Mückenjagd im Dienste der Wissenschaft

WvO-Schüler sammelten im Fach Biologie Mücken und unterstützten damit die empirische Grundlage von mueckenatlas.de

Mücken gelten gemeinhin als kleine Plagegeister, die einem den nächtlichen Schlaf rauben oder eine Wanderung in sumpfiger Natur zur Tortur werden lassen. Aber trotzdem handelt es sich um bemerkenswerte Insekten, die auch das Interesse der Wissenschaft finden. Denn gerade in den letzten Jahren – im Zuge der Klimaveränderungen und des Einschleppens fremder Flora und Fauna durch die Globalisierung – finden sich in Deutschland neue Mückenarten. Und diese sind nicht immer ganz unproblematisch, denn Mücken können auch gefährliche Krankheiten übertragen – wie gerade das Zika-Virus in Südamerika beweist. Die Internetseite www.mueckenatlas.de schafft im Auftrag des Robert-Koch-Instituts und des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz eine Übersicht, welche Arten sich wo in Deutschland gehäuft finden, und stellt damit eine empirische Grundlage für die Forschungarbeit dar. Das Besondere daran: Jeder kann dies unterstützen und zum "Mückenjäger" werden. In diesen praktischen Dienst für die Wissenschaft haben sich auch einige Lerngruppen unter Anleitung von Biologielehrer Rainer Seliger gestellt.

Ann-Kathrin Waldschmidt, die mitgemacht hat, berichtet: "Mückenjäger wird man, indem man ein Gefäß über eine gesichtete Mücke stülpt und dieses mit einem Deckel verschließt. Zum Abtöten der Mücke muss das Gefäß ca. einen Tag im Gefrierfach platziert werden. Anschließend wird die Mücke ca. drei Tage auf einer Heizung zur Vorbeugung gegen Schimmel getrocknet. Zuletzt muss das Formular, welches auf der Homepage des Mückenatlas zu finden ist, ausgefüllt und zusammen mit der Beute versendet werden. Der Einsender erhält ein Antwortschreiben mit dem Bestimmungsergebnis. Des Weiteren erscheint der auf der Homepage gesetzte Nachweispunkt für den Einsender und ist jederzeit abrufbar."

Und diese Online-Karte unter mueckenatlas.de weist mittlerweile im nördlichen Dill-Kreis eine signifikante Häufung an Fundstücken auf. Nicht von ungefähr, denn zahlreiche Schüler beteiligten sich an dem Projekt: Die fleißigsten Unterstützer der Wissenschaft waren die Jäger aus der 7C mit 41 eingesandten Exemplaren, gefolgt von der E2F mit 23 Insekten. Der Biologie-Leistungskurs von Herr Seliger steuerte 16 bei und die 9E fing sechs Mücken. Die wissenschaftliche Bestimmung durch die Fachleute folgte nach der Einsendung dann prompt: Gefunden wurden im nördlichen LDK die Wiesenmücke (Aedes vexans), die Gemeine Hausmücke (Culex pipiens), die Ringelmücke (Culiseta annulata) und der Hochwasser-Moskito (Ochlerotatus sticticus). In Deutschland insgesamt sind bisher 46 verschiedene Stechmückenarten bekannt.

Diese praktische Forschungsarbeit im Biologieunterricht hat den Schülerinnen und Schülern definitiv Spaß gemacht und wird als sinnvolles Projekt sicher länger im Gedächtnis bleiben als manche Textseite des Schulbuchs. Und wer Lust hat, kann ja noch weiter auf Mückenjagd gehen, diese zur Bestimmung einschicken und das Ergebnis dann auf der Landkarte unter www.mueckenatlas.de betrachten.

©2016 Text: Ann-Kathrin Waldschmidt / Markus Hoffmann, WvO
Fotos: Markus Hoffmann, WvO
Screenshot: www.mueckenatlas.de, Zugriff: 12.03.2016

Bildergalerie
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 Präparierte Mücken im Glasrohr – fertig zum Versand
 Screenshot: 01: 02: 03: Deutlich erhöhte Fundraten im nördlichen LDK: www.mueckenatlas.de, Zugriff: 12.03.2016
 Erfolgreiche Mückenjäger Niklas Lauber, Celine Kadesch und Camie Tielmann (v.l.)