Von Heuschreckenplagen bis zu Klimakatastrophen- Ökologische Systeme& dynamische Modellierung

„Aha.“ „…Heuschrecken und dynamische…was?“ „In den Ferien freiwillig lernen? …Mit irgendwelchen Freaks? …spinnst doch Julia!“

Wie konnte es zu so etwas unfassbarem kommen?

Aber vor allem: wie beschreibt man die vielleicht schönsten 2½ Wochen seines Lebens?

Ich fange mit dem Sachlichen an:

Die deutsche Schülerakademie ist eine Initiative zur Förderung von besonders leistungsfähigen und motivierten Jugendlichen und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft gefördert. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit sind »Akademien« – 2½wöchigen Seminare im Sommer an verschiedenen Orten in Deutschland. In diesen Kursen wird nicht nur inhaltlich gearbeitet, sondern auch zahlreiche Kursübergreifende Aktivitäten und Exkursionen gehören zum Programm. Pro Akademie werden ca. 100 Teilnehmer aus Deutschland und dem Ausland eingeladen.

Im Februar 2004 sprach mich Herr Mahnke an und schlug mir vor, mich bei der Deutschen Schülerakademie für einen Sommerkurs zu bewerben. Dort treffen sich jedes Jahr interessierte, engagierte und offene Schüler aus ganz Deutschland, um für zweieinhalb Wochen zusammen zu leben und in Kursen „außerunterrichtliche Themen“ zu erarbeiten. Ich wollte schließlich auch gerne diese neue Erfahrung machen und ließ mir das Sommerprogramm 2004 zuschicken.

Eine Riesenauswahl von Kursen mit den unterschiedlichsten Themen lag mir vor. Insgesamt acht Akademien boten je sechs verschiedene Kurse an – das Spektrum reichte von ‚Quantenmechanik’ über ‚Einführung in die Rhetorik’ bis hin zu Musik und Theater. Fast alle Kurse hörten sich neu, außergewöhnlich und sehr interessant an, so dass mir die Wahl sehr schwer fiel. Kurzum: Die Frage war nicht mehr, ob ich mich bewerbe, sondern wofür...

Die Zusage zur Teilnahme an der Akademie Rossleben erfreute mich sehr, ich bekam meine Erstwahl. Der Verein der Ehemaligen und Freunde der WvO unterstützte mich außerdem mit 400 Euro bei meiner Eigenbeteiligung.

Die ersten Zweifel kamen jedoch, als ich von unseren Kursleitern einen dicken Stapel Kopien(die Hälfte auf Englisch versteht sich) mit Zeichen und Zahlen(noch nie in meinem Leben gesehen) bekommen habe.

Eine Mischung aus Befangenheit, Unsicherheit und gespannter Erwartung, sowie ein Wörterbuch zur Übersetzung der letzten Wörtchen begleiteten mich auf meiner Anreise. Umso größer waren dann mein Erstaunen und die Erleichterung, auf außerordentlich aufgeschlossene und begeisterungsfähige Menschen zu stoßen, zu denen man rasch Kontakt schloss.

Die darauf folgenden Tage – mit Ausnahme der vormittags kursfreien Sonntage und einer Exkursion nach Weimar– besaßen den gleichen Rhythmus. Jeden Tag trafen sich alle zur morgigen Vollversammlung. Dort wurden allgemeine Dinge besprochen und bekannt gegeben, welche "KüA"s (was Kursübergreifende Angebote meint) an diesem Tag angeboten wurden. Jeder, ob Kursteilnehmer oder –leiter, konnte Aktivitäten anbieten, so dass ein volles Programm entstand, angefangen vom Tanzen, oder Kampfsport über Chor, Orchester bis hin zu ‚Portugiesisch für Anfänger’, Vorträgen oder Improvisationstheater. Alle Aktivitäten waren freiwillig, also kam es auch oft vor, dass ich mit einigen meiner neuen Freunde einfach draußen auf der Wiese lag oder am Computer arbeitete. Solche "KüA"s fanden direkt nach dem Mittag- und Abendessen statt.

Dazwischen, aufgefrischt durch zwei Kaffee& Kuchenpausen, wurde in den Kursen gearbeitet. Mein Kurs sprach mich besonders wegen seiner Mischung aus Ökologie, Mathematik& Informatik an.

Im ersten Teil unseres Kursverlaufes stellten wir die verschiedenen Themenbereiche der ökologischen Modellierung und die notwendigen mathematischen Grundlagen in Referaten vor. Die vermittelten mathematischen Sachverhalte wurden durch einfache Übungsaufgaben veranschaulicht. Im zweiten Kursabschnitt lag der Schwerpunkt auf der Kombination der erarbeiteten theoretischen Sachverhalte zur Beantwortung angewandter Fragestellungen. Dabei wurden komplexere mathematische Modelle aus der Ökologie, wie z.B. erweiterte Räuber-Beute-Modelle eigenständig erstellt und am Rechner simuliert. Das Modellverhalten konnte mit Hilfe des Computers und bei den einfacheren mathematischen Modellen auch analytisch untersucht werden. Konkret: Wir versuchten Systeme(Ozean, Baum,…) in mathematische Modelle umzuwandeln.

Neben der inhaltlichen Arbeit bereitete man sich auf die Rotation zwischen den einzelnen Kursen vor und schrieb an einer ,Doku’ über unsere Kursarbeit. Da diese Zeit oft nicht ausreichte, arbeitete man bis in die späte Nacht hinein, wenn man nicht gerade in interessante Diskussionen verwickelt war oder es zum spontanem ‚Tanz in den Morgen’ kam.

Der Tag war also lang und wer anstatt den Sonntag zum Ausschlafen zu nutzen in die Kirche ging(ich), musste sich versuchen mit Kaffee auf den Beinen zu halten.

Viel zu schnell war dann für uns alle die gemeinsame Zeit vorbei. Ich nahm viele Erfahrungen, Eindrücke und Freundschaften mit nach Hause.

Alles in allem war die Atmosphäre völlig anders als in der Schule oder (wie unsere Kursleiter versicherten, die beide erst vor kurzem ihr Studium beendeten) in einer normalen Uni. Jeder, der da war, hatte Interesse. Man lernte in einer kurzen Zeit unglaublich viel, ohne dass dabei der Spaß fehlte.

Ich möchte vor allem Herrn Mahnke und dem Verein der Ehemaligen und Freunde der WvO für die Ermöglichung dieser unvergesslichen Zeit danken, und jedem der eine Chance bekommt an der Deutschen Schülerakademie teilzunehmen raten, sich zu bewerben!