Die Entwicklung der Menschenrechte

Das Prinzip der Menschenrechte ist nicht so jung, wie wir glauben. Schon im 12. Jahrhundert existierten sie, wenn vielleicht auch nicht so ausgeprägt wie heutzutage. In diesem Teil der Homepage wollen wir eine Zeitreise begehen und uns die Entwicklung der Menschenrechte näher anschauen.
Ach ja... Wenn du dir nicht sicher bist, was Menschenrechte sind, dann schlage sie in unserem Glossar nach.


1215 - Magna Charta Libertatum

Das Magna Charta Libertatum (lat. für "Große Urkunde der Freiheiten") war ein Vertrag zwischen König Johann von England und den englischen Baronen, die nicht mit dem König und seinen Fehlschlägen zufrieden waren. Sie beinhalteten erste Bürgerrechte, wie zum Beispiel das Verbot, einem Menschen ohne rechtsmäßiges Urteil seine Freiheit und sein Eigentum zu nehmen.
Zunächst verweigerte der König die Genehmigung dieses Vertrags, doch als die Barone ihm die Treue kündigten, unterzeichnete er das Magna Charta Libertatum gezwungenermaßen am 15. Juni 1215.

Magna Charta Libertatum
Magna Charta Libertatum

1628 - Petition of Rights

Die Petition of Rights (engl. für "Bittschrift des Rechts") war eine Bittschrift des englischen Parlaments an König Karl I. im Mai 1628. In dieser forderten die Parlamentarier den Monarchen auf, keine Steuern ohne ihre Einwilligung zu erheben, keine Soldaten in Häusern von Privatleuten einzuquartieren, keine Bürger ohne Angabe eines Grundes zu verhaften und die Garantie für ordentliche Gerichtsverfahren.
Der König nahm die Petition of Rights an und diese wurden zum festen Bestandteil der englischen Verfassung.

Petition of Rights
Petition of Rights

1679 - Habeas-Corpus-Akte

Die Habeas-Corpus-Akte (lat. für "du mögest den Körper haben") ist ein englisches Gesetz, das erstmals vor willkürlichen Verhaftungen schützt und dem Beschuldigten ein rasches Gehör garantiert. Es sollten die über den Beschuldigten erhobenen Vorwürfe gründlich untersucht werden, bevor eine Verurteilung erfolgen sollte.
Dieses Gesetz findet man heute in vielen Verfassungen wieder, so auch im Grundgesetz in Artikel 104.

Habeas-Corpus-Akte
Habeas-Corpus-Akte

1689 - Bill of Rights

Die Bill of Rights (engl. für "Gesetz der Rechte") wurden nach dem Sturz des englischen Königs Jacob II. vom englischen Parlament erarbeitet und von Wilhelm von Oranien unterzeichnet - als Bedingung für seine Krönung.
Die Bill of Rights verstärken die Befugnisse des Parlamentes gegenüber dem König und verstärken im Prinzip alle im Magna Charta Libertatum zugestandenen Rechte.

Bill of Rights
Die Krönung des Wilhelm von Oranien - die Gegenleistung des Parlaments zur Unterzeichnung der Bill of Rights

1776 - Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika

Die Unabhängigkeitserklärung (engl. auch "Declaration of Independence" genannt) war das Dokument, in dem die 13 britischen Kolonien auf Nordamerika ihre Unabhängigkeit zum Mutterland Großbritannien erklärten und wurde am 4. Juli 1776 verabschiedet.
Sie ähnelt unserem heutigen Grundgesetz sehr und beinhaltet auch die Grundrechte, die wir heute besitzen. Dies wird besonders in diesem Absatz deutlich: "Folgende Wahrheiten erachten wir als selbstverständlich: dass alle Menschen gleich geschaffen sind; dass sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind; dass dazu Leben, Freiheit und das Streben nach Glück gehören; dass zur Sicherung dieser Rechte Regierungen unter den Menschen eingesetzt werden, die ihre rechtmäßige Macht aus der Zustimmung der Regierten herleiten; dass, wenn immer irgendeine Regierungsform sich als diesen Zielen abträglich erweist, es Recht des Volkes ist, sie zu ändern oder abzuschaffen und eine neue Regierung einzusetzen und diese auf solchen Grundsätzen aufzubauen und ihre Gewalten in der Form zu organisieren, wie es ihm zur Gewährleistung seiner Sicherheit und seines Glückes geboten zu sein scheint."

Unabhängigkeitserklärung
Thomas Jefferson überreicht dem Kontinentalkongross den Entwurf zur Unabhängigkeitserklärung

1789 - Erklärung der Rechte des Menschen und Bürgers in Frankreich

In Anlehnung an die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika verabschiedete Frankreich am 26. August 1789 schließlich die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte.
Noch heute dienen sie in Frankreich als Rechtsgrundlage.

Erk. der Menschen- und Bürgerrechte
Tafel, auf der die Erklärung der Rechte des Menschen und Bürgers in Frankreich stehen

1791 - Französische Verfassung

Die französische Verfassung war die erste ausformulierte Verfassung Europas. Und es war die erste Verfassung, die die Gewaltenteilung (siehe Glossar) einsetzte.

Münzen aus 1791
Münze aus dem Jahr der Französischen Verfassung (1791-92)

1794 - Allgemeines Preußisches Landrecht

Das Allgemeine Preußische Landrecht stellte Rechtsvorschriften im Staatenbund Preußen dar und dazu das erste Gesetzeswerk, das umfassend und bis ins Detail genau formuliert wurde. Im 19. Jahrhundert entstanden dann nach und nach das Strafgesetzbuch und das Bürgerliche Gesetzbuch, das das Allgemeine Preußische Landrecht nach und nach ersetzten.

Allgemeines Preußisches Landrecht
Allgemeines Preußisches Landrecht

1848 - Verfassung des Deutschen Reiches

Die Verfassung des Deutschen Reiches (auch "Frankfurter Reichsverfassung" oder "Paulskirchenverfassung" genannt) wurde am 28. März 1849 verkündet und war die erste Verfassung für Deutschland. Allerdings ist sie nie in Kraft getreten, da sie von den meisten deutschen Staaten abgelehnt wurde.

Frankfurter Nationalversammlung
Frankfurter Nationalversammlung

1919 - Weimarer Reichsverfassung

Die Weimarer Verfassung wurde am 11. August 1919 vom Reichspräsidenten Friedrich Ebert unterzeichnet und trat drei Tage später in Kraft. Sie basierte auf die Frankfurter Reichsverfassung 1848 und die Bismarksche Reichsverfassung 1871. Sie bestand aus zwei Hauptteilen: Art. 1 bis 108 nannte sich "Aufbau und Aufgaben des Reiches", Art. 109 bis 165 handelte über die "Grundrechte und Grundpflichten der Deutschen". Formell blieb die Weimarer Reichsverfassung auch nach der Machtergreifung von Adolf Hitler gültig, doch durch dessen Aufhebung der Gewaltenteilung (siehe Glossar) war sie eigentlich außer Kraft gesetzt.

Weimarer Verfassung
Bucheinband der Weimarer Verfassung

1945 - Charta der Vereinten Nationen

Am 26. Juni 1945 unterzeichneten in San Francisco 51 Staaten die Charta der Vereinten Nationen und gründeten somit eine internationale Staatenorganisation zur Bewahrung des Weltfriedens. Zum Ausdruck gebracht wird dies durch die Präambel (siehe Glossar):

"WIR, DIE VÖLKER DER VEREINTEN NATIONEN – FEST ENTSCHLOSSEN,
künftige Geschlechter vor der Geißel des Krieges zu bewahren, die zweimal zu unseren Lebzeiten unsagbares Leid über die Menschheit gebracht hat,
unseren Glauben an die Grundrechte des Menschen, an Würde und Wert der menschlichen Persönlichkeit, an die Gleichberechtigung von Mann und Frau sowie von allen Nationen, ob groß oder klein, erneut zu bekräftigen,
Bedingungen zu schaffen, unter denen Gerechtigkeit und die Achtung vor den Verpflichtungen aus Verträgen und anderen Quellen des Völkerrechts gewahrt werden können,
den sozialen Fortschritt und einen besseren Lebensstandard in größerer Freiheit zu fördern,
UND FÜR DIESE ZWECKE
Duldsamkeit zu üben und als gute Nachbarn in Frieden miteinander zu leben,
unsere Kräfte zu vereinen, um den Weltfrieden und die internationale Sicherheit zu wahren,
Grundsätze anzunehmen und Verfahren einzuführen, die gewährleisten, daß Waffengewalt nur noch im gemeinsamen Interesse angewendet wird, und
internationale Einrichtungen in Anspruch zu nehmen, um den wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt aller Völker zu fördern –
HABEN BESCHLOSSEN, IN UNSEREM BEMÜHEN UM DIE ERREICHUNG DIESER ZIELE ZUSAMMENZUWIRKEN.
Dementsprechend haben unsere Regierungen durch ihre in der Stadt San Francisco versammelten Vertreter, deren Vollmachten vorgelegt und in guter und gehöriger Form befunden wurden, diese Charta der Vereinten Nationen angenommen und errichten hiermit eine internationale Organisation, die den Namen „Vereinte Nationen” führen soll."

UNO-Flagge
Flagge der Vereinten Nationen

Beitritt Deutschlands
Beitrittserklärung Deutschlands in die Vereinten Nationen

1948 - Allgemeine Erklärung der Menschenrechte

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte wurde im Dezember 1948 von den Vereinten Nationen einstimmig beschlossen. Ihr Ziel ist es, für die Menschenrechte und den Bürgerrechten einzutreten und sie zu fördern.

Eleanor Roosevelt
Eleanor Roosevelt, Mitverfasserin der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte

1949 - Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland

Schließlich ist 1949 unser Grundgesetz in Kraft getreten.

Grundgesetz
Grundgesetz

1950 - Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten

Die Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (auch "Europäische Menschenrechtskonvention" genannt) enthält einen Katalog von Grund- und Menschenrechten. Sie wurde am 4. November 1950 unterzeichnet, trat aber erst am 3. September 1953 allgemein in Kraft.

Europäisches Konvent
Europäische Menschenrechtskonvention

1966 - Internationaler Pakt über bürgerliche und politische Rechte

Der Internationale Pakt über bürgerliche und politische Rechte (kurz "UN-Zivilpakt" oder "IPbpR") wurde am 16. Dezember 1966 in New York abgeschlossen. Insgesamt haben 153 Staaten unterzeichnet. Der Pakt garantiert beispielsweise die Menschenrechte, die Abschaffung von Todesstrafe und Sklavenarbeit, das Recht auf persönliche Entfaltung und Freiheit und die Gleichberechtigung von Frau und Mann.
Die Mitgliedstaaten sind verpflichtet dem UN-Menschenrechtsausschuss regelmäßig Bericht zu erstatten.

Internationaler Pakt
Staaten, die zum Internationalen Pakt gehören - Bedeutung der Farben: dunkelgrün: ratifiziert (hat den Vertrag anerkannt), hellgrün: nicht ratifiziert, grau: gehört nicht zum Pakt