"Polen und Deutschland haben eines gemeinsam: Eine kalte Pizza schmeckt niemandem."

Landrat Schuster diskutiert mit polnischen und deutschen Austauschschülern

Mitte April empfing Landrat Schuster die polnisch-deutsche Austauschgruppe der Wilhelm-von-Oranien-Schule im neuen Kreistagssaal in Wetzlar, um mit den Schülerinnen und Schülern über politische Themen zu diskutieren. Der Landrat war durch die Vermittlung der anfänglichen Idee und durch finanzielle Unterstützung des Kreises bereits involviert und hatte maßgeblichenAnteil am Zustandekommen des Projekts.

Eine Woche lang besuchten sieben polnische Schüler und Schülerinnen den Politik-und- Wirtschaft-Leistungskurs der Wilhelm-von-Oranien-Schule im Zuge eines Rückaustausches. Bereits im Oktober 2015 hatten elf Dillenburger Gymnasiasten bei ihren polnischen Gastfamilien in Grodzisk, einer Kleinstadt in der Woiwodschaft Posen, einen herzlichen Empfang erlebt.

Nach fast fünf Monaten Trennung – stets jedoch über soziale Netzwerke verbunden – konnten sich beide Seiten schließlich wiedersehen. Die verantwortlichen Lehrkräfte Paul Sajon und Stefan Riemer als Tutoren auf deutscher ebenso wie Grazyna Skrzypczak und Aneta Ochmanska auf polnischer Seite hatten vielseitige Aktivitäten zum Vertiefen der bereits entstandenen Kontakte und zum Kennenlernen der heimischen Region geplant. Im Rahmen dieses Programms fand dann auch der Besuch des Landrats in Wetzlar statt, der seine Gäste als zweite Besuchergruppe im funkelnagelneuen Kreistagssaal empfing. Zur Vorführung wurden den Gästen vier Imagefilme gezeigt, welche die Lahn-Dill-Region "schmackhaft" machen sollten.

Nachdem per Informationsfilm der Landkreis etwas detaillierter vorgestellt wurde, konnten die Schüler mit Wolfgang Schuster auch über politische Fragen ins Gespräch kommen. Angesprochen wurde u. a. die aktuelle Frage der Koalitionsbildung in dem durch die letzten Wahlen neu zusammengesetzten Kreistag.

Auch die Flüchtlingskrise war ein Gesprächsthema sowie die mit ihr verbundenen Konflikte zwischen der kürzlich in den Kreistag eingezogenen AfD und den etablierten Parteien. Ebenso wurden aber auch die Perspektiven für junge Menschen unserer Region und der wachsende Trend zum Leben in der Großstadt thematisiert. Dabei benannte der Landrat offen Schwierigkeiten und Probleme, aber auch Vorteile unserer Region, z.B. die weitgehend intakte Natur, das niedrige Mieten-Niveau und die Nähe zu den beiden Metropolen Frankfurt/M. und Köln; Schuster weiter dazu: "Unsere Aufgabe sehen wir darin, jungen Menschen möglichst günstige Rahmenbedingungen in der Region zu schaffen. Hierzu zählen u.a. unsere Zusammenarbeit mit dem Mittelstand im Bereich der Aus- und Weiterbildung (z. B. Duales Studium) sowie unsere Informationspolitik für junge Menschen/Unternehmer."

Ferner erklärte Landrat Schuster den Gästen hat auch die wirtschaftliche Struktur der Region: "Wir sind die Region in Deutschland, die die größte Industriedichte aufweist. Bei Nischenprodukten oder Sonderwünschen der Kunden sind unsere mittelständischen und großen Unternehmen oft Weltspitze (z.B. Rittal, Oculus/Leica, Sell, Pfeiffer Vacuum, Isabellenhütte, Sensitec und viele andere). Bei einer geringen Stückzahl der hoch spezialisierten Produkte kann die asiatische Konkurrenz nicht mithalten. Sie hat kein Interesse, in solche Märkte einzusteigen."

Und zu den Zukunftsperspektiven sagte der Landrat: "Unsere Industrie im LDK muss ein Tick schneller und innovativer sein als die Konkurrenz im Inland und auch Ausland. Nur so haben wir langfristig eine Chance, unseren Standort und Wohlstand zu sichern."

Nach so viel Politik wurde das anschließende gemeinsame Pizza-Essen dann mit den Worten "Polen und Deutschland haben eins gemeinsam: Eine kalte Pizza schmeckt niemandem." und einem freundschaftlichen Augenzwinkern eröffnet.

©2016 Text: Elena Hild, Q2
Fotos: Paul Sajon, WvO

 

Bildergalerie
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 Gruppenbild der Austauschgruppe mit Landrat Schuster (Mitte) im neuen Plenarsaal des Lahn-Dill-Kreises.
 Die „Merkel-Raute“ im Kreistag irritiert den Landrat (SPD) nicht ernsthaft.
Landrat Schuster mit einigen polnischen und deutschen Austauschschülern. 
 
Landrat Schuster begrüßt die Gäste mit Handschlag.