14 Gymnasiasten aus Dillenburg und Herborn nahmen teil

Arbeitsseminar im ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald

Torgebäude des ehemaligen KZ Buchenwald
Torgebäude des ehemaligen KZ Buchenwald. Die Uhr zeigt immer noch den Zeitpunkt der Befreiung.

Vom 14. - 19. September haben wir, eine Gruppe von 14 Jugendlichen der Wilhelm-von-Oranien-Schule Dillenburg und des Johanneum Gymnasiums in Herborn, an einem Arbeitsseminar in der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald/Weimar teilgenommen. Dieses Arbeitsseminar ist eine Kooperation des Jugendbildungswerkes Lahn-Dill und der Schülervertretungen beider Schulen.

Diese Fahrt findet bereits zum dritten Mal statt; Begleitet wurde die Gruppe von Kristine Tromsdorf und Wolfgang Wendel. In Buchenwald selbst betreute uns der Leiter der Jugendbegegnungsstätte, Dr. Helmut Rook.

An den ersten beiden Tagen stand die Erkundung des Geländes auf dem Programm, das nicht nur den umzäunten Häftlingsbereich umfaßt, sondern auch die Außenanlagen. Dazu gehört z.B. der Steinbruch, in dem Häftlinge durch unmenschliche Arbeit gequält wurden. In unmittelbarer Umgebung des Stacheldrahtbereichs befanden sich zudem die Kasernen der SS-Wachmannschaften - eines dieser Gebäude wird heute als Jugendbegegnungsstätte genutzt, in der wir während unseres Aufenthaltes untergebracht waren.

Emotional berührt haben uns besonders Orte wie das Krematorium oder das Aschegrab. Der Komplex des Krematoriums ist umgeben von einem dunklen Bretterzaun. Dahinter waren nicht nur die Verbrennungsöfen, sondern auch die Pathologie und Hinrichtungsstätten. Im Hof des Krematoriums wurden Menschen erschossen, im Leichenkeller Menschen gehängt.

Das Vorhandensein des Aschegrabes ist erst seit einigen Jahren bekannt - menschliche Knochenstücke wurden an diesem Ort mitten im Wald gefunden. Der Hintergrund: Die SS ließ die Asche aus dem Krematorium in Säcke verpacken und auf LKW verladen. Anschließend wurde diese einfach in ein Erdloch im Wald "abgekippt".

Um mehr über den Ort Buchenwald zu erfahren und um uns mit der NS-Zeit intensiver zu befassen, standen uns während unseres Aufenthaltes das Museum sowie das Archiv der JBS zur Verfügung. Hier konnten wir auf Originaldokumente zurückgreifen, die vom Befehl zur Lagergründung bis zu Häftlingsberichten über den Lageralltag reichen.

Aufgrund schlechter Wetterverhältnisse konnten wir in diesem Jahr leider keine Ausgrabungs- und Erhaltungsarbeiten vornehmen, statt dessen restaurierten wir Original-Fundstücke und versuchten, diese verschiedenen Orten zuzuordnen.

Die Geschichte Buchenwalds endet nicht mit der Kapitulation des Deutschen Reiches - in der Zeit von 1945-50 wurde auf diesem Gelände von der sowjetischen Militäradministration ein Internierungslager errichtet. Mit dem 1996 eröffneten Museum zum Speziallager 2 haben wir uns am Ende der Woche auseinandergesetzt.

Während unseres Aufenthaltes in Buchenwald begannen wir, Material für eine Dokumentation zu sammeln. Dieses wird zu einer Dokumentation zusammengetragen und soll veröffentlicht werden.

Britta Gundlach und Gert Kulyk

Buchenwald 1998Was ist nötig, um uns in Täter zu verwandeln?

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