Naturschutzaktion "Plastikpiraten" - Schüler der WvO forschen über Plastikmüll an der Dill

Im Rahmen der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung initiierten "Wissenschaftsjahre" nahm der Wahlunterricht "Biologie in freier Natur" der Klasse 10 an der bundesweiten Aktion "Plastikpiraten - Das Meer beginnt hier!" teil. Hierzu untersuchten die Schüler einen Abschnitt der Dill im Stadtgebiet von Dillenburg auf Müllansammlungen, dokumentierten und entsorgten diese letztlich.

Wird in den Medien von Plastikmüll gesprochen, fallen vielen von uns Bilder von riesigen Plastikinseln ein, die sich durch die Meeresströmungen bilden, oder Inselstrände, die in Massen von Plastikmüll untergehen. Bilder von verendeten Tieren und Aufnahmen unter Wasser, die keine Unterwasserlandschaft mehr zeigen, sondern nur noch eine trübe stinkende Brühe, sind uns Menschen bekannt.

Eine Schülergruppe der Wilhelm-von-Oranien-Schule ging diesen Bildern bis zu ihrem Ursprung nach und landete dabei direkt vor unserer eigenen Haustür. Denn bereits die Verschmutzungen unserer regionalen Gewässer durch Makro- und Mikroplastik sowie anderem Müll hat maßgeblichen Anteil an der Belastung der Ozeane. Im Laufe der Zeit zersetzt sich Plastik bzw. werden kleinste Partikel herausgewaschen. Kleinste Teilchen gelangen somit in das Grundwasser, in die Flüsse oder Seen und landen somit in den Ozeanen. In diesen Ökosystemen werden sie beispielsweise von Wasserpflanzen aufgenommen und gelangen somit in die Nahrungsketten und schließlich auch in den menschlichen Körper.

Das Vorkommen von Plastikmüll in und an deutschen Fließgewässern ist vielerorts noch unerforscht. Im Zuge dessen initiierte das Bundesministerium für Bildung und Forschung zusammen mit der Initiative Wissenschaft im Dialog im Jahr 2000 die Wissenschaftsjahre. Sie fördern den Dialog zwischen Forschung und Öffentlichkeit und informieren über aktuelle wissenschaftliche Entwicklungen. Hierdurch entstand die Aktion "Plastikpiraten - Das Meer beginnt hier!"

Im Zeitraum von Mai bis Juni haben die Schüler des Wahlunterrichts "Biologie in freier Natur" die Dill entlang der Uferstraße sowie auf der Seite der Gewerblichen Schulen auf Müll- und Plastikansammlungen untersucht. Neben Glasflaschen, Zigarettenstummeln und den Verpackungen von Lebensmitteln wurden aber auch skurrile Dinge, wie alte PC-Grafikkarten, gefunden. Mit Hilfe eines speziellen Fangnetzes wurde auch direkt in der Dill nach Mikroplastik gefischt. Besonders erschreckend konnte festgestellt werden, dass überwiegend die vorhandenen Mülleimer ignoriert und der Müll einfach im Uferbereich entsorgt wird. Diese Müllaufkommen wurden sorgfältig dokumentiert und im Unterricht ausgewertet. Dabei konnte man Antworten zu verschiedenen Fragen finden: Wie viel und welcher (Plastik-)Müll lässt sich finden? Wo genau sammelt sich besonders viel Müll? Wie sieht die Infrastruktur des untersuchten Abschnittes aus? Und welche Rolle spielen Fließgeschwindigkeit und Wassertiefe dabei? Die detaillierten Ergebnisse kann man im Internet unter "wissenschaftsjahr.de" einsehen [ Link ].

Die gewonnen Daten wurden abschließend an die "Kieler Forschungswerkstatt" weitergeleitet. Dort werden alle bundesweit erhobenen Daten ausgewertet und festgestellt, welche Flussabschnitte besonders stark mit Plastik verschmutzt sind und wie sich die Belastung von der Quelle bis zur Mündung eines Flusses entwickelt. Daraus lassen sich wiederum Schutzmaßnahmen ableiten, die Flüssen, Meeren und letztlich den Menschen selbst zugutekommen.

©2017 Text: Timo Jung
Bilder: Kathrin Kepper, Timo Jung

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