Bericht über die Junior Akademie Hessen 2006

Als kleine Einführung zu meinem Erlebnisbericht über die Junior Akademie möchte ich zuerst das Ziel der Deutschen Juniorakademien möglichst kurz zusammenfassen: Bei den Deutschen JuniorAkademien handelt es sich um ein außerschulisches Programm zur Förderung begabter Schüler(innen) der Klassen 8.-10. Sie findet in den jeweiligen Sommerferien statt. Ihr Ziel ist die Förderung besonders begabter Jugendlicher durch außerschulische Veranstaltungen. Eine Akademie dauert 14 Tage und besteht aus Kursen mit je 15 Teilnehmern; jede(r) Teilnehmer(in) besucht einen Kurs mit etwa 50 Stunden. Themen der Kurse sind exemplarische Fragestellungen aus der Mathematik, den Naturwissenschaften, den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften, der Wirtschaft, den Fremdsprachen, der Musik, usw.

Neben der fachlichen Auseinandersetzung mit den Lerninhalten ist die Vermittlung und Einübung wissenschaftlichen Arbeitens wesentlicher Bestandteil der Kursarbeit, insbesondere der Erstellung einer Dokumentation, in der die wichtigsten Ergebnisse festgehalten werden. Im Rahmen der Rotation, bei der die Teilnehmer andere in die eigene Kursarbeit einführen, erlernen sie verschiedene Präsentationstechniken. Durch ergänzende Veranstaltungen wird das interdisziplinäre Interesse und Verständnis gefördert. Neben der Kursarbeit wird ein vielfältiges Rahmenprogramm mit Musik, Sport Exkursionen u.a. angeboten.

So wurden dieses Jahr insgesamt 4 Kurse angeboten: Poetry Slam (Dichterschlacht, kreatives Schreiben und Bühnenvortrag), Philosophie (Die sokratische Frage nach dem guten Leben), Politik und Medien – Verbündete (oder) Feinde und Chemie (Vom Wesen der Dinge).

Der erste Kurs, Poetry Slam, hat sich mit dem Erstellen eigener Texte, ob nun komische oder ernste Gedichte, Kurzgeschichten, Rap- oder Songtexte und deren stilgerechten Vortrag beschäftigt. Es wurden die Grundlagen der Poetik, die Geschichte des Poetry Slam und verschiedene Vortragsarten behandelt. Als Ergebnis der Kursarbeit gab es einige Vorstellungen und als Krönung am Ende der Akademie eine Dichterschlacht, zu der auch die Öffentlichkeit eingeladen war.

Der zweite Kurs, Philosophie, welchen ich besuchte, beschäftige sich mit der sokratischen Frage nach dem guten Leben. Hierzu behandelten wir kurz und grob die antike Geschichte, um ansatzweise die Beweggründe der frühen Philosophen für ihre Arbeit zu verstehen. Sehr ausführlich beschäftigten wir uns mit Sokrates, dem wohl größten antiken Philosophen. Wir betrachteten seine Denkens- und Vorgehensweise und analysierten sie nach verschiedenen Gesichtspunkten. Hierzu mussten wir bereits als Vorbereitung für die Akademie „Die Apologie des Sokrates“ und den „Thrasymachos“ aus Platons „Der Staat – Über das Gerechte“ lesen und Textreferate erarbeiten. Die Kursarbeit selbst wurde dann in 2 größere Blöcke geteilt: Die erste Woche beschäftigten wir uns ausschließlich mit der Apologie, während wir in der zweiten Woche nur den Thrasymachos behandelten. In den Mittelpunkt der Kursarbeit gelangte bereits nach kurzer Zeit die „Prüfungen des Sokrates“. Diese führte Sokrates durch, um andere Menschen und deren Ansichten über das Gerechte, Richtige und Gute auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu prüfen und so möglicherweise eine Antwort auf fundamentale Fragen der Menschheit zu erhalten. Letztlich bekam Sokrates keine Antwort, kam jedoch trotzdem zu dem Schluss, durch die Prüfungen ein gutes Leben geführt zu haben. Hierzu ist zu erwähnen, dass die Athener Sokrates aufgrund seines ständigen Prüfens, das ihnen teils zu nahe ging und somit ihren persönlichen Stolz und ihre Ehre angriff, zum Tod verurteilt wurde. Insgesamt beurteile ich die Kursarbeit als sehr interessante Angelegenheit, die einen sowohl im schulischen, als auch im privaten bereich weitergebracht hat. Ich habe einige neue Arbeitsmethoden er- und neue Denkensweisen kennen gelernt. Man kann sagen, dass mein persönlicher Horizont erweitert wurde. Die Philosophie auf solche Art und Weise zu betreiben kann ich jedem empfehlen, der sehr an Religion/Ethik, Geschichte und Politik interessiert ist.

Der dritte Kurs, Politik und Medien, hat sich mit der heutigen Informationsgesellschaft beschäftigt. Es wurde die These „vom allgemeinen Wandel der Zeit und der immer größer werdenden Bedeutung der Medien“ untersucht und weiterverfolgt. Hierzu wurden elementare Bereiche der Medien, wie Film und Fernsehen, das Internet, Zeitungen, Radio usw. behandelt. Inwiefern die gestellte These tatsächlich zutrifft und was sie für unsere Demokratie bedeutet stellte einen weiteren zentralen Punkt in der Kursarbeit dar. Neben den Medien wurden natürlich auch die eigentlichen drei Gewalten, Legislative, Exekutive und Judikative unter die Lupe genommen. In einem zweiten Teil des Kurses wurde eine einstündige Radiosendung zu verschiedenen politischen Themen erstellt. Außerdem hat der Kurs einige Sonderexkursionen unternommen, so z.B. zur Zeitungsgruppe Darmstädter Echo, einem örtlichen Radiosender und zu einem Kommunalpolitiker, den der Kurs interviewte.

Der vierte Kurs, Chemie, beschäftige sich hauptsächlich mit der Geschichte der Chemie, d.h. wie sie sich entwickelte, welche Entdeckungen gemacht wurden und auf welche Arten und Weisen Chemie die Jahrhunderte/Jahrtausende der Menschheitsgeschichte praktiziert wurde. Hierzu wurde einiges an Theorie in den Kursstunden gemacht, Experimente behielten aber letzten Endes doch die Überhand. So wurden e verschiedenste biologische, chemische und historische Versuche unternommen, um die unterschiedlichsten Phänomene und einfachsten Zusammenhänge experimentell zu ermitteln und zu verstehen. So wurden z.B. Fragen wie „Was ist das fünfte Element der chinesischen Welt und weshalb?“ oder „Wo finden wir Parallelen zwischen dem Metall Wismut und dem Element Wasser?“ Aber es wurde nicht einfach nur der Lauf der Chemie betrachtet, auch ihre Folgen für die Welt und den Lauf der allgemeinen Geschichte wurden unter die Lupe genommen. Ein größeres Ereignis des Chemiekurses fand zur Halbzeit der Akademie statt: Eine Exkursion in die TU Darmstadt, wo die Kursteilnehmer einige Professoren und die Räume der Universität für ihre Experimente nutzen/befragen konnten.

Nun habe ich schon einiges über die Akademie und ihre Kurse erzählt, aber das macht ja bei weitem noch nicht alles aus: Die kursübergreifenden Angebote (KüA) waren ebenfalls sehr zahlreich und interessant. So wurden den Kursteilnehmer fast alle Wünsche auf Freizeitgestaltung erfüllt: Man konnte fast jeden Sport, der einem gefiel, betreiben, von Ballsportarten (Fußball, Handball, Basketball etc.), über Leichtathletik bis hin zu Schwimmen. Aber auch an geistigen KüA´s fehlte es nicht: So wurden z.B. eine Schach- und eine Skart-KüA angeboten, in denen man nicht einfach nur spielte, sondern auch Strategien erlernte und teils selbst entwickelte. Außerdem wurden noch Improvisationstheater, ein Wer-wird-Millionär Gewinnspiel-Abend, einige DVD-/Film“abende“ und vieles mehr angeboten. Ein wahres Highlight unter den KüAs war die KüA Musik. Hier spielte eine kleine Band/ ein kleines Orchester zusammen mit einem Chor. Es fanden hierzu auch 2 öffentliche Konzerte, zum einen in Darmstadt, zum anderen in Ober-Ramstadt statt.

Des Weiteren wurden 2 große Tagesexkursionen unternommen: Man konnte wählen zwischen einer Besichtigung des Werksgeländes der Firma Merck in Darmstadt oder einer Besichtigung des Frankfurter Flughafens mit Einblick hinter die Kulissen der Fraport AG und weiterer Zukunftsplanung des Flughafens. Ich entschied mich für letzteres und hatte einen wahrhaft sehr erlebnisreichen Tag: Wir fuhren morgens nach Frankfurt und erhielten verschiedene mehrstündige Besichtigungen auf dem Gelände (draußen), im internen Flughafenbereich (hinter den Kulissen) und im normalen für jeden sichtbaren Flughafengebäude. Anschließend fand eine kleine Informationsveranstaltung zum geplanten Flughafenausbau und zur weiteren Zukunft des Frankfurter Flughafens statt. Verköstigt wurden wir auf Wunsch, wie sollte es auch anders sein, durch Mc Donald. Nachdem unsere Tour in Frankfurt beendet war, trafen wir uns mit der Merckgruppe in Darmstadt zu einer leider aufgrund des Zeitproblems relativ kurzen Standerkundung.

Insgesamt kann ich behaupten, die 16 Tage in der Junior Akademie Hessen 2006 sehr genossen zu haben. Ich habe über die rund zwei Wochen sehr viel gelernt, und eine solche Art von gemeinsamen Arbeiten und Lernen wäre in der Schule wohl nie möglich. Stand ich anfangs diesem Förderprogramm noch etwas skeptisch gegenüber muss ich nun, nachdem ich weiß, von was ich spreche, sagen, dass es eine klasse Veranstaltung war und ich wenn möglich auch gerne in der Oberstufe an einer Deutschen SchülerAkademie teilnehmen möchte. Das Wissen und die Erfahrung, die ich in dieser kurzen Zeit erhalten habe übersteigen weit meine Erwartungen. Auch die Menschen, mit denen ich zusammen arbeitete und lernte, sowohl die anderen Teilnehmer als auch die Kursleiter und die Akademieleitung waren bzw. sind überaus nette und freundliche Menschen. So konnte ich sogar einige neue, gute Freundschaften schließen und hatte auch während der 16 Tage viel Spaß mit den Menschen dort. Auch in Hinsicht auf die spätere Berufswahl und weitere Förderprogramme hat mich die Akademie ein ganzes Stück weitergebracht: So bekam man während der Akademie viele Informationen zum Studieren und wir erhielten gegen Ende auch einige Kontaktadressen, an die wir uns wenden können. Aber auch nach der Akademie wird man weiter durch dieses Förderprogramm auf dem Weg in den Beruf begleitet: So stehen einem zum einen Fachberatungen von Bildung und Begabung e.V. sowie der Kinder und Junior Akademie Südhessen e.V. zur Verfügung. Außerdem besteht für alle Teilnehmer die Möglichkeit, dem Club der Ehemaligen (CdE) beizutreten. Dieser organisiert u.a. Nachtreffen und ermöglicht die Kommunikation der Teilnehmer nach der Akademie. So werden hier auch weitere „Akademien“ angeboten. Oftmals schließen sich auch einige CdE’ler später zu Gruppen zusammen, um eine WG zu bilden oder sich einfach gemeinsam eine Universität zu suchen. Außerdem besteht für viele der Teilnehmer eine realistische Chance auf ein Stipendium. Hier bieten sich verschiedene Träger an, u.a. das Land Hessen, das Bundesbildungsministerium, Bildung und Begabung e.V. sowie einige andere Institutionen und Vereine. Mein Schlussfazit zu diesem Förderprogramm ist ganz klar, dass es eine lohnende Investition in die Zukunft war, und zwar in allen Bereichen. Meiner Meinung nach hat diese Akademie einen prägenden Eindruck hinterlassen, und ich bin sehr froh, dass mir dieses Erlebnis u.a. auch durch Unterstützung des Ehemaligenvereins der Wilhelm-von-Oranien-Schule ermöglicht wurde.