DDR-Bürgerrechtlerin Freya Klier hielt vielbeachteten Vortrag über „Honeckers Erben - Nun auch ein Westproblem?“ in der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung in Wiesbaden

Am Dienstag, den 6. Februar 2007, hielt die ehemalige DDR-Bürgerrechtlerin Freya Klier in der überfüllten Bibliothek der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung einen Vortrag über die Machenschaften der SED-Regierung in der ehemaligen DDR und informierte die Besucher, darunter auch Schüler aus Dillenburg und Rüsselsheim, über den ursprünglichen und heutigen Einfluss vieler ehemaliger DDR-Funktionäre. Die anschließende Diskussion moderierte der Geschichtsprofessor Prof. Dr. Sönke Neitzel.

Freya Klier polarisiert von jeher durch ihren klaren Standpunkt: So forderte sie schon im November 1987gesellschaftliche Änderungen in der DDR und forderte die Freiheit auch für die Andersdenkenden. Dadurch wurde sie Pressionen unterworfen, sodass sie sich Anfang 1988 gezwungen sah, die DDR zu verlassen. Seitdem lebt sie als freischaffende Autorin und Regisseurin im Westen Berlins. Unerschrocken und unermüdlich setzt sie sich seit dieser Zeit mit den totalitären Herrschaftsformen des vergangenen Jahrhunderts auseinander: So veröffentlichte sie z.B. die gründlich recherchierten Dokumentationen „Gelobtes Neuseeland.“ über die Flucht deutscher Juden ans Ende der Welt oder ein Buch über den DDR-Pfarrer Oskar Brüsewitz, der durch sein Flammentod einen Gegenpunkt zur Kirche im Sozialismus setzte.

In Ihrem Vortrag in der HLZ kritisierte sie den heutigen, unverantwortlichen Umgang der Verantwortlichen mit der Stasi-Vergangenheit der DDR und forderte ein verstärktes Medieninteresse an der Aufarbeitung der Vergangenheit. „Es kann nicht sein, dass viele ehemalige Stasimitarbeiter heute noch Schlüsselpositionen in der Wirtschaft und der Politik innehaben, die Täter entlastet und die Opfer aus dem Blickfeld gedrängt werden“, so die erfolgreiche Regisseurin und Buchautorin.

Zugleich bot Freya Klier einen interessanten historischen Überblick über die Entwicklung der DDR und ihr scheindemokratisches Regierungssystem. Sie erinnerte an einen Ausspruch Ulbrichts, zitiert in Wolfgang Leonhards Buch „Die Revolution entlässt ihre Kinder“: „Es muss alles demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben.“ Dabei betonte sie, dass diese Art des Denkens auch heute noch bei der Nachfolgepartei der SED vorherrsche und warnte davor mit dieser Linkspartei ein Regierungsbündnis einzugehen. Da sie in der DDR sozialisiert wurde, sei ihre diese Art des Kampfs um den Machterhalt nicht fremd, vielen Menschen im Westen, von der Demokratie verwöhnt, fehle aber dafür die Vorstellungskraft.

Es war diese unorthodoxe Sicht der Dinge, mit vielen Beispielen gespickt, von der Veruntreuung und Aneignung des DDR-Volksvermögens über die Löschung von Stasi-Akten in der Birthlerbehörde bis zum Litwinienko-Mord, mit denen Freya Klier kenntnisreich auf Tabus in der politischen Berichterstattung hinwies und das Publikum für sich einnahm. Zum Schluss ihrer Ausführungen ging Freya Klier noch einmal auf die verpasste Vergangenheitsbewältigung mit der DDR-Geschichte ein und nannte verschiedene Beispiele, angefangen z.B. bei der Auflösung des Gesamtdeutschen Instituts bis hin zu dem aus ihrer Sicht weitgehend fehlgeschlagenen Versuch, ehemalige Mitarbeiter des Staatssicherheitsdienstes aufzuspüren und zu verurteilen. Als typisch für den unkritischen Umgang mit der DDR erschien ihr der Film „Good-bye Lenin“. Es wäre viel sinnvoller, sich im Unterricht mit dem neuen Film „Das Leben der anderen“ zu beschäftigen, so betonte sie.

Natürlich gab es in der regen Diskussion im Anschluss an diesen Vortrag auch kritische Frage, mit denen die ehemalige Bürgerrechtlerin aber gut umgehen konnte. Im abschließenden Gespräch mit der Autorin mit Dr. Bernd Heidenreich, dem Leiter der Hessischen Landeszentrale, machte sie noch einmal deutlich, dass es Aufgabe der politischen Bildung sein müsse, den Opfern ein Forum zu bieten. Dr. Heidenreich teilte diese Auffassung, verwies auf die Publikationen seines Hauses zu dieser Frage, bedankte sich in seiner Laudatio bei der Autorin, hob hervor, dass die Auseinandersetzung mit dem Stasistaat weiterhin ein zentrales Thema für die politische Bildung sei und kündigte weitere Vorträge dieser Art an.