4. Philosophischer Tag 22.1.2010
Einführung in das Thema [ PDF ]
Geplanter Verlauf [ PDF ]
Die Gruppen stellen sich vor
Gruppe 1: bellum iustum (der gerechte Krieg) ein aktuelles Thema und seine Tradition
Gruppe 2: Die Gerechtigkeit Gottes bei Paulus
Gruppe 3: Gibt es soziale Gerechtigkeit?
Gruppe 4: Der zweite Tod meines Vaters. Michael Buback und seine Suche nach Gerechtigkeit
Gruppe 5: Täter und Opfer der DDR-Diktatur Bautzen und kein Ende
Gruppe 6: Honeckers Erben. Die Linkspartei als Erzfeind der Demokratie
Gruppe 7: Ausgemerzt und vergessen – Musiker im Dritten Reich und ihr Nachwirken
Gruppe 8: Geht es vor Gericht „gerecht“ zu … und wie ist das in der Schule mit der „Gerechtigkeit“?
Gruppe 9: Selbstjustiz im Film
Gruppe 10: Wie teilt man einen Kuchen?
Gruppe 1: bellum iustum (der gerechte Krieg) ein aktuelles Thema und seine Tradition
Es gibt keinen gerechten Krieg. So begründete Margot Käßmann,
Ratsvorsitzende der EKD, vor kurzem ihre Forderung des Bundeswehrabzugs aus
Afghanistan und schaltet sich damit in eine Debatte ein, die schon seit langer
Zeit geführt wird. Ins Bewusstsein der Menschen rückt die Frage
nach einem gerechten Krieg v.a. dadurch, dass auf weltpolitische Krisen und
Konflikte zunehmend mit militärischen Interventionen im Namen der Menschenrechte
oder als Krieg gegen den Terror reagiert wird.
Das Thema ist alt, aber nicht starr. So will dieser Workshop die Entwicklung
der Frage nach dem gerechten Krieg in verschiedenen Jahrhunderten bis in die
Gegenwart hinein nachgehen. Anhand von Quellen, Sachtexten und Bildern soll
die Entwicklung dieses in der Geschichte wirkungsvollen Motivs erarbeitet
und diskutiert werden.
Den Grundstein in der Antike legt dabei Cicero, der über die Theorie
des ius ad bellum (Recht zum Kriegführen) und des ius in bello (rechtmäßige
Kriegsführung) reflektiert (Lateinkenntnisse sind hier nicht erforderlich).
Augustinus entwickelt in der Spätantike Ciceros Ausführungen weiter
und ebnet so den Weg für den Kreuzzugsgedanken, den heiligen Krieg im
Mittelalter, was der zweite Schwerpunkt des Workshops sein wird. Den dritten
Teil bildet die aktuelle Diskussion, die anhand von Barack Obamas Rede anlässlich
der Friedensnobelpreisverleihung näher beleuchtet werden soll.
Martina Bölck, Julia Schäfer-Schmitt, Michael Schneider
[ Übersicht ]
Gruppe 2: Die Gerechtigkeit Gottes bei Paulus
Das Thema Gerechtigkeit hat schon immer eine religiöse Dimension. Wenn es schon
bei Menschen vielleicht keine Gerechtigkeit zu erwarten gibt, können wir sie
dann bei Gott finden? Für Martin Luther etwa war es eine ganz entscheidende
Frage: „Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?“ Denn alles menschliche Bemühen
von sich aus in Kontakt zu Gott zu kommen erweist sich als bruchstückhaft.
Mit Jesu Tod und Auferstehung geht die Lösung des Problems von Gott aus. Jesus
wurde für die Menschen zur Gerechtigkeit, die vor Gott gilt. Daher widmet
das Neue Testament diesem Thema einen breiten Raum.
Ausgehend von einem Text von Eduard Schweizer wird die biblische Gerechtigkeit
bei Paulus thematisiert.
Arnold Führer
[ Übersicht ]
Gruppe 3: Gibt es soziale Gerechtigkeit?
Es liegen viele verschiedene Ansätze vor, wie eine sozial gerechte Gesellschaft
aussehen könnte. Manche davon sind als reine Utopien gewertet worden, andere
sind zu wichtigen Impulsen für eine staatliche Gesetzgebung geworden. Doch
was gehört alles zu einer gerechten Gesellschaft? Gemeinsam soll über
unterschiedliche Ideen nachgedacht und überlegt werden, was davon vielleicht
schon in unserer Gesellschaft realisiert ist und was verbesserungsfähig
wäre.
Kerstin Ehr, Silvia Keil
[ Übersicht ]
Gruppe 4: Der zweite Tod meines Vaters. Michael Buback und seine Suche nach Gerechtigkeit
Die Ermordung des Generalbundesanwalts Siegfried Buback und seiner zwei Begleiter
im Jahre 1977 war ein Schock und der Auftakt für den Terrorherbst der RAF.
Die Aufklärung dieser Morde ist natürlich ein wichtiges Anliegen und so war
Michael Buback, der Sohn des ermordeten Generalbundesanwalts, 30 Jahre lang
davon überzeugt, dass alles Erforderliche getan worden ist, um die Verantwortlichen
zu überführen. Völlig unvorbereitet tauchten dann eine Reihe von Indizien
auf, die darauf hindeuten, dass der Fall keineswegs erledigt ist, sondern
dass im Gegenteil die falschen für die Karlsruher Morde verurteilt wurden.
Die Gruppe wird sich anhand des Buches von Michael Buback und Dokumentationsmaterial
vom ZDF eingehend über den Fall informieren und die Argumente miteinander
diskutieren.
Martin Lippert, Stefan Klenner
[ Übersicht ]
Gruppe 5: Täter und Opfer der DDR-Diktatur Bautzen und kein Ende
Auch 20 Jahre nach dem Fall der Mauer ist die Aufarbeitung der DDR-Diktatur
noch brandaktuell. Denn die Täter und die Opfer leben unter uns. Es gibt
zahllose Berichte, die davon ein Zeugnis ablegen. Erschütternd muten die
Geschichten an, die erzählen, wie der Unrechtsstaat aufgebaut war, funktionierte
und was dort Menschen angetan wurde. Die Frage nach der Gerechtigkeit ist in
diesem Zusammenhang geradezu handfest greifbar. Es tauchen Fragen auf, warum
etwa Margot Honecker eine Ministerrente nach Chile überwiesen bekommt,
aber unschuldig Inhaftierte kaum Geld bekommen, weil sie in der Haft keine Rentenansprüche
erwerben konnten.
Anhand von mehr oder weniger prominenten Fallbeispielen, wie etwa der Zwangsausbürgerung
von Wolf Biermann, werden Unrechtstaten aufgegriffen, analysiert und vor diesem
Hintergrund überlegt, wie sich der gesellschaftliche Umgang damit in unserm
Land gestaltet.
Nicole Inhoffen
[ Übersicht ]
Gruppe 6: Honeckers Erben. Die Linkspartei als Erzfeind der Demokratie
Wäre es nach dem Willen von Gregor Gysi und anderen ehemaligen SED-Funktionären
gegangen, wären Akten, welche das DDR-Unrechtsregime dokumentieren vernichtet
oder unter Verschluss gebracht worden. Eine Gedenkstätte wie das Stasi-Untersuchungsgefängnis
in Berlin-Hohenschönhausen könnte nicht mahnen, weil es abgerissen worden
wäre. Die Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit hat nicht nur eine gesellschaftliche,
sondern eine eindeutig politische Dimension, wenn hauptverantwortliche Funktionäre
oder Stasi-Mitarbeiter politisch aktiv sind und sich nun als aufrechte Demokraten
präsentieren. Reue? Fehlanzeige.
So ähnlich lauten Vorwürfe, die gegen die Partei der LINKEN als Fortsetzungspartei
der SED erhoben werden. Wie kann man vor diesem Hintergrund überhaupt die
LINKEN wählen oder mit ihnen politisch zusammenarbeiten? Hubertus Knabe trat
dazu mit einer ganzen Reihe von Büchern in die Öffentlichkeit, was zu sehr
kontroversen Diskussionen geführt hat. Sein Anliegen sowie auch kritische
Einwände dagegen bilden die Grundlage für diese Gruppenarbeit.
Christoph Langenbach, Pascal Scheurer
[ Übersicht ]
Gruppe 7: Ausgemerzt und vergessen – Musiker im Dritten Reich und ihr Nachwirken
„Sie haben den Namen Löhner-Beda nie gehört? Warten Sie. Fünf
Zeilen weiter werden Sie wissen, wie oft Sie etwas von Löhner-Beda gehört
haben, und sich fragen: Der ist das? Ja, der ist das, der geschrieben hat
[…] „Dein ist mein ganzes Herz“ und „Das Land des Lächelns“. […] Fritz Löhner,
der schließlich eingesperrt und totgeschlagen wird in Auschwitz. Deshalb hat
man ihn vergessen.“[ 1 ]
So beginnt der Autor Günther Schwarberg seine Biographie über den bekanntesten
Operettenlibrettisten der 1920er und 30er Jahre Fritz Löhner.
Ein weiteres Beispiel: Der Komponist und Dirigent Wilhelm Furtwängler gehörte
in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu den bedeutendsten Dirigenten
der Welt. Trotz mehrerer Angebote aus dem Ausland arbeitet er bis Kriegsende
als Chefdirigent der Berliner Symphoniker. Da er sich nicht ausdrücklich gegen
Hitler und das Regime wendete, erhielt er nach dem Zweiten Weltkrieg für zwei
Jahre Berufsverbot.
Die Beispiele haben eines gemeinsam: Nicht nur während des Dritten Reiches
stand die Arbeit von Musikern deutlich unter dem Einfluss der politischen
Verhältnisse. Die Nachwirkungen der „arischen Säuberungen“ an jüdischen Musikern,
die im Dritten Reich begonnene und nach dem Zweiten Weltkrieg nicht in Frage
gestellte Neubesetzung von Musikerberufen mit gesinnungstreuen Parteimitgliedern
sowie die während des Zweiten Weltkrieges entstandenen personellen Lücken
in der Musiklandschaft aufgrund von kriegsbedingten Todesfällen prägten die
unmittelbaren Jahre nach 1945 und prägen sogar bis heute die Musikgeschichte.
Anhand ausgewählter Beispiele von Mitläufern, Gegnern und Verfolgten des Regimes
sollen Sie einen Einblick erhalten in eine (musikalische) Welt, in der der
Begriff der Gerechtigkeit nicht immer eindeutig zu bestimmen ist.
[ ^] Schwarberg, Günther: Dein ist mein ganzes Herz. Steidl-Verlag, Göttingen 2000, S. 9.
Ulrich Kögel
Gruppe 8: Geht es vor Gericht „gerecht“ zu … und wie ist das in der Schule mit der „Gerechtigkeit“?
Ein Richter hat sich das Thema Gerechtigkeit zum Beruf gemacht. Wie wird man überhaupt Richter und was tut man da? Wie kommen Gerichte im Einzelfall zu einer gerechten Entscheidung? Was soll man etwa tun, wenn Zeugenaussagen einander widersprechen oder wenn keine Eindeutigkeit von Indizien vorliegt? Im Fernsehen wird längst kein realistisches Bild des Richteramtes vermittelt. Der Richter Dr. Bernd Peter gibt aus seiner Erfahrung Einblicke in die Arbeit der Justiz und begibt sich mit der Gruppe auf die Suche nach Gerechtigkeit, indem spektakuläre Einzelfälle aus der Gerichtspraxis miteinander behandelt werden.
Dr. Bernd Peter (Richter)
[ Übersicht ]
Gruppe 9: Selbstjustiz im Film
Wir alle kennen die filmischen Bilder, wenn der um sein Recht betrogene Mann seinen Anspruch selbst in die Hand nimmt, den Colt auspackt und heldenhaft die Gerechtigkeit wiederherstellt. Da gibt es große Sympathien. Die künstlerischen Motive für solche Geschichten sind alt, älter als das Kino und man mag sich an Kleists „Michael Kohlhaas“ erinnert fühlen. Im Film wurden zur Frage der Selbstjustiz viele verschiedene Erzählungen in Szene gesetzt. Charles Bronson in „Ein Mann sieht rot“ oder Clint Eastwood in der Rolle des Polizisten in „Dirty Harry“ sind schon Klassiker. Immer wieder findet dieses Problem eine filmische Umsetzung. Die Gruppe wird sich mit einigen dieser unterschiedlichen Zugänge auseinandersetzen und auch in Filmsequenzen die gegebenen Antworten versuchen nachzuvollziehen.
Timo Jung, Alexander Medenbach, Mareike Keruth
[ Übersicht ]
Gruppe 10: Wie teilt man einen Kuchen?
Die Leitfrage erscheint etwas komisch, kann aber durchaus
zu Streit führen, wenn man sich etwa bei der Größe der zu verteilenden Kuchenstücke
nicht gerecht behandelt fühlt.
Gerechtigkeit in der Mathematik und im Spiel, kann das gehen und wie kann
man einordnen und beurteilen? In dem Workshop soll geknobelt, gespielt und
taktiert werden. Ge- und erarbeitet wird in Gruppen und auch einzeln. Dazu
ist ein reichliches Angebot von „Materialien“ vorhanden, das erarbeitet und
ausprobiert werden soll.
Bitte mitbringen: Papier und Bleistift, bequeme Kleidung (weil es sich in
Stöckelschuhen und Mini schlecht spielt), Freude am Spielen und Knobeln.
Sabine Vierbücher, Corinna Klein
[ Übersicht ]