"Fliegen die Blätter, fliegen die Fäuste?" - Der Propagandakrieg Wilhelms von Oranien

Ende letzter Woche war der Anglist Tobias Gabel an der Wilhelm-von-Oranien-Schule, um dort einen Vortrag über den Namensgeber der Schule zu halten. Dabei wurde rasch deutlich, wie viele Gemeinsamkeiten die Zeit des großen Oraniers mit der unsrigen, eigentlich doch so ganz andersartigen hat.

Tobias Gabel, der selbst auch Absolvent der WvO ist, an der er 2004 sein Abitur abgelegt hat, referierte kurzweilig und unterhaltsam gut eine Stunde lang über seine Forschungsergebnisse, die er im Rahmen einer wissenschaftlichen Hausarbeit während des Studiums erzielen konnte. Dabei ging es ihm um die Frage, welche Rolle Flugschriften - das erste Massenmedium der Neuzeit - im niederländischen Befreiungskrieg spielten, und zwar besonders im englischen Königreich unter Queen Elizabeth I. Die etwa 180 Schülerinnen und Schüler der Einführungsphase, die trotz nahender Sommerferien dem Vortrag sehr aufmerksam folgten, erfuhren, dass Wilhelm von Oranien während seines Exils, das er auf Schloss Dillenburg verbrachte, etliche Flugschriften verfasst hat. Herr Gabel erklärte, diese seien zunächst in Dillenburg von ihm persönlich auf Französisch verfasst und dann am Niederrhein in verschiedene europäische Sprachen (Deutsch, Niederländisch, Englisch) übersetzt und weiter verschickt worden. So seien sie auch nach England gelangt, wo sich viele Leser sehr für die Ereignisse auf dem europäischen Festland interessierten. Gabel: "Auch ein Brexit ändert nichts an der Tatsache, dass England schon immer zu Europa gehörte und auch immer gehören wird."

Mit diesen Flugschriften habe Wilhelm von Oranien auch die englische Königin für seinen Kampf gegen die spanischen Truppen gewinnen wollen, gegen die er schon manche Schlacht in den Niederlanden geführt hatte. Dabei sei man in Wort und Bild sehr scharf gegen den Feind vorgegangen. Solche schriftlich ausgetragenen, den militärischen Kampf begleitende Auseinandersetzungen hätten als positiven Nebeneffekt nach sich gezogen, dass man sich in Europa plötzlich besser kannte, weil man sich mehr füreinander interessierte. Dass von Einigung allerdings noch lange keine Rede sein konnte, wurde aber ebenfalls sehr deutlich, weil Herr Gabel etliche Flugschriften zeigen konnte, die klar machten, wie geringschätzig man aus nassauisch-oranischer Sicht über die Spanier dachte und genauso auch andersherum.

Der Vortrag bildete den Abschluss einer Unterrichtsreihe, die alle Schülerinnen und Schüler der Einführungsphase auf die Spuren Wilhelms von Oranien gebracht hatte. Veränderungen in den Lehrplänen des Landes Hessen führen derzeit dazu, dass noch stärker als bisher Regionalgeschichte einen festen Platz im Geschichtsunterricht erhält.

Der Einladung in das Forum der Wilhelm-von-Oranien-Schule war auch Herr Ossner, Vorsitzender des örtlichen Geschichtsvereins, gefolgt, der Tobias Gabel in der letzten Ausgabe der "Dillenburger Blätter" auch breiten Raum für die Veröffentlichung seiner Studien eingeräumt hatte. Hier kann man die auch die Forschungsergebnisse von Gabel nochmal nachlesen.

©2016 Text: Marcel Manderbach, WvO
Fotos: Markus Hoffmann, WvO

Bildergalerie
(zum Vergrößern auf das Bild klicken)