Auf den Spuren der Amerikaner in Gießen

Im Zuge der Unterrichtsthemen Stadtplanung und Stadtentwicklung unternahm der Leistungskurs Erdkunde der Q2 am 23.03.2016 eine Exkursion nach Gießen. Als Konversionsstandort steht die Stadtplanung vor der Aufgabe, die ehemaligen Areale der US-Streitkräfte einer zivilen Nutzung zuzuführen. Während der Stadtführung wurden daher weite Teile der Konversionsflächen unter die Lupe genommen. Schnell wurde den Schülern klar, dass die Amerikaner nach ihrem Abzug im Jahr 2007 mit ihren Militärflächen, Wohnanlagen, Schulkomplexen, Sportstätten, Shoppingkomplexen usw. quasi einen ganzen Stadtteil zurückließen.

Erfolge der Konversion wurden beim Durchgang der beiden ehemaligen "Housing-Areas" deutlich, deren Wohnungen inzwischen alle vermietet oder verkauft sind. Interessant fanden die Schüler die Beibehaltung der amerikanischen Straßennamen. Die Tatsache, dass die Konversionsflächen überwiegend dem Bund gehören, während die Stadt das Planungsrecht besitzt, verdeutlichte den Schülern den finanziellen Kraftakt für die Stadt.

Dass die Konversion noch längst nicht abgeschlossen ist, wurde durch leerstehende und verfallende Gebäude wie z.B. dem Offizierscasino oder der "Health and Dental Clinic" ersichtlich. Weiterhin wurde das Gelände des ehemaligen Shoppingkomplexes (PX/Burger King) aufgesucht, welches gegenwärtig abgerissen und geräumt wird und der Gewerbeansiedelung dienen soll. Am Eingang des ehemaligen US-Depots konnten die Schüler einen Blick auf dessen derzeitige Umwandlung in das "Gewerbegebiet am alten Flughafen" werfen.

Neben der Prägung des Stadtbildes wurde während der Führung auch der Einfluss der Amerikaner auf das städtische Leben thematisiert wie z.B. die Belebung und Prägung der Gastronomie und des Nachtlebens (ehem. Woodland-Club), völkerverbindende Veranstaltungen wie das deutsch-amerikanische Volksfest sowie die Etablierung des Basketballs (heutige Gießener 46ers).

Auf dem anschließenden Rundgang durch die Innenstadt besuchten die Schüler historische Gebäude wie z.B. das Alte Schloss, den Stadtkirchturm und das Liebigmuseum. Ein Stopp galt natürlich dem Neuen Schloss, dem heutigen Sitz des Geographischen Instituts der Justus Liebig Universität. Aufgrund der wenigen historischen Gebäude konnten die Schüler auf den Zerstörungsgrad der Innenstadt nach der Bombennacht vom 6.12.1944 schließen. Am Denkmal des "Gießener Schlammbeißers" erfuhren die Schüler die Herkunft dieses Spitznamens (einst Schimpfwort) für gebürtige und alteingesessene Gießener.

Neben den historischen Bereichen und den Konversionsflächen wurden weitere Problemfelder und Chancen einer modernen Stadt unter die Lupe genommen, wie z.B. die Hauptgeschäftsstraße Seltersweg, das "Elefantenklo" oder der Verkehrsbrennpunkt Bahnübergang Frankfurter Straße.

Die Schüler konnten an diesem Tag feststellen: Geographie steckt überall in unserer Alltagswelt!

©2016 Text : Regina Kampshoff, WvO
Fotos: Jan-Willem Reumerman, Regina Kampshoff

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