Zeitzeugen begeistern Schüler im Geschichtsunterricht

WvO-Abiturienten des Jahres 1948 berichten über ihre Erfahrungen in der Zeit des Nationalsozialismus

Ende letzten Monats trafen die Schüler des Leistungskurses Geschichte Q2 von Schulleiter und Geschichtslehrer Martin Hinterlang in der Wilhelm-von-Oranien-Schule (WvO) auf eine Gruppe von Abiturienten aus dem Jahre 1948. Diese berichteten ausführlich, wie sie die Zeit des Nationalsozialismus in Dillenburg und Umgebung erfuhren. Dabei lernten die Schüler den Nationalsozialismus aus einer ganz neuen Alltagsperspektive kennen. Der Kontakt zwischen Schulleiter und Zeitzeugengruppe war bereits bei einem Besuch im vorletzten Schuljahr auf Initiative von Herrn Hans Decker entstanden.

Nach einer kurzen und interessanten Kennenlernphase schilderten die Zeitzeugen die Erlebnisse ihrer Jugend während der Zeit des NS-Regimes. Entgegen den Erwartungen vieler Schülerinnen und Schüler beschrieben die "48er"- Abiturienten, dass sie, da sie nicht in Großstädten wohnten, nicht allzu viel von den schrecklichen Ereignissen der Politik und des Krieges erfuhren. Einige erinnerten sich aber an die alliierten Angriffe von Tieffliegern, mit Maschinengewehren bewaffnete Kampfflugzeugen. Viele Bauern mussten nachts auf dem Felde arbeiten, da sie sonst tagsüber von feindlichen Flugzeugen gesehen und mit hoher Wahrscheinlichkeit beschossen worden wären, so berichteten die Zeitzeugen.

Außerdem habe man stets in Angst gelebt, weil man sich ständig Gedanken machen musste, bloß nicht ein schlechtes Wort über "die Partei", die NSDAP, zu verlieren, die vorbehaltlosen Gehorsam einforderte.

Von den erschreckenden Greueltaten in den Konzentrationslagern, wie beispielsweise Auschwitz, habe man damals zwar gehört, aber sei zu eingeschüchtert gewesen, etwas dagegen zu sagen oder gar zu unternehmen.

Die volle Härte des Krieges erfuhr einer der Zeitzeugen, als er nach Bombenangriffen in Frankfurt dazu verpflichtet war, für einige Tage Aufräumarbeiten zu verrichten. Ein anderer Jugendlicher musste nachts Wache stehen und Ausschau nach feindlichen Flugzeugen halten. Einer der Zeitzeugen beschrieb, wie er nach der Kapitulation Deutschlands eine im Kindergarten gelagerte Panzerfaust dadurch entschärfte, dass er sie einfach in den Boden abgefeuerte. Sonst hatte jedoch keiner von ihnen eine Waffe benutzt, geschweige denn auf jemanden geschossen.

Das Treffen der Abiturienten des Jahres 2017 und der Abiturienten von 1948 war zwar zeitlich auf eine Doppelstunde beschränkt, dennoch konnten die Schüler des Leistungskurses Geschichte viele wichtige und wertvolle Informationen von Menschen, die die NS- und die Nachkriegszeit im gleichen Alter erlebten, mitnehmen und sich dadurch noch besser auf das anstehende Abitur im Fach Geschichte vorbereiten.

©2016 Text: Lukas Scheffel
Bilder: Werner Langer, Martin Hinterlang, WvO

Bildergalerie
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Die Zeitzeugen berichteten (rechts Herr Decker, der Initiator des Treffens)… 
 Generationenübergreifendes Foto: Abiturienten der Jahre 1948 und 2017
…und die Schüler hörten mit großem Interesse zu und fragten nach.