Partnerschaft vertieft und Freundschaften geknüpft

WvO-Schüler nahmen an Schüleraustausch in Polen teil und freuen sich auf Rückbesuch im April

Letzte Woche nahmen 18 Schülerinnen und Schüler der Oberstufe der Wilhelm-von-Oranien-Schule Dillenburg mit ihren beiden Lehrkräften Kati Weigel und Stefan Riemer an einem Schüleraustausch mit der Partnerschule in Grodzisk Wielkopolski in Polen teil.

Der Schüleraustausch zwischen der WvO-Dillenburg und dem Oberstufengymnasium LO Imienia Juliusza Slowackiego fand bereits zum zweiten Mal statt und ist eingebettet in die Partnerschaft des Lahn-Dill-Kreises mit dem Landkreis Grodzisk in der Woiwodschaft Großpolen.

Symbiose aus Tradition und Moderne

Die Schüler konnten bei ihrem Aufenthalt zahlreiche Eindrücke des Schulalltags gewinnen. Vor allem das stark ausgeprägte Gemeinschaftsgefühl aller Mitglieder der Schulgemeinde und das große Maß an Identifikation der polnischen Schüler mit der eigenen Schule beeindruckten die deutschen Gastschüler sehr. So fand in der Woche des Austausches die feierliche Einschulungszeremonie der "Erstklässler" des Oberstufengymnasiums mit Flagge und Hymne auf dem Schulhof statt, woraufhin im Anschluss der Schultanz von allen(!) Schülern getanzt wurde. Die ausgelassene Stimmung wurde bei der abendlichen Party zur Einschulung erneut spürbar, an welcher Schüler und Lehrkräfte teilnahmen.

Schülerin Paulina Panchyrz bemerkt hierzu: "Bei der Einschulungsfeier war es für mich sehr interessant zu sehen, wie sich die Bräuche von Land zu Land ändern. Besonders der ausgeprägte Nationalstolz der Zeremonie, welcher in Form von polnischen Flaggen und der Nationalhymne zum Ausdruck gebracht wurde, war mir unbekannt. Ebenfalls der traditionelle Tanz, Belgijka, war eine neue, aber auch gute Erfahrung, da jeder fröhlich mittanzte und ich die Stimmung generell als sehr angenehm empfand."

Warschau: beeindruckende Moderne trifft auf bedrückende Geschichte

Den Besuch der polnischen Hauptstadt Warschau erlebten die Teilnehmer des Austausches als besonderes Beispiel für den Kontrast von Geschichte und Moderne Polens. Bei der dreistündigen Stadtführung wurde deutlich, dass die neuntgrößte Stadt der EU nicht nur zu den wichtigsten Wirtschaftszentren in Mittel- und Osteuropa gehört, was u.a. an den vielen Banken und Wolkenkratzern sichtbar wurde, sondern ihr auch eine große kulturelle Bedeutung zukommt. So ist die Altstadt von Warschau ein UNESCO-Weltkulturerbe, wobei die historische Altstadt nicht im Original zu sehen ist, da Warschau im Zweiten Weltkrieg zu 85% zerstört wurde. Nach der Befreiung durch die Alliierten wurde die Altstadt aber wieder aufgebaut und man hat sich dabei sehr stark an das Original gehalten.

Bedrückend ist vor allem die jüdische Geschichte in Warschau. Ab November 1940 entstand eine 18 Kilometer lange und drei Meter hohe Mauer, die das Warschauer Ghetto vom Rest der Stadt abriegelte. Die Zahl der Menschen, welche im Ghetto lebten, erhöhte sich in der Spitze auf weit über 400.000 und die Lebensumstände waren katastrophal: Hunger, Zwangsarbeit, Enge, Epidemien und Seuchen bestimmten den Alltag der jüdischen Menschen. Das Denkmal der Ghettohelden (Pomnik Bohaterów Getta) erinnert an diese bedrückende Geschichte. Hier fand auch der berühmte Kniefall Willy Brandts statt. Später entstand direkt davor das Museum der Geschichte der polnischen Juden.

Voneinander und miteinander lernen

Über die ganze Woche hinweg arbeiteten die Jugendlichen gemeinsam an ihrem iPad- Projekt. Im Fokus stand das Ziel, gemeinsam ein Thema zu erarbeiten, sich dabei auf verschiedene Weise verständlich zu machen (ein ganz besonderer Kommunikationsmix auf Polnisch, Deutsch, Englisch und mit Zeichensprache), um so mehr von dem jeweiligen Land zu erfahren und Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede zu entdecken. Die Themen wurden selbst gewählt und erstreckten sich über landestypische Traditionen an Weihnachten bis hin zum politischen System der beiden Länder. Gelernt wurde aber nicht nur bei Projekten, sondern auch beim gemeinsamen Besuch des regulären Unterrichts. Voller Neugier stellte sich für die deutschen Schüler die Frage, ob es im Mathe-, Chemie-, Sport-, Deutsch- und Englischunterricht Unterschiede zu Deutschland gibt.

Schülerin Milena Manderbach zieht einen Vergleich: "Ich durfte den Englisch- und außerdem den Sportunterricht besuchen. In Englisch war es so, dass die Schüler sich nicht melden, wie es für uns deutschen Schüler üblich ist, sondern dass sie einfach dem Lehrer antworten, wenn er eine Frage stellt. Im Sportunterricht liegt der Fokus mehr auf Spiel und Spaß, jedoch machen sie auch Leichtathletik o.ä., wenn Wettkämpfe anstehen."

Grenzen trennen, Menschen verbinden

In der Woche konnten die Teilnehmer des Austausches einen persönlichen Eindruck vom Alltagsleben der Partnerschüler gewinnen, die gastgebenden Familien kennenlernen, einen Einblick in das Schulsystem des Gastgeberlandes gewinnen und die landeskundlichen Kenntnisse vertiefen. Vor allem aber standen die Offenheit gegenüber der kulturellen Vielfalt Europas und die Stärkung der interkulturellen Kompetenzen der Jugendlichen im Zentrum.

Lehrerin Kati Weigel stellt fest: "Wir haben uns als fremde Menschen mit jeder Menge Vorurteilen kennengelernt und gehen nur nach einer Woche als Menschen auseinander, die sich wertschätzen und in ihren Herzen ganz sicher verbunden bleiben."

Das Oberstufengymnasium LO Imienia Juliusza Slowackiego feiert am 07. Oktober 2017 sein 90-jähriges Jubiläum. Als Ausdruck der freundschaftlichen Verbundenheit und Partnerschaft nehmen sowohl Landrat Wolfgang Schuster mit einer Delegation des Lahn-Dill-Kreises als auch WvO-Schulleiter Martin Hinterlang an den Feierlichkeiten in Grodzisk Wielkopolski teil.

Der Austausch hat einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, die Partnerschaft beider Schulen und der Landkreise zu vertiefen. Alle Teilnehmer freuen sich schon sehr auf den Rückbesuch im April in Dillenburg, denn trotz der kurzen Aufenthaltsdauer wurden Freundschaften zwischen den Jugendlichen geknüpft und in Zeiten nationalstaatlicher Krisen in Europa eine sehr bedeutsame Erkenntnis erlangt: Grenzen trennen, Menschen verbinden.

©2017 Text und Fotos: Kati Weigel und Stefan Riemer, WvO

Bildergalerie
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 Austauschschüler und betreuende Lehrkräfte in Aula der polnischen Schule.
 Einschulungszeremonie der "Erstklässler" an weiterführender polnischer Schule.
 Polnische und deutsche Schüler lernen sich spielerisch kennen