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In: Dill-Zeitung und Dill-Post vom 21.5.00

Peppig, rasant, gefühlvoll und ausdrucksstark: Ein unbedingtes Muss für jeden Freund dieses Genres / Noch vier Aufführungen in der Stadthalle


Bravo! Den Dillenburger W.v.O.-Schülern gelang mit der „West Side Story" eine Musical-Inszenierung mit Großstadtniveau


DILLENBURG. Schon bei der Generalprobe am Donnerstag hatte alles wie am Schnürchen geklappt. Und das war am Abend darauf erwartungsgemäß nicht anders. Den 130 Mitwirkenden des Musicals „West Side Story" glückte in der ausverkauften Dillenburger Stadthalle eine großartige Premiere, bei der wirklich alles stimmte. Die beeindruckten und begeisterten Besucher spendeten minutenlang „Standing ovations". Die jungen Künstler werden das Werk von Leonard Bernstein nach der gestrigen Vorstellung noch viermal öffentlich aufführen, am heutigen Sonntag um 17 Uhr, am kommenden Freitag und Samstag jeweils um 20 Uhr und am Sonntag, dem 28. Mai um 17 Uhr. Ein Muss für jeden Freund dieses Genres. Was die WvO-Akteure hier auf die Bühne bringen, hat Großstadt-Niveau. Man mag kaum glauben, dass es sich bei den engagierten und talentierten Darstellern wirklich um Amateure handelt.

Unter der Gesamtleitung von Chorleiter Armin Müller haben Schüler, Lehrer und Ehemalige der Wilhelm-von-Oranien-Schule dieses Projekt über ein Jahr lang geplant und einstudiert. Allerdings hätte dieses ehrgeizige Unterfangen ohne die großartige finanzielle Unterstützung der Friedhelm Loh-Firmengruppe nie eine Chance auf Verwirklichung gehabt. Der Unternehmer Friedhelm Loh hat mit seinem großzügigen Engagement erneut bewiesen, dass ihm die Belebung und Förderung der heimischen Kulturszene am Herzen liegen. Neben ihm konnten die Verantwortlichen aber auch noch auf viele anderen Sponsoren zurückgreifen.

Regisseur Bastian Kraft hatte die Idee, dem Musical aus dem Jahr 1957 neuen Zeitgeist einzuhauchen und in die Moderne zu transportieren. Die Themen Jugendkriminalität und Ausländerfeindlichkeit sind aktueller denn je, und an die große Liebe hat man sowieso in allen Zeitaltern und Epochen geglaubt.

Der Ort der Handlung ist die Stadt New York, in der sich zwei Jugendbanden, die „Jets" und die „Sharks" verfeinden und alle Formen der Rivalität austauschen. Die beiden Anführer (,,Riff", dargestellt von Benjamin Weiß, und ,,Bernardo", gespielt von David Bubenzer) überzeugen mit schauspielerischen und stimmlichen Ausdruck auf hohem Niveau. Wie das Schicksal so spielt, verliebt sich die junge Puertoricanerin ,,Maria" (Anna Baumgart) ausgerechnet in einen Jungen der Gegenpartei ,,Tony", einfühlsam und glaubwürdig dargestellt von Christopher Heinzel. Dies können die verfeindeten Gangs natürlich nicht dulden. Die Katastrophe mit Mord und Totschlag ist vorprogrammiert.

Das Libretto wurde für diese Aufführung völlig neu geschrieben bzw. modifiziert, die Musik mit Pop, Rock und Hip Hop Elementen angereichert und zeitgemäß vertont. Der Titelsong ,,Maria", den Christopher Heinzel sehr gefühlvoll interpretiert, wird wirkungsvoll vom Schulchor, der sich während der gesamten Aufführung hinter einem Vorhang verbirgt, untermalt. Im Hintergrund zeigen sich großformatige Schwarz-Weiß-Fotos seiner Angebeteten Maria. Voller Romantik erklingt das Duett der beiden Liebenden ,,Tonight" in einer gelungenen Intonation und mit großen, ausdrucksstarken Fotos (Rudolf Kraft) der beiden Hauptdarsteller im Hintergrund.

Das bekannteste Lied aus dem Musical West Side Story ,,Somewhere" wird überaus gefühlvoll und souverän von Stephanie Nix vorgetragen. Peppig und schwungvoll erleben die Zuschauer den Ohrwurm ,,America". Die eigens für dieses Projekt ins Leben gerufene Tanz AG unter der Leitung von Gisela Boguth zeigt hierbei eine von vielen meisterlichen Choreografie-Einlagen. Auch sind alle Kostüme in Eigenleistung entstanden. Dafür zeichnete Rita Sucharda-Sydor verantwortlich, ebenso für Maske und Make-up. Die passenden Frisuren der jungen Künstler stylt der Salon Jens Döring.

Talent, Eifer und Überzeugungskraft

Wie sich Talent, Eifer und Überzeugungskraft paaren können, bewies während des gesamten Abends ,,Anita" (Johanna Seipel), die mit Komik und stimmlich perfektem Ausdruck alle Zuschauer in ihren Bann zog. Gänsehaut durchläuft alle Anwesenden im Saal, wenn die beiden weiblichen Hauptdarsteller ,,Maria" und ,,Anita" im zweiten Teil des Musicals das Duett ,,I have a Love" zelebrieren. Unterstützt wird der phantastische Eindruck vom herausragenden Bühnenbild, das das Kunstteam der WvO unter der Leitung von Andreas Hegeling gestaltet hatte. Alle Hauptdarsteller der West Side Story sind in Porträts im Foyer der Stadthalle ausgestellt, welche die junge Künstlerin Caterina Simon eigens für dieses Ereignis angefertigt hat.

Wirklich schön herausgearbeitet sind auch die beiden Nebenrollen, des autoritären Polizei-Officers Krupke, gemimt von keinem Geringerem als Dr. Michael Hocke, und des Barbesitzers ,,Doc", wunderbar in Szene gesetzt von Biolehrer Johannes Hickel. Bewunderung verdienen vor allem aber auch die Band (alles ehemalige Schüler) und das von Martin Giebeler dirigierte Streichorchester, die die gesamte Aufführung mit großer Professionalität einrahmen. Fast alle Rollen sind übrigens alternierend besetzt. Diese Schule und Dillenburg kann stolz sein auf diese jungen, motivierten und talentierten Leute. Nicht nur die Aktiven auf der Bühne leisten Großartiges, sondern auch jene, die mit Organisation, Terminierung und Backstagekoordination alle Fäden zusammenlaufen lassen. Gleiches gilt für die Techniker, Inspizienten und vielen freiwilligen Helfer, ohne die so etwas gar nicht möglich wäre.

Für die noch ausstehenden Aufführungen gibt es noch Tickets, an der Tageskasse, oder, sicher ist sicher, im Vorverkauf im Sekretariat des Gymnasiums, der Buchhandlung Rübezahl und im Musikhaus Emde. Für Musicalfreunde jeden Alters eine lohnende Investition.

JUTTA SIMON

In: Dill-Zeitung und Dill-Post vom 21.5.00