"Lust auf Mitbestimmung machen"

Schülerinnen und Schüler nehmen an Juniorwahl teil

Für die "Großen" wurde es am Sonntag bei der Bundestagswahl ernst. Die Schülerinnen und Schüler der Wilhelm-von-Oranien-Schule hatten ihre Kreuzchen indes bereits in der Vorwoche gemacht.

Erstmals hatte das Dillenburger Gymnasium mit insgesamt sieben Jahrgangsstufen (7.-13. Klasse) an der Juniorwahl teilgenommen: Einem erprobten Wahlsimulationsverfahren, das seit 1999 zu Landtags-, Bundestags- und Europawahlen an Schulen durchgeführt wird. Geschickt und anschaulich verpackt in einer Unterrichtseinheit sollten die Schüler anhand von originalen Unterlagen den Wahlakt kennenlernen. Dazu gehörte selbstverständlich auch der finale Gang an die Urne, der die Unterrichtseinheit und damit auch zugleich die Juniorwahl abschloss.

Für die Organisation verantwortlich zeichneten Studienrat Stefan Riemer und Referendarin Gina Garotti, die dafür einen elfköpfigen Wahlausschuss einsetzten und für die das Projekt eine Herzensangelegenheit war: "Es ist enorm wichtig, bereits junge Schülerinnen und Schüler an ein demokratisches Bewusstsein heranzuführen", wusste Riemer, während Garotti vor allem die "sehr realitätsnahe Durchführung" der Juniorwahl guthieß, die "einfach Lust auf Mitbestimmung macht."

Doch nicht nur das Fazit der beiden Verantwortlichen fiel hervorragend aus. Auch die Wähler von morgen waren begeistert von der in Kooperation mit dem Deutschen Bundestag und der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung ausgerichteten Veranstaltung. "Ich habe die Vorbereitung im Unterricht als sehr hilfreich empfunden. Man fühlt sich gut auf die erste eigene Wahl vorbereitet", erklärte beispielsweise Sophie Waßmuth aus der Klasse 10B. Und auch Chantal Häußer, Schülerin des Politik-Leistungskurses von Frau Weigel, war gespannt darauf, die "Ergebnisse unserer Wahl mit den ersten Hochrechnungen bei der Bundestagswahl zu vergleichen."

Die Balkendiagramme der WvO-Schüler sprachen dabei eine deutliche Sprache: Sowohl bei der Erst- als auch bei der Zweitstimme erhielt die Union aus CDU und CSU mit deutlichem Vorsprung den meisten Zuspruch von den 959 wahlberechtigten Schülern. Ebenfalls ins WvO-Parlament geschafft hätten es die SPD (16,3%), die Grünen (13,5%), die Linke (5,7%), die FDP (5,9%) und die Piraten (5,1%). Die AfD blieb hingegen sowohl bei der Erst- als auch bei der Zweitstimme jeweils unterhalb der Fünf-Prozent-Hürde.

"Ich habe schon während der Gespräche im Unterricht genau gewusst, welche Partei ich wählen würde", verriet Aqsa Qamar aus der 8B am vergangenen Mittwoch, während Klassenkamerad Keno Warfsmann nach seiner Stimmabgabe erklärte, lange und ausgiebig überlegt zu haben, bevor er sich schließlich für das Setzen seiner beiden Kreuzchen entschieden habe.

Wer welche Partei gewählt habe, sei jedoch unter dem Strich nicht das Wichtigste. Zentrales Anliegen sei stattdessen neben der Vorbereitung auf die erste eigene Wahl vor allem dem Vorbeugen von Politikverdrossenheit, wie Riemer betonte: "Durch die Debatten im Unterricht haben selbst zuvor desinteressierte Schüler sogar in den Pausen über Politik gesprochen und angeregt diskutiert. Da geht einem als Politiklehrer natürlich das Herz auf."

©2017 Text: Nico Hartung, WvO
Fotos: Stefan Riemer, WvO

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Schülerinnen und Schüler bei der Stimmabgabe 
 
Der von Referendarin Gina Garotti (l.) betreute Wahlausschuss