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Der Zug in die Freiheit |
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Genau wo Wölfe und Sonnenblumen aufgehört hat, setzt dieses Buch an. Nelly
ist alleine mit ihrer Mutter in Polen angekommen, nachdem sie sich dem großen
Treck nach Deutschland angeschlossen hatten. Der Vater war bereits nach
Sibirien verschleppt worden, die Brüder waren nun auch irgendwo alleine auf
dem Treck unterwegs. In dieser Zeit muss ihre Mutter weg aus Polen, zurück ins Altreich, wie
man Deutschland nannte. So bleibt Nelly als 15jährige alleine zurück. Bis sie
es schafft, ihre Familie in Schwäbisch Gmünd in Deutschland wiederzufinden,
muss sie noch einige Erfahrungen sammeln und verbissen für sich kämpfen. Auszug aus "Der Zug in die Freiheit" ...Im Außendienst gab es viel Arbeit: der Flachs mußte ausgezogen werden,
und das war hart. Der Bürgermeister besaß auch ein riesiges Flachsfeld und
erwartete von uns, daß wir alle zusammen dieses Feld an einem Tag abernten
würden. Morgens um sieben Uhr verließen wir vierzig mit den Führerinnen das
Schloß. Auf dem Feld angekommen, zeigte uns die Bürgermeisterin, wie wir es
zu machen hatten. Singend gingen wir an die Arbeit. Hitlers Jugend sang immer
bei der Arbeit. In der Vesperpause gab es reichlich belegte Brote und Tee.
Als ich mich mit allem gut versorgt hatte, ging ich zu den Mägden, die etwas
abseits ihr Brot verzehrten. Eine Magd legte der anderen die Karten, deren
Bräutigam schon seit dem Einzug der Deutschen in Posen vermißt wurde. Die
Karten sollten Auskunft geben, ob er noch lebte oder nicht. Ich schaute ihnen
still zu. Die Karten ergaben, daß der Bräutigam tot sei. Halb im Glauben, es
stimme, und halb im Zweifel darüber, brach das Mädchen in Tränen aus. Ich
hatte tiefes Mitleid mit ihr und war der Kartenlegerin böse. Warum mußte sie
das Mädchen traurig machen? "Du hast die Karten falsch gelegt",
sagte ich. " Komm, gib mir die Karten, ich kann das besser." Zu
Hause hatte ich zwar oft bei Zigeunern zugeschaut, wie sie Karten legten.
Aber daß ich es selbst konnte, war mir neu. Ich nahm die Karten und fing an
zu legen. Vorher hatte ich mitbekommen, daß der Bräutigam schwarzes Haar hatte.
Als dann der Pik-König kam, sagte ich: "Siehst du, das ist dein
Bräutigam, und du wirst sehen, bald kommt die Herz-Dame, das bist du. Und
wenn die Herz-Dame weit vom König fällt, hat er große Sehnsucht nach dir, und
er lebt." Ich konnte es so einrichten, daß die Herz-Dame sehr weit vom
Pik-König lag. So war die Sehnsucht sehr groß und somit bewiesen, daß der
Bräutigam noch lebte. Dankbar lächelte mich die Braut an. Sie glaubte mir
lieber als der anderen Kartenlegerin. An diesem Tag legte ich in der Mittagspause
noch für die anderen Mägde Karten und machte alle sehr glücklich. Ich sagte,
der Krieg sei bald zu Ende. |