Christoph Kolumbus und unsere deutsche Küche

Wie eine WvO-Studienfahrt nach Barcelona nachwirken kann

Was habe ich und meine Familie - oder was haben wir als LDK-Bewohner mit Christoph Kolumbus zu tun? Spontane Antwort lautet: Gar nichts – aber weit gefehlt! Bei genauerem Hinsehen wird deutlich, wie viel die sehr weit zurückliegende Vergangenheit mit dem Hier und Heute zu tun hat. Dies lässt sich z.B. an Schokolade, Früchten und Schokobrunnen erkennen.

Thronsaal

Die Anregung zum Artikel kam bei dem Besuch im „Museo de Historia de Barcelona“ im Rahmen der Abschlussfahrt des Q3 Politik-Leistungskurses von Herrn Sajon im Herbst 2016 nach Spanien. Wir besuchten dort u.a. den Fest- und Thronsaal, der durch die gotischen Rundbögen und die Strenge der Architekturform sowie durch die schiere Größe und seine Erhabenheit beeindruckte. Gleichzeitig jedoch streckt sich durch das Fehlen jeglicher Ausstattungs-Gegenstände eine gähnende Leere den Betretenden entgegen, weshalb der Raum etwas kalt und verlassen wirkte. Mittelhohe Fenster an der Steinwand leuchten nur teilweise den großen Raum aus, sodass die hellbraune Farbe des Fussbodenholzes sich gut von den Wänden absetzte. Heute dient der Raum als Versammlungsort für offizielle Anlässe. Man kann sich tatsächlich aber gut vorstellen, dass in diesem Raum einmal Könige empfingen.

Hier wurde auch der legendäre Christoph Kolumbus vom spanischen Königspaar Ferdinand und Isabella bei seiner Rückkehr aus Amerika (1493) offiziell begrüßt.

Die Geschichte von Christoph Kolumbus kam mir während der Betrachtung des Saales in den Sinn. In der Tat ist es die Geschichte eines Mannes, der besessen war, Gold zu finden, jedoch bis zu seinem Lebensende keines fand. Dafür entdeckte Kolumbus mit vier Seefahrten nicht nur Amerika (bis zu seinem Tod war er überzeugt, auf dem Westweg Indien und China entdeckt zu haben), sondern er und ihm nachfolgende Entdecker importierten etwas sehr Nachhaltiges und Wichtiges: dutzende Sorten von Obst, Gemüse und Gewürzen.

Gold: Kolumbus und seine Nachfolger

Noch vor seiner ersten Reise im Jahr 1492 schloss Kolumbus einen Vertrag mit dem Königspaar. In Erwartung der von Kolumbus versprochenen Gold-Einnahmen, sicherte ihm das Königspaar zehn Prozent des Gewinnes, die Ernennung zum Admiral und zum Vizekönig und Statthalter der eroberten Gebiete zu. Somit erhielt Kolumbus mit seinen 42 Jahren nicht nur Ruhm und Anerkennung, sondern auch Zugang zum Königspaar. Trotz vier Expeditionen mit stark steigernden Flottenzahlen (erste Expedition: vier Schiffe, zweite Expedition bereits 17 Schiffe), konnte Kolumbus sein Versprechen, Gold herbeizuschaffen, nicht einlösen, weshalb der angestrebte Reichtum seinerseits ausblieb. Tatsächlich waren es zwei spanische Konquistadoren: Hernan Cortes (Eroberer des Azteken-Reiches) und Francisco Pizarro (Eroberer des Inka-Reiches), die letztendlich eine Generation später in Gold schwammen. Kolumbus war ihr Wegbereiter, der mit seinen vorhergehenden Expeditionen ihnen den Eingang in das "Eldorado" (das sagenhafte Goldland) ermöglichte.

"Grünes Gold" in unserer Küche

Anstelle des Goldes führten Kolumbus und die nachkommenden Seefahrer knapp drei Dutzend exotische Früchte und Gewürze aus Amerika nach Europa ein. Darunter waren beispielsweise Ananas, Avocado, Kaktusfeige oder auch Piment, wobei Kolumbus die eingeführten Gewürze zunächst meist für (asiatischen) Pfeffer hielt. Von Kapuzinerkresse über die in Deutschland beliebten Tomaten und Kartoffeln sowie die etwas unbekannteren verwandten Süßkartoffeln bis hin zu Zucchini, Kürbis, Mais oder etlichen Nussorten, wie zum Beispiel der Erd-, Cashew- oder der Paranuss, brachten Kolumbus und seine Nachfolger immer wieder neue Delikatessen nach Europa. Dementsprechend könnte man sich als Tourist im Thronsaal in Barcelona stehend tatsächlich vorstellen, wie Kisten voller Chili und Quinoa aus Peru oder Papaya, Grapefruit, Passionsfrucht und Paprika den großen Raum füllten, während das Königspaar die schmackhaften Schätze begutachtete. König Ferdinand soll - nachdem ihm eine Ananas Kolumbus überreichte - begeistert gesagt haben: "Schmackhafteste Frucht der Welt!"

Folglich wären unsere Obst - und Gewürzregale ohne die Reisen der spanischen Entdecker nicht derart befüllt wie heutzutage und es gäbe ohne Kolumbus keinen Kakao für unsere liebsten Weihnachtsgebäcke und andere Köstlichkeiten. Auch ohne Vanille sind Speiseeis, Backwerk und Schokolade kaum denkbar.

Fazit

Persönlich wurde mir noch klarer, dass das Reisen bildet. Nach unserer Barcelona-Abschlussfahrt wurde ich von meinem Tutor Paul Sajon auf einige Zusammenhänge aufmerksam gemacht. So begann mein Nachdenken und Recherchieren über Kolumbus, Küche und Alltag. Man kann sagen, dass Kolumbus und seine Entdeckungen unseren Alltag mit seiner Esskultur nachhaltig geprägt haben. Die Entdeckung Amerikas und alles, was bald danach kam, ist die erste „Global-Story“, die vor über 500 Jahren mit dem Aufstieg Europas begann. Diese Geschichte ist unumkehrbar und hat die Welt grundlegend verändert.

©2017 Franziska Weber, Q4 PW LK/SAJON

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