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"Kochbuch der Deutschen aus Rußland"
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Durch ihren Einsatz für die Russlanddeutschen erreichte Nelly Däs es, dass
viele Menschen ihr Briefe zusendeten. Sie bekam viel Lob, Anregungen und
Fragen zu ihren Büchern. Ausschlaggebend für dieses Buch waren jedoch die
Gespräche mit Verwandten oder Kindern von Frauen, die nach Sibirien in die
Zwangsarbeit geschickt wurden und dort viel Leid erfuhren. Und von denen
viele nicht zurückkehrten. Diese Geschichten, dachte Nelly Däs, dürfen nicht
mit der Zeit vergessen werden. Es ist notwendig, diesen Frauen ein Denkmal zu
setzten.
Das ist ihr hiermit wahrlich gelungen. Nach einem Aufruf in einer Zeitschrift
für Russlanddeutsche machten sich 20 ausgewählte Autoren für dieses Buch ans
Werk und reicherten es mit Erzählungen, Berichten, Gedichten und passenden
Zeichnungen an. Der Weg durch das Buch ist jedoch nicht einfach. Das schwere
Schlucken an manchen Stellen bleibt nicht fort, viele müssen mehrmals gelesen
werden, um sie in ihrem Ausmaß zu begreifen. Die Berichte drehen sich immer
um Haft, Gefängnis, Lager, die Auswirkungen des Überfalls auf die Sowjetunion
und die dort lebenden Deutschen, Treck, Ansiedlung im Warthegau, Arbeitsarmee
und Repatriierung. Das Bewegende sind jedoch die Schicksale hinter diesen
Begriffen, die Kraft und der Glauben, die in den Frauen steckten.
So wird in der Geschichte "Eine Mutter kämpft für ihre Söhne" das
Schicksal der Anna Becker geschildert, die ihre minderjährigen Söhne nicht in
die Arbeitsarmee einziehen lassen wollte. Sie floh und lebte mit
Unterstützung von sibirischen Nomaden 16 Jahre in der Taiga. Dies ist nur
eine kleine Beschreibung aus dem großen Repertoire an tragischen
Überlebenskämpfen aus diesem Buch.
Ein Buch, das die Zeit, die es braucht, absolut wert ist. So wie Nelly Däs zu
ihrem Buch sagte: "Jedes Schicksal, das mir geschildert wurde, nahm ich
in meinem Herzen auf. Manche der Schilderungen bereiteten mir schlaflose
Nächte."
Alle Spuren sind verweht
Lied der Trudarmisten
Hoch im Norden, in dem rauhen,
wo vor Frost die Kiefer kracht,
Trudarmisten - Männer, Frauen -
sägen, hacken, Tag und Nacht.
Schwere Arbeit, karges Essen,
Lumpen haben alle an,
doch ein jeder wie besessen
tut sein Bestes, was er kann.
Schon ermattet sind die Glieder,
dennoch fallen immer mehr
Bäume auf die Erde nieder-
Säge, Axt sind das Gewehr.
In den Wald wir tiefer dringen,
jeder Tag ist eine Schlacht,
die den Sieg wird näher bringen,
doch wir bleiben in Verdacht.
Stacheldraht umzäunt die Blöcke,
auf die Arbeit mit Geleit!
Auf den Türmen, an den Ecken
stehn die Wachen schussbereit.
Kein Gemurre und kein Klagen,
nur die Bäume schreien schrill.
Keine Panik, kein Verzagen,
Trudarmisten sterben still.
Und vergebens warten Kinder
auf der Eltern Wiederkehr.
Alte Väter, alte Mütter
weinen sich die Augen leer.
(Trudarmee = Arbeitsarmee)
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