Abiturienten zu Besuch beim Bischof

Katholischer Religionskurs der WvO-Dillenburg besucht Bischof Georg Bätzing in Limburg zur Diskussion über den Glauben und die Kirche

Nach den letzten Klausuren unternahm der katholische Religionskurs des diesjährigen Abiturjahrgangs der Wilhelm-von-Oranien-Schule Dillenburg eine Exkursion der besonderen Art. Als Abschluss der insgesamt acht Schuljahre gemeinsamen Religionsunterrichts unter der Leitung von Frau Weber machten sich die Abiturienten auf den Weg nach Limburg, dem Hauptsitz des Bistums. Als erster Kurs überhaupt bekamen die Dillenburger Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, mit Georg Bätzing, der seit dem 18. September 2016 Bischof von Limburg ist, ins Gespräch zu kommen. Ziel dieses Gespräches war es, neben dem persönlichen Kennenlernen, sich offen über den Glauben, die Zukunft des Bistums und über Probleme und Perspektiven junger Menschen in der katholischen Kirche auszutauschen und Fragen der Jugendlichen zu beantworten.

Nach der Ankunft in Limburg wurde der Kurs von Bischof Georg Bätzing persönlich im Bischofssitz empfangen. Bei einer Tasse Kaffee informierte er sich über die schulischen Erfahrungen und über die geplanten Wege der Jugendlichen nach der Schule, für die er großes Interesse zeigte. Im weiteren Gespräch bekamen die jungen Katholiken die Möglichkeit, offen Fragen an den Bischof zu stellen. Bätzing erzählte von seinem Start ins neue Amt und seinen bisherigen, interessanten Besuchen und Begegnungen in den verschiedenen Bezirken des Bistums. Besonders auffällig sei dabei eine große Vielfalt, was es für das Bistum umso wichtiger mache, "zusammenzuhalten". Auch berichtete Bätzing davon, dass ihn seine neue Aufgabe, das Bischofsamt zu übernehmen, zunächst sehr überrascht hatte. Die damit verbundenen Herausforderungen seien ihm jedoch bekannt gewesen und so hätte er sich bisher gut eingelebt. "Ich bin, wie ich bin", fasste er seine Grundeinstellung zusammen und beschrieb seine Sehnsucht nach Normalität. Auf die Frage, wie Bätzing die Zukunft des Bistums und der Kirche an sich sehe, beschrieb er die Notwendigkeit einer Entwicklung der milieugestützten Volkskirche hin zu einer Kirche, "in der jemand den Glauben persönlich für sich entdeckt".

Auch auf kritische Fragen der Schüler wusste der Bischof zu antworten. So kamen auch Probleme der Jugendlichen mit der Kirche und in ihren eigenen Glaubenswegen zur Sprache. Auf die Kritik an der mangelhaften Attraktivität konventioneller, katholischer Gottesdienste für Jugendliche und viele Erwachsene, betonte der Bischof verständnisvoll seinen Anspruch an die Qualität der Gottesdienste, die für die abwechslungsreiche und ansprechende Gestaltung der Liturgie einen großen Spielraum lasse. "Oft feiere ich die heilige Messe in meiner Wohnung ganz allein." Auch bestärkte der Bischof die Jugendlichen, an alternativen, jungen Gottesdienstformen, wie der YOU!gendkirche in Haiger, festzuhalten und diese auszubauen.

Im weiteren Gesprächsverlauf berichteten die Jugendlichen auch von Diskussionen mit Gleichaltrigen aus anderen Konfessionen, die häufig im großen Streit über religiöse Überzeugungen enden würden, was Bischof Bätzing auch aus seiner Jugend kannte. "Die Evangelischen haben mir geholfen, katholisch zu sein", antwortete er mit einem Schmunzeln und erklärte, dass durch genau diese Diskussionen und der damit verbundenen persönlichen Auseinandersetzung mit dem eigenen Glauben, dieser oft gefestigt werden könne. Dafür, dass sich die Jugendlichen mit einigen katholischen Traditionen nicht identifizieren können, zeigte Bätzing Verständnis: "Die Katholische Kirche ist wie ein buntes Blumenbeet. Nicht alles muss einem gefallen, doch ist für jeden etwas dabei." Zwar müsse man nicht alles vertreten, doch dürfe man auch nichts schlechtreden, was andere womöglich im Glauben stütze. Ganz nach seinem bischöflichen Wahlspruch "Congrega in unum" (lat. "führe zusammen") sehe der Bischof auch in Zukunft die Notwendigkeit des ökumenischen und interreligiösen Austauschs.

Nach dieser angeregten und für die Schüler sehr beeindruckenden Diskussion mit vielen weiteren Fragen und Antworten, führte Bischof Bätzing den Kurs noch durch das anliegende "Bischofshaus", das unter dem emeritierten Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst renoviert worden war und wegen exorbitanten Kosten Schlagzeilen gemacht hatte. Dass die Wohnung dem jetzigen Bischof nicht gefällt, erkannten die Schüler schnell. Besonders störte ihn daran, dass sie nach außen durch hohe Mauern und Hecken vollkommen abgeschirmt sei. Er wohne in seiner Wohnung in der Stadt, wo es ihm deutlich besser gefalle.

Nach einer freundlichen Verabschiedung und vielen Glückwünschen für die noch ausstehenden mündlichen Abiturprüfungen verließ der Kurs das Amtsgebäude. Beseelt von einem tiefgründigen und äußerst sympathischen Gespräch mit dem neuen Bischof besuchte der Kurs vor Antritt der Heimfahrt noch den Limburger Dom. Beim anschließenden Mittagessen in der Stadt resümierten die Schülerinnen und Schüler zusammen mit ihrer Lehrerin die Erfahrungen aus dem aufregenden Gespräch. Für alle war diese Begegnung sicherlich ein Highlight in den acht Jahren katholischen Religionsunterrichts gewesen. Auch wenn Bischof Bätzing vielleicht nicht alle Probleme der Jugendlichen mit der veralteten Kirche beheben kann, so nahmen sie doch viele Ratschläge für ihren persönlichen Umgang mit dem Glauben mit und die Bestätigung der natürlichen, bescheidenen und aufgeschlossenen Art ihres neuen Bischofs.

©2017 Text & Foto: Jan Hasenkrug, Q4

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Der Abiturkurs Katholische Religion von Kerstin Weber (l.) besuchte Bischof Georg Bätzing (4.v.r.) in seinem Limburger Amtssitz.