"Lernen und arbeiten am Grünen Band"

WvO-Oberstufenschüler besuchen die ehemalige deutsch-deutsche Grenze

Die Klasse E1A und die Leistungskurse Biologie und Politik und Wirtschaft der Jahrgangstufe Q1 der Wilhelm-von-Oranien-Schule Dillenburg fuhren – begleitet von ihren Lehrkräften Kerstin Weber, Rainer Seliger und Andreas Klein – Anfang Oktober gemeinsam ans sog. "Grüne Band" nach Thüringen.

Dort konnten sie zweierlei erleben: Erstens in der Natur forschen, hautnah erleben, was Naturschutz bedeutet, und diesen aktiv betreiben. Zweitens Geschichte und Politik vor Ort erfahren, durch Zeitzeugen lebhaft geschildert und berichtet. Dieses Wissen verankert sich nachhaltiger im Gedächtnis als Unterricht allein mit Schulbuch, Arbeitsblättern, Modellen und Filmbeiträgen im Klassenraum.

Anfang Oktober machten sich 55 Schülerinnen und Schüler mit dem Bus auf den Weg in den Schieferpark Thüringen. Seit drei Jahren nun pflegt die Wilhelm-von-Oranien Schule Dillenburg eine Kooperation mit dem Landschaftspflegeverband "Thüringer Schiefergebirge", um dort einen Beitrag zum Naturschutz am Grünen Band zu leisten.

Seit mehr als 25 Jahren erinnert das Grüne Band an die innerdeutsche Grenze. Im Schatten des ehemaligen, 1.393 km langen Todesstreifens entstand in den Jahrzehnten der deutschen Teilung ein einmaliger Rückzugsort für seltene Tier- und Pflanzenarten. Das zwischen 50 und 200 m breite Band blieb in dieser Zeit überwiegend ungenutzt, nur die Grenztruppen der DDR hielten es zur besseren Überwachung in mehrjährigem Abstand offen. Auf diese Weise konnten sich Flora und Fauna ungestört entwickeln.

Bettina Ermer vom Landschaftspflegeverband "Thüringer Schiefergebirge" erklärte den Jugendlichen, aus welchem Grund die Arnika- und Heideflächen am Grünen Band geschützt werden müssen. Tiere wie der Uhu, der Schwarzstorch und das Braunkehlchen sowie viele Insektenarten benötigen unsere Hilfe, um sich hier auch weiterhin wohl zu fühlen, deshalb muss ihr Zuhause gepflegt werden, so Frau Ermer. Unter ihrer Anleitung sowie mit weiteren fachkundigen Mitarbeitern griffen die Jugendlichen zu Astschere und Säge, um den vielen Arten ihren Lebensraum zu erhalten.

Im Schieferpark Lehesten besichtigten die Jugendlichen einen seit 1999 stillgelegten Schieferbruch, erhielten Einblick in den ehemaligen Schieferbergbau und durften auch mal selbst versuchen, Schiefer zu bearbeiten.

Auch die Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte stand auf dem Programm. So besuchten die Jugendlichen das Grenzmuseum in Mödlareuth. Dieses kleine Dorf, durch den Tannbach getrennt, liegt in Thüringen und Bayern und wurde wie das Berlin zum Symbol der innerdeutschen Teilung. Zudem wanderten die Schülergruppen u.a. entlang der Grenze auf dem Kolonnenweg, besuchten den Grenzbahnhof Probstzella und das Haus des Volkes.

So wurde diese Studienfahrt zu einem Erlebnis, das Naturschutz, Geschichte und Politik verband und den Jugendlichen Einblicke bot, die kein Schulbuch leisten kann. Der Erfolg dieser Fahrt wurde auch durch die finanzielle Unterstützung von "Wilhelms Freunden", dem Förderverein der Wilhelm-von-Oranien-Schule, der Naturlandstiftung Lahn-Dill und dem Förderkreis des Naturschutz-Zentrums Hessen möglich.

©2017 Text und Fotos: Kerstin Weber, WvO

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