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Besuch aus Mexiko – Erhaltungszuchtprojekt: Mexikanischer Hochlandkärpfling

Seit 2020 beteiligt sich die Wilhelm-von-Oranien-Schule an einem Erhaltungszuchtprojekt für den „Vielschuppigen Grundkärpfling“ aus der Gattung der mexikanischen Hochlandkärpflinge. Alldontichthys polylepis ist in der Natur seit 2016 nicht mehr nachgewiesen. Auch seine Aquarienpopulation ist mit 800 Tieren aktuell sehr gering. An der Wilhelm-von-Oranien-Schule schwimmen derzeit in einem 250 Liter Aquarium ca. 25 Tiere.

Im vergangenen Schuljahr hatten Kinder der Vivarium-AG ihr Erhaltungszuchtprojekt einem breiten Fachpublikum auf der 21. Herbsttagung des Arbeitskreises für lebendgebärende Fische vorgestellt und dafür gesorgt, dass wertvolle Kontakte geknüpft werden konnten. Unter anderem wurde der Kontakt zu dem Initiator und Koordinator des Erhaltungszuchtprojekts Michael Köck hergestellt. Herr Köck war jahrelang Kurator im Haus des Meeres (Wien), lebt, arbeitet und forscht aber in Mexiko nahe der Stadt Moreila. Im Rahmen seines Europaaufenthaltes im April 2024 bot er an, zu Vorträgen für verschiedenen Jahrgangstufen zu uns nach Dillenburg zu kommen. Dieses Angebot nahm der Fachbereich Biologie dankend an, da sich gleich mehrere Unterrichtsthemen anbinden lassen konnten.

Am 26.04.2024 hatten zuerst die Kinder der beiden Vivarium-AGs (JUNG und HAUS) die Gelegenheit Michael Köck kennenzulernen und ihm das Schulvivarium und seine Bewohner zu zeigen. In einem interessanten Vortrag über den, von der Wilhelm-von-Oranien-Schule gepflegten, Hochlandkärpfling (Allodontichthys polylepis) konnten 30 Kinder und Jugendliche die eigene Artenkenntnis erweitern.

Für die folgende Veranstaltung wurde das Atrium mit allen Q2 Biologiekursen gefüllt und der Experte gab in seinem 60 minütigen Vortrag einen äußerst spannenden Einblick in die Familie der Hochlandkärpflinge, die anthropogenen (vom Menschen verursachten) Gründe der Gefährdung und seine Arbeit im mexikanischen Hochland.

So berichtete der österreichische Zoologe von seinem interessanten beruflichen Werdegang und wie es ihn nach Mexiko verschlagen hat. Sein Interesse an den Hochlandkärpflingen entwickelte sich erst, als er die ersten Exemplare von einem Bekannten überlassen bekam. Erste Nachzuchterfolge und der Aufbau einer großen Zuchtanlage im Haus des Meeres in Wien mündeten in einem umfangreichen Arterhaltungsprogramm für alle Goodeiden (Hochlandkärpflinge).  Mittlerweile ist es sogar an manchen Gewässern möglich, (fast) ausgestorbene Fischarten wieder in ihren natürlichen Verbreitungsgebieten anzusiedeln.  Das ehrgeizige Ziel: Alle 39 Hochlandkärpflingarten sollen in der Natur erhalten bleiben.

Mit sehr gutem Bild- und Filmmaterial wurden einige besondere Anpassungen der einzelnen Arten an ihre Lebensräume gezeigt. So besiedeln die Fische teilweise sehr spezielle Lebensräume (größere Fließgewässer, Bäche, Seen und saubere Quellgewässer).

Gemeinsam ist allen Hochlandkärpflingen, dass sie echte Lebendgebärende sind, was auch eine innere Befruchtung der Eier voraussetzt. Die Befruchtung erfolgt nach einer kurzen Balz mit Hilfe der speziell geformten Afterflosse der Männchen mit der sie die im Wasser abgesetzten Spermien zur Analöffnung der Weibchen befördern. Die Fischnachwuchs verweilt bis zu zwei Monate im Mutterleib. In dieser Zeit sind die wenigen Jungfische über nabelschnurähnliche Ausstülpungen des Enddarms (Trophotaenien) mit der Mutter verbunden und werden mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Sie werden dann lebend geboren und haben mit einer Größe von circa 20 mm bereits eine beachtliche Größe erreicht.

Die Fotos und Videos zeigten eindrücklich die wunderbare Natur und die Vielfalt der Lebensräume, fernab der gängigen Touristenströme. So beheimatet beispielsweise die Laguna Zacapú sieben Arten der Hochlandkärpflinge. Diese Artenvielfalt kann man leider nicht mehr in vielen Gewässern Mexikos wiederfinden, denn es gibt durch zahlreiche Eingriffe des Menschen (Landwirtschaft, Bebauung, Wasserentnahme, Müll und vor allem durch ausgesetzte Speisefische) verschiedene Ursachen, die zur drastischen Abnahme der heimischen Fischarten führten.

An einigen Beispielen wurde gezeigt, dass es dennoch lohnenswert ist, sich für den Artenschutz einzusetzen und dabei auch besondere Wege zu gehen. Ein Weg, um die Akzeptanz der Bevölkerung zu gewinnen, gelingt über die Kirchenvertreter, Politiker oder anderweitig einflussreiche Personen. So müssen in den einzelnen Ortschaften viele Menschen gleichzeitig über die Gefährdung heimischen Fischflore informiert und sensibilisiert werden. Nach der wichtigen Informationsphase können dann auch durch praktische Maßnahmen, wie die Renaturierung von Gewässerabschnitten und konsequentes Abfischen der invasiven Fischarten, Lebensräume wiederhergestellt werden. Anschließend konnten sogar bereits verschwundene Arten wieder angesiedelt werden.  

In der anschießenden Fragerunde wurden weitere wichtige Fragen und Probleme, wie zum Beispiel der Einfluss von Drogenkartellen vor Ort oder die Finanzierung von solchen Projekten geklärt. Am Beispiel des “Plan G“ zeigte Micheal Köck den ehrgeizigen Aktionsplan zum Erhalt aller vorkommenden Goodeiden-Arten auf. Dieser auf 10 Jahre ausgerichtete Plan startete 2023 und zeigt die große internationale Beteiligung. Neben mexikanischen Universitäten, Wissenschaftlern und Behörden sind Zoos aus aller Welt sowie internationale NGOs Teil des Programms. Auch die Wilhelm-von-Oranien-Schule stellt durch ihre Nachzuchtbeteiligung der Goodeid Working Group ein kleines Puzzleteil dieses Artenschutzprojekts.    

Nach den gelungenen Vorträgen trafen sich die Projektverantwortlichen Michael Köck (Goodeid Working Group) Timo Jung und Sedric Haus (Vivarium der Wilhelm-von-Oranien-Schule) und Luca Bender (Masterstudent Biologiedidaktik, Justus-Liebig-Universität) zum gemeinsamen Erfahrungsaustausch und zur Abstimmung des weiteren Vorgehens. An dem Erhaltungszuchtprojekt beteiligen sich derzeit zwei weitere europäische Schulen. Hierbei handelt es sich um das Kossuth Lajos Gymnasium in Mosonmagyaróvár (Ungarn) und die Landwirtschaftliche Fachschule in Hollabrunn (Österreich). Hier wurden bereits erste Kontakte geknüpft, die in einen Austausch von Erfahrungen sowie Unterrichtsmaterial und ggf. auch Tieren und Besuchen münden können. So profitieren die bedrohten Fische und unsere Schülerinnen und Schüler gleichermaßen von diesem langfristig angelegten Projekt.


Weitere Informationen: goodeidworkinggroup.com

 



2024
copyright Text: Sedric Haus, WvO
copyright Foto: Timo Jung & Sedric Haus, WvO
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