Bundeswehr stellt sich Oberstufenschülern vor

Oberleutnant Jens Mattheis besuchte die Wilhelm-von-Oranien-Schule im Rahmen einer Informations- und Diskussionsveranstaltung

Die derzeitige Sicherheitslage in Deutschland beunruhigt viele Teile der Bevölkerung. Fragen wie "Sind wir überhaupt noch sicher?" oder "Wie können wir uns erfolgreich wehren?" haben sich in den vergangenen Monaten gemehrt. Nicht zuletzt durch die letztjährige Silvesternacht in Köln oder durch den Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt sind die Fragen der inneren und äußeren Sicherheit präsent. Es wird deutlich: Verteidigung ist wichtig und keineswegs eine Aufgabe der Vergangenheit.

Vortrag

Der Offizier der Bundeswehr erklärte in seinem Vortrag, dass es in den letzten acht Jahren weltweit 20 Kriegsgebiete gab. Auch in direkter EU-Nachbarschaft - z.B. der Ukraine-Konflikt - fänden ebenfalls kriegerische Auseinandersetzungen statt.

Als Ursachen hierfür zählte Oberleutnant Mattheis die Knappheit an Grundnahrungsmitteln, Spannungen zwischen verschiedenen nationalen oder religiösen Gruppen sowie Naturkatastrophen auf. Neben den internationalen Organisationen wie UNO, NATO, OSZE und EU kämen in sicherheitspolitisch schwierigen Situationen auch auf die Bundeswehr besondere Aufgaben zu. Diese würden im "Weißbuch 2016" dargelegt, das von der Bundesregierung nach zehn Jahren neu verabschiedet wurde.

Zu den "klassischen" Aufgaben wie der Landes- und Bündnisverteidigung sowie des Heimatschutzes sei kürzlich der neue Aufgabenbereich der Cybersicherheit eingeführt worden. Neu sei auch, dass Russland in der allgemeinen Wahrnehmung weniger als Partner, sondern eher als Bedrohung gesehen werde.

Jens Mattheis hat auch auf die internationale Rolle und Verantwortung Deutschlands hingewiesen. Aktuell befinde sich die Bundeswehr in 14 Auslandseinsätzen, wobei der im Kosovo der älteste (seit 1999) und mit 1.350 Soldaten (Obergrenze) der größte ist. Nicht nur in der NATO, sondern auch bei schwierigen Einsätzen wie in der Vergangenheit etwa in Afghanistan, Afrika oder im Mittelmehr trügen oft die US-Amerikaner die Hauptlast. Mattheis resümierte seine Sichtweise: "Ohne die Amerikaner wären viele internationale Einsätze nicht möglich. In der Zukunft werden wir in Deutschland und Europa aber auch mehr Verantwortung und Lasten tragen müssen."

Anschließend kam es zu einer Fragerunde

Auf eine Schülerfrage, ob er von einer Wiedereinführung der Wehrpflicht in Deutschland ausgehe, erklärte Mattheis, dass dies schwierig einzuschätzen sei; er glaube allerdings persönlich nicht an eine erneute Verpflichtung zum Wehrdienst. Als klaren Vorteil der Wehrpflicht betonte er jedoch den Bezug der Bevölkerung zur deutschen Verteidigungspolitik.

Zurückhaltend äußerte Mattheis sich zu der der Frage, ob ein gemeinsames Heer der EU denkbar sei: "Dafür sind die einzelnen Armeen zu unterschiedlich. Ich bin skeptisch und kann mir nicht vorstellen, dass das zu einer europäischen Armee führt."

Bezogen auf die im letzten Jahr veröffentlichte hohe Prozentrate der nicht einsatzbereiten Bundeswehr-Ausstattung reagierte Oberleutnant Mattheis reflektiert. Er wisse, dass "das funktionierende Material in den Einsätzen immer zur Verfügung steht. Die deutschen Soldaten in Auslandseinsätzen haben somit die bestmögliche Ausrüstung. Eins ist aber klar - Deutschland muss jetzt liefern."

Am Vortragsende wurden erschütternde Video-Aufnahmen einer Rettungsaktion im Mittelmeer gezeigt. Ein US-Kriegsschiff und ein sich später in der Nähe befindliches Kriegsschiff der Bundesmarine haben gekenterte Flüchtlinge - Kinder, Frauen und Männer - aus dem Meer gerettet. Viele Menschen ertranken jedoch. Der Anblick u.a. der an der Wasseroberfläche driftenden Kinderleichen war schockierend. Nach diesen Bildern herrschte im Saal absolute Stille, Entsetzen und Ratlosigkeit.

Fazit

Insgesamt war es eine sehr informative, aber auch sehr emotionale Veranstaltung. In der fast einstündigen Fragerunde wurden viele grundsätzliche ins Detail gehende Aspekte zur Sicherheitspolitik, Friedenssicherung und Terrorbekämpfung besprochen.

©2017 Text: Elena Hild,Q3 PW LK Hr. Sajon
Foto: Paul Sajon, WvO


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Oberleutnant Jens Mattheis (4.v.l.) und Kurslehrer Paul Sajon (l.) mit Teilnehmern der Gesprächsrunde