Schule statt Ferien?

To Uyen Nguyen berichtet von der Deutschen Schülerakademie

"Nerd-Camp". Das war erste Wort, das mir durch den Kopf ging, als Herr Hoffmann mich im Frühjahr dieses Jahres über die "Deutschen Schülerakademie" informiert und nach meinem Interesse an einer Teilnahme gefragt hat. Aber ein außerschulisches Programm, dessen Grundidee die Förderung von begabten und hochengagierten Schülerinnen und Schülern ist, lässt zu solchen voreingenommenen Gedanken verleiten. Die Deutsche Schülerakademie (kurz: DSA) ist allerdings ein 16-tägiges Förderprogramm des Bundesministeriums für Bildung und Begabung, das darauf abzielt, leitungswillige Schüler in verschiedenen wissenschaftlichen Gebieten herauszufordern und dabei die Begegnung mit ähnlich interessierten Jugendlichen zu ermöglichen.

Innerhalb Deutschlands haben im Sommer 2016 zehn Schülerakademien stattgefunden; ich habe an der JGW-Schülerakademie in Papenburg teilgenommen. Diese elftägigen Schülerakademien werden von dem Verein Jugend in Gesellschaft und Wissenschaft organisiert.

Das Thema meines Kurses war "Irre ist menschlich. Wie irre ist krank?". Zur Vorbereitung für die Kursarbeit sollten alle 16 Teilnehmer mit Hilfe von zugesendeter Fachliteratur Kurzpräsentationen über Teilgebiete der häufigsten Störungsbilder anfertigen. Ich habe mich über die Erklärungsansätze bei Angststörungen informiert; die Präsentation habe ich dann allerdings mit zwei weiteren Teilnehmern gehalten, die jeweils die Definition und Symptome sowie die Behandlungsansätze von Angststörungen vorbereitet haben.

Im Verlauf der Akademie haben wir uns intensiv mit einem breiten Spektrum an Themen beschäftigt. Dabei ist uns nicht nur trocken grundlegendes Faktenwissen vermittelt worden. So haben wir uns beispielweise anhand von zeitgenössischer Kunst und durch die Methode der stillen Diskussion die historische Entwicklung psychischer Störungen erarbeitet. Dieser kreative Zugang zu den Kursthemen hat sich schon zu Beginn der Woche gezeigt, als wir in Kleingruppen spontane Rollenspiele über berühmte Personen mit psychischen Störungen, wie Amy Winehouse oder Kurt Cobain, durchgeführt haben. Dabei sollten die Kursteilnehmer sozusagen in Selbsthilfegruppen eigene Behandlungsansätze entwickeln, bevor uns die beiden Kursleiterinnen danach die geläufigsten Behandlungsschulen vorgestellt haben.

Weniger interessant fand ich zwar die Kurseinheit über die rechtliche Grundlage in Bezug auf psychische Störungen, aber eine gewisse Trockenheit ist bei juristischen Texten wohl nicht zu vermeiden. Allerdings war die darauffolgende Untereinheit über die Kriminalpsychologie dafür um einiges spannender. Mit Hilfe der persönlichen Erfahrungen der Kursleiterinnen mit psychisch gestörten Straftätern haben wir uns spezifische Kriminalfälle der letzten 50 Jahre erschlossen. Wir haben uns nicht nur mit der Tat an sich beschäftigt, sondern auch die Hintergründe und möglichen Ursachen im Leben und Denken der Täter unter Beachtung ihrer Erkrankung betrachtet. Während der elf Tage haben wir im Kurs auf eine schriftliche Dokumentation unserer Kursarbeit und die Rotationsrunde am Ende der Akademiezeit hingearbeitet. Diese sollte dazu dienen, den Akademieteilnehmern einen Einblick in die Arbeit der anderen Kurse zu gewähren.

Neben zwei täglichen Kurseinheiten stand allen Akademieteilnehmern viel Freizeit zur Verfügung, die wir mit so genannten "kursübergreifenden Aktivitäten", kurz KüA, selbst gestalten konnten. Letztendlich ist ein vielfältiges Angebot an KüAs zusammengekommen, von Basketball über Japanisch bis hin zum Schminken von Wunden für Erste-Hilfe-Übungen o.ä.. Außerdem hatten wir immer die Möglichkeit, Papenburg per Fahrrad zu erkunden oder auf dem naheliegenden See Boot zu fahren. Die Akademieleitung hat ebenfalls Exkursionen zu verschiedenen Ausflugszielen in der Umgebung von Papenburg organisiert; ich habe an einer Führung durch die Seehafenstadt Emden teilgenommen.

Letztendlich zeigte sich, dass meine anfänglichen Befürchtungen über die Zeit während der Akademie unbegründet waren. Das Wunderbare an der DSA ist, dass es Schule ist, aber ohne sich so anzufühlen. Es herrschte eine produktive, jedoch gleichzeitig entspannte Atmosphäre; ein perfektes Klima, um nicht nur zu lernen, sondern auch um Erfahrungen zu machen und neue Freundschaften zu schließen. Dementsprechend fiel der Abschied schwer und tränenreich aus, denn an der Schülerakademie darf man nur einmal teilnehmen.

©2016 To Uyen Nguyen, Q3

Weitere Informationen zur Deutschen Schülerakademie finden Sie [ hier ].