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Interviews

Interview mit Mariana Cîmpan (ca. 40 Jahre) - 3.12.2007 (Allendorf)

Interview mit LKW-Fahrer Achim Ioan (43 Jahre) - 21.11.2007 (Donsbach)

Interview mit LKW-Fahrer Remus Daniel Marico (41 Jahre) - 17.01.2008 (Donsbach)

Interview mit Dorina Held (31 Jahre) - 24.11.2007 (Sechshelden)

Interview mit Frau Werner (ca. 40 Jahre) - 10.12.2007 (Haiger-Seelbach)

Interview mit Frau Medrea (48 Jahre) - 23.11.2007 (Donsbach)

Interview mit Familie Wischofski (40/45 Jahre) - 17.12.2007 (Fellerdilln)

Interview mit Familie Herbert (ca. 45 Jahre) - 28.11.07 (Haiger-Seelbach)

Einschätzung und Bewertung der Interviews

Wen haben wir interviewt?
Die Menschen, die wir interviewt haben, sind eine bunt zusammengewürfelte Gruppe. Es handelt sich um Rumänien-Deutsche (die in Deutschland wohnen), "waschechte" Rumänen, die in Deutschland wohnen und zwei rumänische LKW-Fahrer, die wegen ihrer Arbeit oft durch Deutschland fahren, aber eigentlich in Rumänien wohnen.

Allgemeine Einschätzung des Umzuges von Rumänien nach Deutschland
Über die Reise nach Deutschland erhielten wir ausschließlich positive Antworten. Auch wurde oft gesagt, dass man gut in Deutschland aufgenommen wurde. Die meisten waren der Meinung, von den finanziellen Möglichkeiten her, wäre Deutschland deutlich besser. Was viele jedoch an Rumänien vermissen, ist die Gemeinschaft. In Rumänien ist es für die Kinder sicher auf der Straße mit ihren Nachbarn zu spielen, und auch die Eltern haben ein vertrauenvolles Verhältnis zueinander. In Deutschland hingegen brauche man den Anderen nicht so sehr, weil man - finanziell gesehen - gut alleine zurecht kommt.

Bewertung der Veränderungen im Leben der Immigranten
Viele unserer Ansprechpartner besuchen ihre „Heimat“ regelmäßig, würden aber nicht unbedingt zurückziehen wollen. Vieles hat sich mit ihrem Umzug geändert, zum Beispiel ihr Beruf. Obwohl es nun auch einige rumänische Frauen gibt, die berufstätig sind, bleibt ein großer Teil zu Hause, um den Haushalt zu führen, so wie ihre Mütter und Großmütter. Unsere berufstätigen Ansprechpartner führen meist in Deutschland ähnliche Berufe wie in Rumänien aus. Ein anderer, sehr wichtiger Aspekt ihres Lebens ist, in Rumänien wie in Deutschland, gleich stark geblieben; der Glaube an Jesus Christus. Fast alle sind evangelisch. Heute wohnen alle im Lahn-Dill-Kreis, doch in Rumänien lebten sie an sehr unterschiedlichen Orten, wobei große Städte, insbesondere Hermannstadt, am meisten genannt wurden.

Einschätzung und Bewertung der politischen Situation in Rumänien vor der Ausreise
Von vielen wurde die damalige politische Lage in Rumänien als sehr negativ gewertet. Es herschte eine kommunistische Diktatur in dem Land hinter dem "Eisernen Vorhang", die den Menschen das Leben oft schwer machte. Die Versorgung war knapp, so berichtetet uns z.B. eine Familie, wie sehr sie erstaunt waren, dass in den anderen Ländern so viel elektrisches Licht gebraucht wird. In Rumänien gab es dies nicht, da man sparen musste. Die Freiheit der Bürger war ziemlich eingeschränkt; es war sehr, sehr schwer, eine Ausreisegenehmigung zu bekommen. „Wie ein Sechser im Lotto“. Auch die Freiheit, ihren evangelischen Glauben auszuleben, war begrenzt und die Menschen wurden politisch streng überwacht.

Einschätzung und Bewertung der politischen und wirtschaftlichen Lage Deutschlands aus der Perspektive von Menschen aus Rumänien
Für die Mehrzahl unserer Gesprächspartner waren die Freiheit und wirtschaftliche Lage Deutschlands etwas sehr Neues. Das Angebot der Waren in Deutschland war bedeutend vielseitiger als in Rumänien. Manche Familien waren schon von Anfang an darauf bedacht, ihren Kindern zu zeigen, dass man nicht alles kaufen kann. Anderen ist die Freiheit in Deutschland zu viel: z. B. dürfen Kinder machen, was sie wollen, was oft die Gemeinschaft gefährdet. Einige wollten sogar deshalb lieber wieder zurück nach Rumänien. Der Wohlstand der Menschen hier hat auch negative Seiten; die Menschen sind nicht aufeinander angewiesen und werden introvertiert und einsam.


Text: Finja Schmidt


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