WvO Schüler in Ungarn

16 Preisträger des Schülerwettbewerbes aus dem LDK nahmen an einer faszinierende Studienfahrt nach Ungarn teil, nachdem sie aus einem Wettbewerb der Bundeszentrale für politische Bildung siegreich hervorgegangen sind.

„Für Freiheit und Demokratie – Ungarns Beitrag zu einem geeinten Europa“, so lautete das Thema des Schülerwettbewerbs Osteuropa, der in diesem Jahr zum elften Male gemeinsam vom Hessischen Landtag und der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung durchgeführt worden war. Die Gewinner der ersten Preise: 13 Schüler/innen der WvO und drei Schülerinnen der Eichendorfschule in Wetzlar konnten nun in der Zeit vom 19.9.04 – 25.9.04 an einer faszinierenden Studienreise nach Ungarn teilnehmen. Begleitet wurde die Fahrt von Anita Steinseifer, Mitarbeiterin der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung sowie StD. Eckhard Scheld, Lehrer an der WvO, der die Schüler auf den Wettbewerb vorbereitet und die Fahrt mitkonzipiert hatte. Ohne die freundliche und kenntnisreiche Unterstützung, Begleitung und Beratung durch den Historiker Gergely Romsics und die Germanistin Katalin Imre hätte es dieses anspruchsvolle, themenorientierte Programm nicht geben können.

Am Sonntag, den 19.10.2004 um 06.15Uhr startete der Bus an der WvO in Dillenburg und fuhr nach einem Zwischenstopp in Wetzlar, wo die Schülerinnen der Eichendorfschule und Herr Scheld zustiegen, nach Frankfurt, wo die Schüler/ innen in den Zug nach Budapest umstiegen. Während der langen Zugfahrt begann ein Austausch über die unterschiedlichen Wettbewerbsthemen und erste Kontakte zu den Wetzlarer Schülerinnen, die sich mit der Kaiserin Sissi beschäftigt hatten, wurden geknüpft. Pünktlich um 18.28 Uhr kam dann der Zug im Budapester Ostbahnhof an, wo die Reisegruppe von Frau Edina Veres von der Reiseagentur und dem ungarischen Betreuer Gergely Romsics empfangen wurde. Schon am Bahnhof gab es erste Erläuterungen und den Schülern wurde eine Wochenkarte für Bus und Metro ausgeteilt, sofort mussten sie sich dann mit dem Metroplan auseinandersetzen. Der erste Eindruck vom Hotel Mars in der Nähe des „Blaja Lujza tér“ war positiv, die Zimmer waren groß und relativ schön. Jedoch ließ das Essen zunächst zu wünschen übrig, nach einer Beschwerde besserte es sich aber. Nach dem Essen führte uns Herr Romsics auf den 235 m hohen Gellértberg in Buda. Vom Fuße des Befreiungsdenkmals hatte man einen atemberaubenden Anblick auf die beleuchtete Hauptstadt, was uns die Anstrengungen des Aufstiegs vergessen ließ.

Am Montag zeigte uns Frau Veres im Rahmen einer Stadtrundfahrt die bedeutendsten Plätze und Sehenswürdigkeiten. Erster Haltepunkt war der Heldenplatz, wo sie um das Millenniumsdenkmals des Großfürsten Árpád 1000 Jahre ungarische Geschichte vorstellte. Die Fahrt ging dann weiter durch die sehenswerte Andrassy-Allee, die zu beiden Seiten von Kunstwerken und Palästen, u.a. dem Gebäude der Ungarischen Staatsoper, gesäumt wird. Einen Blick erhaschten wir auch von der Basilika St. Stephan, der größten Kirche der Hauptstadt. Über die Margaretenbrücke führte der Weg dann nach Buda. Hier wurde 1851 die Zitadelle für militärische Zwecke erbaut. Heute ist sie eine Touristenattraktion und bietet einen schönen Rundblick über die Stadt. Unverzichtbar für jeden Budapest-Besucher ist auch ein Besuch der Fischerbastei und Matthiaskirche.

Beim Mittagessen erklärte Herr Romsics, dass er extra ungarische Gerichte ausgesucht habe, damit wir die ungarische Küche kennen lernen sollten und dass wir jeden Tag eine Klasse aufsteigen würden, was die Restaurants und damit unsere Verköstigung anginge. Es fing mit einer sehr schmackhaften Bauernmahlzeit an, eine Art Nudel-Kartoffel Auflauf mit Gurkensalat und dazu Kümmelbrötchen. Um 14 Uhr führte Herr Romsics dann durch die Pester Innenstadt und gab Hinweise auf Stätten des Aufstandes von 1956.Danach besuchten wir das Széchenyi-Bad, das größte europäische Heilbad mit Thermal-, Dampf- und Wannenbädern und mehreren Schwimmbädern. Die Thermalbäder sind bis zu 39 Grad heiß, so dass sogar Leute im Wasser Schach spielten. Am Abend erwartete uns eine Lasershow im Planetarium mit 3D Aufnahmen und Musik von Mike Oldfield, die uns begeisterte. Der Dienstag startete mit einem besseren Hotelfrühstück.

Danach fand eine Ausflugsfahrt nach Szentendre statt, einem kleinern Ort, 20 km von Budapest entfernt, direkt am Donauufer liegend. Nach einer informativen Führung und einer eigenständigen Erkundung des Ortes besuchten wir noch das Keramikmuseum, in dem wir eindrucksvolle Plastiken und farbige Wandbilder der Künstlerin Margit Kovacs bewundern konnten. An diesem Tag sollten wir bürgerlich essen: Es gab Nudelsuppe, Truthahn und einem flambierten Rum-Schoko-Pfannkuchen als Nachtisch, welcher besondere Begeisterung hervorrief.

Dann fuhren wir zurück nach Budapest, wo wir um 15.30 Uhr durch die Vermittlung von Orsolya Ganzler im Budapester Parlament empfangen wurden. Das Parlament ist das imposanteste Bauwerk des Landes, das von Imre Steindl zwischen 1885 und 1902 errichtet wurde, und in dem heute die heilige Krone und weitere Krönungsinsignien aufbewahrt werden. Der Besuch begann mit der üblichen Sicherheitskontrolle am Eingang. Während das Gebäude bereits von außen durch seine sehr aufwendige Architektur beeindruckend aussieht, wird man dann innen endgültig fasziniert. Der Bau erinnert mehr an einen königlichen Palast als an ein Parlament. Überall Blattgoldverzierungen, Marmorsäulen, und rote Teppiche In einem gesonderten Raum sind die Kronjuwelen Ungarns zu bewundern, bewacht von zwei gala-uniformierten Soldaten. Zusammengefasst scheint das Parlament märchenhaft und die Besichtigung mit Führung war für uns alle sehr lohnenswert.

Nach dem Abendessen im Hotel schauten wir uns einen Film in einem internationalen Kino in englischer Sprache mit ungarischen Untertiteln an. Das Kino befand sich in einem gigantisch großen Einkaufszentrum, was uns letztendlich mehr beeindruckte als der Film.

Am Mittwoch, dem 22.09 begann unser Tag schon sehr früh, da wir einen Ausflug nach Pécs machten, begleitet wurden wir von Katalin Imre. Nach einer ungemütlichen dreistündigen Zugfahrt kamen wir gegen Mittag endlich an. Zunächst besuchten wir das Leöwey Klára Gimnázium. Da Gymnasium ist seit 1956 für die ungarndeutsche Minderheit. Von 33 Klassen gibt es 12 Deutschklassen. Die berühmteste Schülerin war die Lyrikerin Valeria Koch. Freundlich begrüßt wurden wir von Direktorin Frau Dr. Judith Szolcsanyi und der Abteilungsleiterin Frau Fabian sowie drei Schülerinnen, die mit großer Begeisterung Deutsch lernten. Sie beantworteten unsere Fragen über das ungarische Schulsystem, führten uns dann durch die Schule, stellten auch Fragen an uns und zeigten großes Interesse. Da die Schülerinnen wirklich fließend Deutsch sprachen, fiel uns die Kommunikation sehr leicht und wir hatten viel Spaß zusammen. Es war sehr beeindruckend eine fremde Schule so kennenzulernen. Die Schülerinnen begleiteten uns zu einem Restaurant, wo wir uns von ihnen verabschiedeten. Hier sollten wir wie der Adel speisen. Als Vorspeise gab es einmal wieder Nudelsuppe, und das Hauptgericht bestand aus Gulasch mit Spätzlen. Als wir fertig waren, folgte eine ungemein kurzweilige und gleichwohl informative Stadtführung durch Zsolt Regölyi, den Geschichtslehrer des Gymnasiums. Seit 1009 ist die Stadt Bischofssitz. Römische Grabkammern, türkische Moscheen, schlanke Minarette, kunstvolle Keramiken aus Zsolnay, Mandelbäume, gemütliche Lokale und Cafés prägen Pecs (Fünfkirchen), das Zentrum der Ungarndeutschen. Danach sahen wir uns noch das dortige Vasarely-Museum an, das den Weg des Künstlers zeigt, und einige besuchten noch das Csontváry-Museum. Um 17.00 Uhr fuhren wir dann schließlich wieder mit dem Zug zurück nach Budapest.

Am Donnerstag, den 23.09.04, besuchten wir vormittags das „Haus des Terrors“, was sich als einer der Höhepunkte der Reise darstellte. In einem besonders symbolträchtigen Bürogebäude in der Andrassy–Allee 60 befand sich 1944 das „Haus der Loyalität“, das Hauptquartier der ungarischen Nationalsozialisten. Der Übergang zur kommunistischen Nutzung war nahtlos: Von 1945 bis 1956 betrieb der Geheimdienst das Gebäude. Verhör, Folter und Hinrichtungen standen hier auf der Tagesordnung. Die in 2003 eröffnete Gedenkstätte veranschaulicht mit vielen außergewöhnlichen Exponaten, Bild- und Tondokumenten den Unterdrückungsapparat der beiden Terror-Regime des 20. Jahrhunderts. Diese schwierigen Themen werden dem Besucher exzellent nähergebracht, einerseits durch Abschreckendes wie die Folter- und Verhörverliese, andererseits durch moderne multimediale Informationen, sehr beeindruckend und nur schwer vergleichbar mit anderen Museen dieser Themenart. Im Internet ist die Gedenkstätte unter www.houseofterror.hu (in englischer Sprache präsent).

Nach dem Besuch des Museums aßen wir diesmal eine ausgezeichnete Paprika-Fischsuppe, die bei den meisten allerdings auf wenig Zuneigung stieß, da sie so etwas nicht kannten. Der Koch des dortigen Restaurants war jedenfalls ganz ratlos und fragte, warum es uns nicht geschmeckt hätte. Danach folgte ein Rundgang durch das ehemalige Jüdische Viertel mit einem Besuch der großen Synagoge. Die Synagoge in der Dohánystraße würde 1859 eingeweiht. Sie stellt mit ihren 3.000 Sitzplätzen gegenwärtig das größte derartige Gebäude in Europa und das zweitgrößte in der Welt dar. In ihrer nächsten Nachbarschaft wurde das Jüdische Museum eröffnet. Es befindet sich neben der Synagoge, an der Stelle jenes Hauses in welchem der berühmte jüdische Politiker und Schriftsteller Theodor Herzl geboren wurde. Hinter der orientalisch wirkenden Synagoge von Budapest steht ein „Lebensbaum“, ein Baum aus Metall, dessen Blätter wie eine Trauerweide nach unten hängen. Auf den Blättern stehen die 400 000 Namen der während des Holocaust ermordeten ungarischen Juden. Es ist insgesamt ein sehr nachdenkliches Denkmal, zudem es auf einem Massengrab von ermordeten Juden steht.

Nach dem Abendessen gab es keine geplante Veranstaltung, und unser Versuch mit der geschlossenen Gruppe eine Disco oder eine Bar zu besuchen, schlug fehl, da während der Woche nur wenige Einrichtungen dieser Art geöffnet haben. Auch der Versuch in einer durchaus überfüllten Bar zu verweilen, gefiel den meisten nicht und so verbrachten wir den letzten Abend unserer Ungarnreise gemütlich in den Hotelzimmern.

Die Vormittagsveranstaltung des letzten Tages in Budapest führte uns in ein weiteres Vasarely-Museum. Hier sind 400 Originalwerke des aus Ungarn stammenden Künstlers, des Vaters der „Op-Art“ ausgestellt. An Vasarelys Bildern war sehr signifikant, wie er allein mit Linien, ohne Objekte, einen dreidimensionalen Effekt erzielen konnte. Die Bilder waren sehr beeindruckend und der Aufenthalt in diesem Museum erfüllte einige von uns mit Begeisterung. Cornelius: „Ein absolutes Muss für eine Besichtigung in Budapest ist ein Besuch im Vasarely Museum. Hier sind an die 400 Gemälde des Op-Art-Künstlers Victor Vasarely ausgestellt. Es ist ein faszinierender Anblick, wie sich z.B. Kugeln aus der metergroßen Leinwand herauswölben und schwarze Quadrate einen Flimmereffekt auf der Netzhaut hervorrufen. Ich habe es selten erlebt, dass Schüler in einem Kunstmuseum in der Art begeistert waren. Bedauerlich an diesem Museum war hingegen, dass man keine Souvenirs wie Postkarten oder Drucke erwerben konnte.“

Zum Abschied konnten wir uns an einem regelrechten Festschmaus in einer Art Kellerrestaurant in der Vacy Utca laben, wo man zwischen Fleischspießchen mit Bratkartoffeln und verschiedenen Gulaschsorten auswählen konnte. Diese Mahlzeit war so konzipiert, dass sie wohl für die nächtliche Rückfahrt ausreichen sollte, so reichlich waren die Teller bzw. Platten belegt.

Am Nachmittag war uns freigestellt, was wir machen konnten. Einige besuchten das Museum der bildenden Künste, andere erkundeten die große Markthalle, die gefüllt war mit typisch ungarischen Gewürzen, Schinken, Salami, Volkskunst etc. und der Rest bahnte sich einen Weg durch den riesigen, nicht überschaubaren chinesischen Markt in der Köbanyhi-Straße, auf dem Gelände einer ehemaligen Industrieanlage, auf dem es in einer Vielzahl von Läden von Schuhen über Pullover bis hin zu Taschen nur Imitate und billige Produkte zu kaufen gab. Wenn man bedenkt, dass der Durchschnittsverdienst in Ungarn bei 400 Euro liegt, die Preise mit den unseren aber vergleichbar sind, wird klar, dass viele trotz eines Zweitjobs kaum über die Runden kommen, und dieser Markt eine Fundgrube für viele, die unter der Artmutsgrenze leben und das ist ein Drittel der ungarischen Bevölkerung, darstellt. Gute ungarische Handelsbeziehungen mit China, 50 000 Chinesen in der Stadt und die Eröffnung des ersten bilingualen chinesischen Gymnasiums in Europa in Budapest sind ein Beleg für eine neue besondere Art der Globalisierung.

Gegen Abend trafen wir uns schließlich wieder alle im Hotel, wo wir unser Gepäck abholten und zum Bahnhof transportierten. Dort fuhr dann um 17.55 Uhr unser Zug mit den Liegewagenabteilen ab. Ein letztes Mal schauten wir uns die Stadt an und stiegen in den Zug ein. Um 9 Uhr morgens des 25.09.04 kamen wir dann müde und erschöpft aber mit vielen schönen Erinnerungen wieder in Dillenburg an!!

Zusammengefasst ist zu sagen,dass sich die Reise nach Ungarn sehr gelohnt hat. Wir haben nicht nur viel über die Geschichte und die Kultur erfahren, sondern auch die Menschen kennengelernt und wunderschöne Eindrücke, Erinnerungen und Bilder mitgenommen. Budapest hat sehr viele wunderschöne historische Gebäude und Denkmäler.

 

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