Gerichtsbesuch der Klasse 8c

Da wir in Politik und Wirtschaft in der 8 Klasse gerade das Thema "Recht und Rechtsprechung in der Bundesrepublik Deutschland" behandeln, haben wir am Montag, den 03. 12.12, eine Exkursion zum Dillenburger Amtsgericht unternommen.

Die Gerichtssitzungen waren alle öffentlich, da es sich nicht um Verhandlungen des Familiengerichts handelte. Daher durften wir an allen drei Verhandlungen teilnehmen. Im ersten Fall ging es um Betrug. Eine Person war schwarzgefahren und musste sich nun vor Gericht dafür verantworten. Hier sahen wir zum ersten Mal, wie ein Gerichtsprozess abläuft: Wenn der Richter den Saal betritt stehen alle Personen im Saal auf. Man setzt sich erst hin, wenn der Richter sich setzt, beziehungsweise dazu auffordert. Außerdem stehen alle Anwesenden auf, wenn das Urteil verkündet wird.

In unserem ersten Fall wurden zuerst die Anwesenheit und die Personalien der angeklagten Person überprüft. Nachdem alle Vorstrafen und die aktuelle Anklage vom Staatsanwalt vorgelesen wurden, hat die Beweisaufnahme begonnen. Diese beinhaltet unter anderem die Befragung zu der Tat.
Da keine Zeugen geladen waren entfiel dieser Punkt. Anschließend hielt der Staatsanwalt sein Plädoyer. Das bedeutet, er fasst alles zusammen und gibt dem Richter einen Vorschlag, welche Strafe er für angemessen halten würde.

Anschließend hatte die angeklagte Person das letzte Wort. Da sie nichts zu sagen hatte endete die Beweisaufnahme.

Zum Schluss fällte der Richter das Urteil. Dazu kann dieser im Raum bleiben oder auch eine Pause machen, um sich mit anderen Richtern oder sogenannten Schöffen zu beraten. Schöffen sind Bürger des Deutschen Staates, die dazu berufen werden, gemeinsam mit dem Richter in schwierigen Fällen ein Urteil zu finden. In unserem Fall entschied der Richter alleine. Die Angeklagte erhielt 3 Monate auf Bewährung und 60 Tage gemeinnützige Arbeit. Außerdem hatte die Person die Kosten des Verfahrens zu tragen.

Nachdem der Richter das Urteil fällte, erklärte er der angeklagten Person noch, dass sie gegen das Urteil Berufung einlegen kann. Danach wurde die Gerichtsverhandlung geschlossen.

Im zweiten Fall ging es um Betrug mit Sozialhilfe. Da der Angeklagte trotz mehrfacher Aufrufe nicht erschien, wurde die Verhandlung vertagt. In dieser Zeit durften wir stattdessen den Richter interviewen, und ihm die von uns vorbereiteten und während der Verhandlung aufgekommenen Fragen stellen. Er erklärte uns unter anderem, was Schöffen sind und warum es wichtig ist, dass Gerichtsverhandlungen öffentlich sind. Dies liegt daran, dass ein Richter ein Urteil „im Namen des Volkes“ spricht und daher die Bürger natürlich auch das Recht haben müssen, das Geschehen vor Gericht durch ihre Anwesenheit zu kontrollieren. Der dritte Fall handelte von Betrug mit Zahlungsunfähigkeit. Auch hier wurden, wie in jedem Fall, die Anwesenheit und die Personalien überprüft. Danach las der Staatsanwalt zuerst die Vorstrafen und schließlich die aktuelle Anklage vor. Dazu kann der Angeklagte aussagen. Wenn er dies nicht möchte beginnt die Befragung des Richters. Nach der Beweisaufnahme, die hier aus einem Gespräch zwischen Richter, Staatsanwalt und Angeklagtem bestand, las der Staatsanwalt sein Plädoyer vor. Auch in diesem Fall hatte der Angeklagte das letzte Wort. Zum Abschluss fällte der Richter das Urteil. Da der Angeklagte aggressiv und uneinsichtig war, wies ihn der Richter noch einmal zurecht und erklärte ihm, dass ein solches Verhalten nicht geduldet wird und man mit Strafen rechnen müsse, wenn man betrügt.

Wir fanden den Besuch im Gericht sehr spannend, da wir live dabei waren und nicht nur den Unterrichtsstoff behandelt haben. Wir finden es deswegen sehr gut, dass die PW-Lehrer mit ihren achten Klassen einen Besuch im Gericht machen. Es war sehr interessant zu sehen, wie so etwas in der Realität abläuft. Außerdem haben wir gesehen, wie ein Gerichtssaal aufgebaut ist (siehe Zeichnung).

Wir möchten uns ganz herzlich beim Dillenburger Amtsgericht bedanken, dass wir dabei sein durften und so auch Einblicke in die Rechtsberufe bekommen haben. Einigen von uns hat dies außerdem die Suche nach einem Praktikumsplatz im kommenden Jahr erleichtert, da sie nun ein Praktikum in einer Anwaltskanzlei oder im Amtsgericht machen möchten.

© 2012 Theresa, Pauline und Franziska (Klasse 8c)

(zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken)