Artenvielfalt im Schatten des ehemaligen Todesstreifens

Schüler der Wilhelm-von-Oranien-Schule leisten Naturschutz am Grünen Band

Auch die größte Fichte kann aus dem Boden gezogen werden, wenn nur genug Hände beherzt zufassen. Diese Erfahrung machten Schülerinnen und Schüler der Wilhelm-von-Oranien-Schule bei ihrer Fahrt zum Grünen Band, dem größten Biotopverbund Deutschlands, der aus der ehemals innerdeutschen Grenze hervorgegangen ist. Hier beschäftigten sich die 74 Jugendlichen aus dem Dillenburger Raum nicht nur mit der leidvollen Epoche der deutschen Teilung, sondern packten bei Naturschutzarbeiten mit an.

Während die Klasse 11 unter der Leitung von Biologielehrer Rainer Seliger im bayrischen Jugendwaldheim Lauenstein unterkam, ging es für einen Politik-&-Wirtschaft- sowie zwei Biologie-Leistungskurse der Jahrgangstufe Q1 gemeinsam mit ihren Kurslehrern Kati Weigel, Katrin Hohmann und Timo Jung nach Thüringen in den Schieferpark Lehesten. Trotz unterschiedlicher Reiseziele war ihnen allen gemeinsam, einen Beitrag zum Naturschutz am Grünen Band leisten zu wollen.

Seit mehr als 25 Jahren erinnert das Grüne Band an die innerdeutsche Grenze. Im Schatten des ehemaligen, 1.393 km langen Todesstreifens entstand in den Jahrzehnten der deutschen Teilung ein einmaliger Rückzugsort für seltene Tier- und Pflanzenarten. Das zwischen 50 und 200 m breite Band blieb in dieser Zeit überwiegend ungenutzt, nur die Grenztruppen der DDR hielten es zur besseren Überwachung in mehrjährigem Abstand offen. Auf diese Weise konnten sich Flora und Fauna ungestört entwickeln.

Damit Uhu, Schwarzstorch und Braunkehlchen sich hier auch weiterhin wohl fühlen, muss ihr Zuhause geschützt und gepflegt werden. Unter der Anleitung von Bettina Ermer vom Landschaftspflegeverbund Ostthüringer Schiefergebierge/Obere Saale sowie weiteren fachkundigen Mitarbeitern griffen die Jugendlichen zu Astschere und Säge, um den vielen Arten ihre Lebensraum zu erhalten.

Landschaftgärtnerin Bettina Ermer, die Hauptverantwortliche für die Programmgestaltung, hatte aber nicht nur den Naturschutz bei ihrer Planung im Auge. Auch die Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte stand auf dem Programm. So besuchten die Jugendlichen das Grenzmuseum in Mödlareuth. Dieses kleine Dorf, durch den Tannbach getrennt, liegt in Thüringen und Bayern und wurde wie Berlin zum Symbol der innerdeutschen Teilung. Auch wanderten die Schülergruppen u.a. entlang der Grenze auf dem Kolonnenweg, besuchten den Grenzbahnhof Probstzella und die KZ-Gedenkstätte Laura, ein ehemaliges Außenlager des KZ Buchenwald.

Insgesamt wurde diese Fahrt so zu einem einmaligen Erlebnis, das Naturschutz, Geschichte und Politik verzahnte und den Jugendlichen Einblicke bot, die kein Schulbuch leisten kann. Der Erfolg dieser Fahrt wurde auch durch die finanzielle Unterstützung von "Wilhelms Freunden", dem Förderverein der Wilhelm-von-Oranien-Schule, der Naturlandstiftung Lahn-Dill und dem Förderkreis des Naturschutz-Zentrums Hessen möglich.

©2016 Text und Fotos: Bettina Blachnik, WvO

Bildergalerie
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 Bedrückende Atmosphäre an einem erhaltenen Stück der Grenzbefestigung
 
 
Schüler bei der gemeinsamen Naturschutzarbeit im „Grünen Band“