzung des Bodens, Wassergüteklassebestimmung an Hand der vorkommenden Organismen, Chemie des Gewässers sowie dessen Bakterienbelastung bestimmt.

Man habe herausgefunden, erläuterten die Schüler, dass der Bach bereits in seinem Quellbereich empfindlich durch Streusalze der Landstrasse nach Hirzenhain belastet sei. Bachabwärts sei im Bereich von Nanzenbach eine hohe Zahl von Darmbakterien festgestellt worden. "Wo die wohl herkommen kann man sich denken", so die forschenden Schüler dieser Gruppe. Stellenweise sei das Einleiten von Abwässern nicht auszuschließen. Das, so das Ergebnis der Untersuchung, führe insgesamt zu einer Gewässergüteklasse von 2 bis 3 (von 4 Gewässergüteklassen) im Bereich von Nanzenbach, Heuslers Weiher bis zur Mündung des Baches in die Dill. Besonders erstaunlich sei, so die Schüler, dass in einem Bachbereich, wo dieser ein großes Werksgelände passiert habe, trotz mehrfacher Suche keinerlei lebende Leitorganismen hätten entdeckt werden können. "Was auf diesem Gelände mit dem Wasser passiert, ist uns unklar", so Christian Gwisdalla als Sprecher dieser Schülergruppe.

An der ehemaligen Dillenburger Mülldeponie fließe das Gewässer, so die Schüler, nicht nur vorbei, sondern schneide diese sogar so an, dass der Müll der vergangenen Tage sichtbar werde. "Dass diese Mülldeponie, auf der der Müll nicht geordnet liegt und die auch Sonderabfälle enthält, somit eine ökologische Zeitbombe ist, muss jedem klar sein", so das vernichtende Urteil der Sprecherin dieser Schülergruppe, Sarah-Lena Oesterreich.

 

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