WvO-Schüler erforschen jüdisches Landleben im Freilichtmuseum

Am vergangenen Mittwoch, dem 13. Juni, besuchten drei Grundkurse der Qualifizierungsphase 2 der Wilhelm-von-Oranien-Schule das Freilichtmuseum Hessenpark in Neu-Anspach, um sich im Rahmen des Geschichts- und Erdkundeunterrichts ein konkreteres Bild vom jüdischen Landleben in Hessen zu machen, als dies die Schulbücher vermitteln können. Dort steht das städtische Judentum und vor allem der Holocaust im Zentrum, das jüdische Landleben kommt nicht vor. Das Freilichtmuseum Hessenpark informiert seine Besucher hierzu in einer Sonderausstellung: "Um das Jahr 1925 wohnt etwa ein Drittel der hessischen Juden in Dörfern und Kleinstädten. Sie sind geachtete Bürger und leben in enger Nachbarschaft mit der christlichen Bevölkerung. Im Nationalsozialismus werden die jüdischen Bürger verfolgt, vertrieben, verschleppt und ermordet."

Die Schülerinnen und Schüler besuchten mit ihren Lehrern Michael Schneider und Kerstin Renkhoff die Anfang Juni eröffnete Sonderausstellung "Jüdisches Landleben in Hessen", die anhand von historischen Fotografien das Leben jüdischer Familien in Windecken, Ostheim und Heldenbergen bis zur Zeit des Nationalsozialismus dokumentiert. Diese Sonderausstellung wird in der ehemaligen Synagoge aus Groß-Umstadt gezeigt, die erst kürzlich für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Der zweite Teil der Sonderausstellung befasst sich mit der Geschichte der jüdischen Gemeinde Groß-Umstadts und ihrer Synagoge. Dort besteht auch die Möglichkeit, sich über jüdisches Leben in anderen Regionen Hessens vor dem Holocaust zu informieren.

Das Thema Groß-Umstadt stellte einen Schwerpunkt für die Oberstufenschüler der WvO bei ihrem Museumsbesuch dar: Sie beschäftigten sich exemplarisch mit vier jüdischen Familien dieser südhessischen Stadt und erforschten, wie sich deren Alltag zur Zeit des Nationalsozialismus veränderte. In einem Rollenspiel, das sich an der tatsächlichen Diskussion über den Umgang mit der Synagoge in Groß-Umstadt und deren Verbringung in das Museum orientiert, wurde ferner die Frage erörtert, ob die Umsetzung der Synagoge in das Freilichtmuseum sinnvoll sei. Ein weiterer Baustein des Projekttages war die Beschäftigung mit jiddischen Elementen in der heutigen Umgangssprache. So leitet sich unser heutiger Neujahrsgruß "Einen guten Rutsch!" von Rosch haSchana, dem Namen für das jüdische Neujahrsfest, ab.

Begleitet von Edith und Erich, zwei jüdischen Kindern, die in einem kleinem Museumsführer die WvO-Schüler zu verschiedenen Stationen und schließlich zur ehemaligen Synagoge aus Nentershausen lotsten, erhielten die Teilnehmer der Exkursion einen Einblick in das Leben jüdischer Hessen in den 1930er Jahren. Das Freilichtmuseum Hessenpark, das als einziges Museum seiner Art zwei Synagogen beherbergt, bot den Dillenburger Schülern einen weitgefächerten Einblick in das Thema "jüdisches Landleben".