Karl-Wendel-Preis für die besten Noten in Naturwissenschaften
Forscherdrang stand am Anfang der Geschichte des Dillenburger Unternehmens Wendel Email und ist untrennbar verbunden mit Karl Heinrich Wendel (1882 - 1954). Die mittlerweile vierte Generation des Familien-Betriebs hat nun einen "Karl-Wendel-Preis" gestiftet, der an der Wilhelm-von-Oranien-Schule (WvO) herausragende Leistungen in den Naturwissenschaften belohnen und Anstrengungen auf diesem von Schülern gering geschätzten Gebiet fördern soll.
"Wir sehen auch, dass der Nachwuchs in den Naturwissenschaften weniger wird - und wir suchen selbst Chemiker und Ingenieure, die unsere Produkte weiterentwickeln", sagte gestern Klaus-Achim Wendel, als er zusammen mit Vertretern des Gymnasiums den Preis vorstellte.
Ur-Großvater Karl Heinrich Wendel arbeitete 1932 im Emailwerk der Adolfshütte in Niederscheld, wo Gussbadewannen und -herde mit dem Oberflächenschutz versehen wurden. Im Nebenberuf Heilpraktiker, kannte der Firmengründer die Gesundheitsschäden, die das Blei im Email bei Schmelze und Verarbeitung verursachte - und forschte so lange nach einer Lösung, bis die erste Majolika ohne das Schwermetall entstand. "Das zeigt, wie naturwissenschaftliche Kenntnisse dem Menschen helfen können. Und darauf beruht unser wirtschaftlicher Erfolg bis heute", erläuterte Klaus-Achim Wendel.
Der Diplom-Kaufmann und Geschäftsführer ist ein wenig neidisch auf seinen jüngeren Bruder Dr. Jörg Wendel, der 1982 an der WvO Abitur machte und heute für die Forschung und Entwicklung der breiten Produktpalette des Unternehmens verantwortlich zeichnet. "Ihm kann da keiner das Wasser reichen - Kaufleute oder Juristen sind eher zu ersetzen", erläuterte Klaus-Achim Wendel. Sein Bruder hatte selbst in Dillenburg Mathe und Physik als Leistungsfächer, ehe er in Gießen Chemie studierte und darin promovierte. "Bei Mathe haben die meisten ihre Runden gedreht. Gute Grundkenntnisse kommen einem im Studium jeden Tag zugute", berichtete Dr. Jörg Wendel aus seinen Erfahrungen.
Der Karl-Wendel-Preis gilt deshalb für alle Naturwissenschaften an der WvO als Ansporn: Der Jahrgangsbeste, der in Mathe und zwei anderen Fächern dieses Gebiets einen Notenschnitt von mindestens 12 Punkten vorweisen kann, erhält 1000 Euro. Der Zweitbeste wird mit 500 Euro gefördert. In beiden Fällen müssen die Gewinner nach dem Abi ein Naturwissenschafts-Studium beginnen.
"Das ist schon ein schöner Anschub", sagte Lehrer Bernhard Mahnke, der die Idee zu diesem Preis hatte und auf der anderen Seite der Dill einen Partner fand. Mit einem solchen Preisgeld könne sich ein Studienanfänger die teuren Fachbücher beschaffen. Zudem mache sich eine solche Auszeichnung schon zu Schulzeiten gut im Lebenslauf.
Pro Jahr gebe es am Gymnasium etwa drei bis vier Schüler, die die Anforderungen erfüllen könnten, sagte Mahnke. Der Preis sei nun eine Motivation, sich noch mehr anzustrengen. Schüler für die Naturwissenschaften und deren Nutzen zu begeistern, sah auch Schulleiter Martin Henrich als dringend notwendig. "Ich habe erst eben die Hiobsbotschaft erhalten, dass laut Vorabfrage in der Klasse 11 nach den Sommerferien möglicherweise keine Leistungskurse in Chemie oder Physik zustande kommen könnten." Deshalb leiste Wendel gerade jetzt einen wichtigen Beitrag, diese Fächer interessanter zu machen. Ein solcher Preis, wie ihn die Wendel-Brüder am 25. Juni bei der Abitur-Feier erstmals vergeben möchten, hat auch Landrat Dr. Karl Ihmels zu einer spontanen und schnellen Glückwunsch-Karte angeregt. Direktor Henrich und Lehrer Mahnke sind sich ohnehin einig, dass dieses Beispiel Schule machen sollte - im wahren Wortsinn und vielleicht mit anderen Firmen für andere Fächer.