Abilene 2006
Drei erlebnisreiche Wochen in der schon sommerlichen texanischen Prärie verbrachten 17 Schüler und Schülerinnen aus der Jahrgangsstufe 11 der Wilhelm-von-Oranien-Schule und ihre Lehrer Rainer Binde und Kerstin Renkhoff. Im Rahmen des zweiten Schüleraustauschs mit der Cooper High School in Abilene genossen die Dillenburger Pennäler die Gastfreundschaft der Texaner und gewannen einen Eindruck von den weiten Entfernungen im zweitgrößten Bundesstaat der USA.
Zwölf Stunden dauerte zunächst der Flug von Frankfurt nach Dallas. Dort mussten
alle dann die komplizierten Einreiseformalitäten über sich ergehen lassen,
zu denen die
Abnahme
eines Fingerabdrucks und das Fotografieren der Augen gehörten. Eine Stunde
dauerte dann der Anschlussflug nach Abilene. Da die Schüler der beiden örtlichen
High Schools am Freitag noch Prüfungen zu absolvieren hatten, begann der Schulbesuch
der deutschen Gäste erst am Montag. Den Freitag nutzten sie daher zu einem
Besuch des nahe gelegenen Ortes Buffalo Gap, in dem als Open-Air-Museum ein
altes Pionierstädtchen wieder aufgebaut wurde. Dort konnten die Besucher einen
Eindruck vom harten Leben an der Grenze zum Indianergebiet im 19. Jahrhundert
gewinnen.
Nachmittags ging es dann zur Hardin-Simmons University, einer der drei kleinen, christlichen Universitäten, die Abilene ein gewisses studentisches Flair verleihen. Typisch für die 100.000-Einwohner-Stadt waren ansonsten die ungewöhnlich hohe Zahl von Kirchen - angeblich besitzt Abilene die höchste Kirchendichte der USA pro Einwohner - und die vielen Restaurants, die zu jeder Tageszeit gut besucht waren.
Am Montagmorgen um fünf vor acht begann schließlich der Alltag in der Schule. Da die amerikanische Austauschlehrerin an den beiden örtlichen High Schools unterrichtet, wurden die Dillenburger Schüler und Schülerinnen auf beide Schulen verteilt. An insgesamt zehn Tagen begleiteten sie ihre amerikanischen Partner und erfuhren, wie sehr sich der Unterricht an einer High School von dem der eigenen Schule unterscheidet. Als erstes erhielten die deutschen Gäste, wie alle einheimischen Lehrer und Schüler, eine Ausweiskarte mit Bild, die auf dem Schulgelände stets gut sichtbar getragen werden musste. Erst dann durften sie die Unterrichtsstunden, die um 15.30 Uhr endeten, besuchen. Erfreulicherweise unterschied sich die Kleiderordnung nur wenig von der zu Hause, so dass die deutschen Schüler sich optisch problemlos einfügten. Weniger gefielen ihnen aber die strengen Strafmaßnahmen, mit denen amerikanische Schüler bei Verstößen gegen die Schulordnung rechnen müssen. Auch den Unterricht fanden sie durchweg weniger interessant als den an ihrer eigenen Schule.
In den Familien erlebten die deutschen Gäste die für den amerikanischen Süden typische, überwältigende Herzlichkeit. Dazu gehörte auch, dass man an einem Wochenende mal eben ins 300 Kilometer entfernte Dallas gefahren wurde oder man den Gast aus Europa der weit entfernt wohnenden Verwandtschaft vorstellte. Einer der Höhepunkte war für einige die Gelegenheit, an dem High School Abschlussball teilzunehmen.
Der Höhepunkt der Exkursionen war eine viertägige Fahrt zum knapp 800 Kilometer
entfernten Big Bend Nationalpark, einer Mischung aus Steinwüste und Hochgebirge,
in dem Pumas und Schwarzbären umherstreifen. Schon die Unterkunft auf der
Heath Canyon Ranch direkt am Ufer des Rio Grande war ein Abenteuer für sich.
100 Kilometer von
der
nächsten amerikanischen Siedlung und eine Fahrstunde vom Eingang des Parks
entfernt, erlebten die jungen Gäste aus der mittelhessischen Zivilisation,
was man unter Einsamkeit versteht. Spartanisch untergebracht wie die Cowboys
am Ende des 19. Jahrhunderts und umgeben von Klapperschlangen,Taranteln und
Kojoten, mussten sie zunächst einmal die nötige Gelassenheit erwerben, um
am nächsten Morgen die beeindruckende Landschaft genießen zu können. Zwei
Tage lang durchfuhren und durchwanderten sie dann bei 40 Grad im Schatten
die gebirgige Wüste und die grandiosen Canyons, in denen auf beiden Seiten
bis zu 400 Meter hohe Felswände den Rio Grande einrahmen. Die einzigen Lebenszeichen
waren blühende Kakteen und Yukkapalmen sowie die Roadrunner, Geier und Wildschweine,
denen man immer wieder begegnete. Auf dem langen Rückweg nach Abilene
hatten
dann alle Gelegenheit, sich in einer Dünenlandschaft, den berühmten Monahan
Sandhills, im Sandsurfen zu üben.
Noch stärker als die landschaftlichen Schönheiten wird den Dillenburger Pennälern aber die Gastfreundschaft der Menschen im "Big Country" in Erinnerung bleiben. So war es kein Wunder, dass kaum einer nach drei Wochen gern den Rückflug antrat. Im Sommer des nächsten Jahres werden die Texaner dann die Weite der Prärie für drei Wochen gegen die mittelhessische Mittelgebirgslandschaft eintauschen.