Von Erregern, Seuchen und neuen Freunden

Ein Bericht von der Deutschen SchülerAkademie

Sieben Schüler sitzen nachts um halb zwei in einem Computerraum im Keller eines Internats. Vor ihnen sind die statistischen Daten einer virtuellen Seuche mit Bluetooth-Chips, die im Laufe des Tages bei 110 Teilnehmern erhoben wurden, an die Wand projiziert. Diese sieben Schüler stellen im Rahmen eines großangelegten Planspiels die Weltgesundheitsorganisation (WHO) dar und müssen anhand von riesigen Tabellen den Ausgangspunkt und die Startzeit einer Epidemie ermitteln.

Nein, das ist kein normaler Unterricht, sondern eine der sieben Deutschen SchülerAkademien (DSA). Nach Herrn Hoffmanns Anfrage, ob ich Interesse an einer Teilnahme habe, bestand für mich als chronischem Hasser organisierter Gruppenfreizeiten eigentlich kein Interesse. Doch dieser kleine Satz im Feedbackbereich der Homepage machte mich stutzig: "Ich weiß - das schreibt eigentlich jeder - aber eine SchülerAkademie muss man erleben, um sie zu lieben".

Diesen "Standardsatz" kann ich definitiv unterschreiben, denn die sechzehn Tage, die ich im Sommer in dem Schlossinternat Torgelow am See (Mecklenburgische Seenplatte) verbrachte, waren prägend und eine großartige Erfahrung. Dort haben sich fast hundert deutschsprachige Schüler aus aller Welt getroffen, um in ihrer Lernfreude herausgefordert zu werden. Dafür wählte man sich nach der Bewerbungsannahme in einen Kurs, dessen Schwerpunkt bei theoretischer Mathematik, Philosophie, Medizin, Linguistik oder vielem anderen liegen kann. Ich hatte das große Glück, meine Erstwahl für den Kurs "Seuchen und Epidemien" bestätigt zu bekommen. In diesem Kurs habe ich mich gemeinsam mit fünfzehn anderen Schülern zwei Wochen lang Erregern, Impfmethoden, mathematischen Modellierungen und wissenschaftlichem Schreiben gewidmet. Neben der Kursarbeit gab es nachmittags und abends zahlreiche selbstständig organisierte Kurse, in denen man neben Schach, Niederländisch, der Sauerteigherstellung, Programmieren oder Wiederbelebungstechniken vieles Weitere lernen konnte. Es gab zudem Improvisationstheater und -chor, Frühschwimmen, Sportturniere oder schlichtes Kuchenbacken. Die Nächte wurden mit der Zeit immer kürzer, da Lagerfeuer, Konzerte oder Turniere angenehme Alternativen zum Schlaf darstellten.

Die DSA hat mir ein vollkommen neues Bild von wissenschaftlichem Arbeiten vermittelt und nebenbei viele neue Freunde und ein einmaliges Gesamterlebnis beschert. Danke! Am nächsten Morgen waren übrigens Ursprung (ich war der unwissende Auslöser) und Verlauf der virtuellen Seuche geklärt.

©2017 Julia Müller, Q3

Die Deutsche SchülerAkademie ist eine vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, verschiedenen Stiftungen und Gesellschaften getragene Einrichtung zur Begabtenförderung. Mehr Informationen finden Sie unter: www.deutsche-schuelerakademie.de Schulischer Ansprechpartner ist Herr Hoffmann (markus.hoffmann@wvo-dbg.de).