Russlanddeutsche Pioniere im Urwald

 

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Was in vielen Geschichtsbüchern nicht berücksichtigt wird, greift Nelly Däs in diesem Buch auf. Aussiedler aus Russland kamen nicht nur nach Deutschland zurück, die Flucht vor der Regierung trieb sie in alle Ecken der Welt, sei es nach Amerika, Kanada, oder wie hier beschrieben Lateinamerika.
Die Familie Eckstein entschließt sich nach einer erfolgreichen Flucht von Russland nach Deutschland für eine Weiterreise nach Brasilien. Das verlockende Angebot, sich die Reisekosten und das erste Geld auf einer Kaffeeplantage zu erarbeiten, ließ die Familie nicht lange zögern.
Die lange Überfahrt bringt den Eltern sowie den Kindern Freunde und alle warten gespannt auf die neue Heimat. Je größer die Freude war, desto größer ist aber auch die Enttäuschung, als sie die notdürftigen Unterkünfte entdecken. Wie die Ecksteins ihr Leben dennoch in den Griff bekommen und wir die Kinder sich in Brasilien einleben, beschreibt Nelly Däs in einer wundervollen Art und Weise. "Russlanddeutsche Pioniere im Urwald" ist auch für ein erwachsenes Publikum geeignet, da interessante geschichtliche Hintergründe mit einer spannenden Erzählung kombiniert sind.
Eigens für dieses Buch reiste Nelly Däs nach Brasilien, um sich dort ein genaueres Bild der Situation zu verschaffen und bei den Nachkommen solcher Auswanderer Informationen zu sammeln. Denn Christian Eckstein, der Familienvater der Geschichte, war niemand anderes als Nellys Onkel.

Hier eine kleine Leseprobe:

"Geschrieben den 23 September 1927.
Lieber Schwager Johann und Schwägerin Karoline mit Euren Kindern! Wir grüßen Euch aus Brasilien. Ja, Ihr habt richtig gelesen, wir sind in Brasilien, und das schon neun Monate. Am 17. Dezember 1926 sind wir auf der Fazenda vom Patron Alfredo Cordez angekommen. Fazenda, das ist ein Gutshof mit 800 Hektar Land. Aber davon schreibe ich Euch ein andermal. Mit unserem Gut im Dongebiet ist es jedoch nicht zu vergleichen. Uns geht es in allem soweit gut. Die Kinder sind schon erwachsen und helfen fest mit. Wir hoffen, in einem Jahr einen eigenen Hof kaufen zu können. Weihnachten feiern wir bei 36 Grad Hitze, mir nacht das schwer zu schaffen. Christian meint aber, es wäre nur das Heimweh. Ich glaube, er hat recht, ich darf überhaupt nicht an Russland denken, ohne dass ich weinen muss. ... Christian und die Buben arbeiten in der Landwirtschaft, in der Hauptsache wird Obst und Gemüse angebaut, das mit Lastautos zum Markt gefahren wird. Eugenie ist im Kindergarten auf der Fazenda beschäftigt. Wir wollen sehen, ob sie nicht in der Stadt Joasaba arbeiten kann. Sie soll so bald wie möglich wieder aus diesem Urwald heraus. Auf der Fazenda ist es sehr einsam. Hätten wir nicht eine Familie Österreich, wären wir nur mit Schwarzen zusammen. Der Patron und seine Familie halten sich von uns fern. Wir sind eben nur Arbeiter, das ist wie bei uns zu Hause. Wir hatten mit den Knechten und den Mägden auch keine Freundschaften. Die Herrschaften geben viele Feste, zu denen wir leider nicht eingeladen werden. Den Winter verbringen sie in der Stadt. Dona Maria, das ist die Frau des Gutsbesitzers, ist eine Spanierin und sie ist bildschön, aber auch so stolz wie eine Spanierin. Wir sind da eben einfache Leute. Tauschen möchte ich mit ihr trotzdem nicht, denn ich glaube, sie ist nicht zufrieden mit ihrem Leben. Die Frauen hier haben nichts zu sagen, der Patron ist der Pan, er ist der Herrscher übers Land und Familie. Wenn du diesen Brief erhältst, gib bitte gleich Antwort. Mach es nicht so wie wir und schweige monatelang.
Bis zum nächsten Mal, ein Wiedersehen gibt es in diesem Leben wahrscheinlich nicht mehr. Bleibt gesund und schreibt gleich! Seid alle herzlich gegrüßt! Deine Schwägerin Eva, dein Bruder Christian und die Kinder.