Mit der Bundeswehr im Auslandseinsatz

Politik-Kurse der Wilhelm-von-Oranien-Schule Dillenburg besuchen die Bundeswehr im Verteidigungsministerium in Bonn sowie die Dokumentationsstätte Regierungsbunker in Bad Neuenahr-Ahrweiler

Liest man derzeit Berichte über die Bundeswehr, so geht es zumeist um tragische Unglücke in Einsätzen, fragwürdige Truppenrituale oder den technischen Zustand. Doch wo ist die Bundeswehr überhaupt im Einsatz? Welche Aufgaben nimmt sie wahr und wie ergeht es dem einzelnen Soldaten in einem Land wie Afghanistan? All dies wurde dem Leistungskurs Politik & Wirtschaft von Frau Kati Weigel sowie dem Grundkurs von Herrn Stefan Riemer am vergangenen Donnerstag vermittelt, die das Bundesministerium der Verteidigung in Bonn besuchten. Das zentrale Thema: Deutschlands militärische Rolle in der Weltpolitik. Anschließend fuhr man zu einer Führung weiter in den ehemaligen Regierungsbunker.

"Der Bund stellt Streitkräfte zur Verteidigung auf." Hauptmann Jens Mattheis, Referent für Sicherheitspolitik als Jugendoffizier der Bundeswehr, erläuterte gleich zu Beginn in seinem Vortrag die verfassungsrechtliche Lage und Notwendigkeit der Institution "Bundeswehr", die immer mehr in die multilaterale, internationale Zusammenarbeit eingebunden ist. So ist Deutschland in den Bündnissen UN, NATO, Europäische Union und OSZE militärisch vertreten. Ein großer Unterschied zu einigen Nationen besteht bekanntlich darin, dass die Bundeswehr– nicht zuletzt aus historischen Gründen – eine Parlamentsarmee ist und daher über nahezu jedes Mandat im Deutschen Bundestag abgestimmt werden muss. An diesem Punkt klang auch leise Kritik an: Wenn man im Fernsehen sehe, so Mattheis, wie schlecht Debatten darüber besucht sind oder wie wenig manche Abgeordnete über eine zehn Minuten alte Abstimmung wissen, bedrücke das den einzelnen Soldaten. Denn die Reise ins Ausland bedeute immer einen zeitweisen Abschied von Familie, Freunden und dem bekannten Umfeld. Das ist derzeit für etwa 3.500 Soldaten in 14 Einsätzen der Fall.

Mit diesen Informationen ging es schließlich auch zum nächsten Vortrag, in dem Hauptmann Alexander Bode den Schülern seine Erfahrungen aus vier Monaten Einsatzzeit in Afghanistan schilderte.

Der Einsatz "Resolut Support" löste mit Beginn des Jahres 2015 den endenden Einsatz "ISAF" ab und beinhaltet nun die Ziele Beratung und Unterstützung der afghanischen Einheiten. So ist der Wunsch, dass das Ausbildungskonzept ebenso effektiv gestaltet werden kann, wie es in einem Land wie Deutschland der Fall ist. Für Alexander Bode persönlich kam es zu einem stets gleichen Arbeitsalltag, der darin bestand, nachrichtendienstliche Aufklärung als Analyst zu betreiben. Als stellvertretender Leiter seines Teams sorgte er dafür, dass Gefahren durch verschiedene Methoden frühzeitig erkannt und umgangen werden können. Sein Fazit aus dem Einsatz: Auch wenn vier Monate eine unangenehme Trennung von der Familie bedeute, sei es eine große Herausforderung mit tollen Erlebnissen und multinationalen Bekanntschaften. Besonders spannend war auch die entstandene Diskussion zwischen den Besuchern und den beiden Soldaten zu Fragen wie Cybersicherheit oder der Thematik, ob Afghanistan zu Recht den Status eines sicheren Herkunftslandes trägt, da gleichzeitig eine personelle Ausweitung des Einsatzes stattfindet.

Nach dem anschließenden Mittagessen in der Kantine ging es dann weiter zur Dokumentationsstätte Regierungsbunker in Ahrweiler. Hier besichtigte man den mittlerweile zurückgebauten und früher unter strengster Geheimhaltung stehenden Regierungsbunker, welcher während des Kalten Krieges als ein Notstandort gegen atomare Angriffe diente. Der Regierungsbunker war so ausgestattet, dass 30 Tage lang 3.000 Personen der Regierung, der Verwaltung und des Militärs beherbergt werden konnten, um die Regierungsfähigkeit herzustellen. Mit diesen beeindruckenden, spannenden (Lebensweise, Ausstattung, Spionage) und teilweise auch nicht nachvollziehbaren bzw. verstörenden Einblicken (Finanzierung, Sicherheit, Planungsfehler), die die angehenden Abiturienten in einer Führung durch den Heimatverein Alt-Ahrweiler erhielten, endete dann auch die Exkursion und man trat die Heimreise an.

©2017 Text: Hendrik Schäfer & Jakob Pfeifer Q3 WEIG/RIEM
Fotos: Stefan Riemer, WvO

Bildergalerie
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 Die Exkursionsgruppe in Bonn
Ein Schlafraum im ehemaligen Regierungsbunker in Bonn  
Die Exkursionsgruppe in Bonn