Keine Sicherheit zum Nulltarif

Bundeswehr stellt sich den Schülerinnen und Schülern der WvO-Schule vor

Mitte des Monats besuchte Oberleutnant Jens Mattheis, Jugendoffizier der Bundeswehr aus Wetzlar, die Wilhelm-von-Oranien-Schule (WvO) und stellte Aufgaben und Arbeit der Bundeswehr den Oberstufenschülerinnen und -schülern im Unterricht des Faches Politik & Wirtschaft vor. Zu Beginn erläuterte er die Struktur der Bundeswehr anhand der Aufgabenfelder der jeweiligen Einheiten. Dies geschah durch ein offizielles Werbevideo der Streitkräfte.

Die Hauptaufgabe der Bundeswehr bestehe in der Reaktion und Abwehr auf Bedrohungen, so Mattheis. Es gebe eine Skala, mit der eine Einschätzung der Bedrohung getroffen werde. Diese reiche von „keiner Bedrohung“ über „passive Bedrohung“ bis hin zur „aktiven Bedrohung“. Entsprechend vielfältig seien die weiteren Aufgaben der Bundeswehr, führte der Offizier aus. Je nach Einsatzgebiet müsse unterschieden werden, und nicht immer habe ein Einsatz mit der Waffe zu tun. Grundsätzlich müsse jeder Einsatz über ein politisches Mandat erlaubt werden. In der Regel geschehe dies durch die Zustimmung des Bundestages („Parlamentsarmee“).

Interessant war es für die Schülerinnen und Schüler, eine Karte mit den aktuellen Einsatzgebieten zu sehen. Auch im Inland ist die Bundeswehr aktiv, z.B. im Rahmen der aktuellen Flüchtlingsproblematik oder bei Naturkatastrophen.

Im Anschluss an die Präsentation gab es eine Fragerunde, in der vor allem das Problem mangelnder Ausrüstung der Bundeswehr erörtert wurde. Hier erklärte Mattheis einige technischen Details der Bundeswehrausrüstung, zum Beispiel das in der Öffentlichkeit kritisierte Standard-Sturmgewehr der Bundeswehr (G 36), das entgegen aller Meldungen die normale Durchschnittstrefferquote aufweise (zumindest im Vergleich zu anderen Herstellern weltweit). Dieses Sturm-Gewehr sei für den mitteleuropäischen Einsatz gedacht gewesen, weshalb in den subtropischen Einsatzgebieten und im Dauereinsatz die Trefferquote natürlich sinke. Das habe man aber schon vor Jahren bei der Anschaffung der Waffe gewusst. Dazu Mattheis: „Solche wichtige Nuancen werden aber in den Massenmedien nicht unbedingt kommuniziert, da diese nach Sensationsmeldungen suchen und sich nicht nach der Sachlichkeit bzw. Komplexität des Problems richten.“

Das Fazit aus diesem sogenanntem „Gewehr-Skandal“ laut Oberleutnant Mattheis: Die Ausrüstung der Bundeswehr müsse den neuen Herausforderungen angepasst werden. „Wir müssen uns in der Zukunft auch darauf einstellen, dass der Staat mehr in die Sicherheit und die technische Ausstattung der Streitkräfte investieren muss. Es gibt keine Sicherheit zum Nulltarif.“

Oberleutnant Mattheis beantwortete auch durchaus selbstkritisch einige weitere Fragen zur Bundeswehr.

Viele Fragen der SuS betrafen die Ausbildung und die beruflichen Aussichten bzw. Karrieremöglichkeiten bei der Bundeswehr. Zum Beispiel wollte eine der Schülerinnen nicht an der Waffe ausgebildet werden, aber interessierte sich für die Bundeswehr als Arbeitgeber. Dafür bietet die Bundeswehr laut Mattheis als einer der größten Arbeitgeber in Deutschland mit mehr als 90.000 zivilen Fachkräften (etwa 26.000 Beamte und etwa 64.000 Arbeitnehmer) vor allem in der Bundeswehrverwaltung vielfältige Möglichkeiten in folgenden Bereichen an: Personal, Ausrüstung, Informationstechnologie, Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen sowie in den kleinen Organisationsbereichen wie Rechtspflege sowie Militärseelsorge.

Die Schülerinnen und Schüler nahmen positive Eindrücke aus der Veranstaltung mit. Besondere Anerkennung fand, dass Oberleutnant Mattheis auch ganz aktuelle Entwicklungen (Bundeswehr-Einsatz in Mali und Syrien) berücksichtigte.

 

©2015 Text David Klein, Jahrgangsstufe Q3
Fotos: Paul Sajon, WvO

Bildergalerie
(zum Vergrößern auf das Bild klicken)

 
 
 
Oberleutnant Mattheis referierte über die Situation der Bundewehr und Berufsperspektiven  
 
 
 
 
Referent Mattheis (2.v.r.) und PW-Lehrer Sajon (r.) mit einigen der interessierten Zuhörer