Kyrill-Projekt 2016

Trotz rekordverdächtiger Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke zogen in der Woche vom 12.-16.09.2016 insgesamt 6 Klassen bzw. Kurse der Wilhelm-von-Oranien-Schule in den Oberschelder Wald, um wie jedes Jahr den 80.000 jungen Eichen, die 2007 von ihren Vorgängern nach dem Sturm Kyrill in einer landesweit einzigartigen Aufforstungsaktion gepflanzt worden waren, das Aufwachsen zu erleichtern.

Als sogenannte Lichtbäume benötigen junge Eichen den direkten Zugang zur Sonne. Da sie aber zumeist langsamer wachsen als der Beiwuchs aus Gräsern, Brombeerranken, Ginster und Holunderbüschen, brauchen sie in den ersten Jahren Hilfe. Das wuchernde Gras um die kleinen Setzlinge muss niedergetreten und umgebende Büsche mit der Astschere zurück geschnitten werden, damit sich diese im Winter unter der Schneelast nicht auf die Eichensetzlinge legen und sie platt drücken.

Da die Schülergruppen diese Arbeit jetzt schon im neunten Jahr hintereinander jeweils im Herbst durchgeführt hatten, bestätigten sich nun die Erfolge der letzten Jahre. Wie die betreuenden Mitarbeiter des Hessenforstes aufzeigten, ist aus der mit einer Umzäunung geschützten Schonung bereits eine sogenannte Dickung geworden: Eichen und Bewuchs sind jetzt schon so hoch gewachsen, dass ein aufrecht stehender Mann nicht mehr über die Schonung hinweg sehen kann. An wenigen Stellen kommt es bereits zu einer Überkronung; die in Reihen gepflanzten Eichen rauben mit ihren Astkronen den darunter wachsenden Pflanzen immer mehr das Licht. Damit änderten sich in den letzten Jahren auch nach und nach die Aufgaben für die Schülerinnen und Schüler: Waren zu Beginn des Projekts möglichst große Füße zum Platttreten gefragt, muss mittlerweile entschieden werden, welcher Beiwuchs wie hoch abgeschnitten werden muss, um einerseits im Sommer eine Beschattung zu erreichen, die vor Austrocknung bewahrt und andererseits im Winter die Eichen vor Frosteinwirkung schützt. Auch die Frage, welche anderen Baumsorten stehen bleiben können, um einen möglichst artenreichen Mischwald aufwachsen zu lassen, sollte in Eigenverantwortung von den Schülern entschieden werden. Denn gleichzeitig zu allen Zielen der ökologischen Nachhaltigkeit wurden ihnen auch die ökonomischen Absichten, die hinter ihren Anstrengungen steckten, vermittelt: Die höchsten Preise erzielen lange und gerade gewachsenen Eichenstämme mit erst spät einsetzender Kronenbildung. Zudem sind die Eichen mittlerweile in sicherer Höhe vor Fraas durch das Rotwild, wodurch die Schülerinnen und Schüler die umliegende Umzäunung der Schonung demontieren sollten, da diese mittlerweile eine Gefahr für Wildtiere darstellt.

Im Vorfeld besonders aktiv waren die beiden Wahlunterrichtskurse "Erdkunde bzw. Biologie in freier Natur", die in den vergangenen Wintermonaten ein großes Insektenhotel, Nistkästen für Eulen und heimische Fledermausarten in der schuleigenen Werkstatt gezimmert und gestaltet haben. Diese wurden nun von den Kursteilnehmern entlang des Waldlehrpfades installiert. Am Ende der Woche zeigten sich die Mitarbeiter des Hessenforstes und die begleitenden Lehrer höchst zufrieden mit den erreichten Ergebnissen: Nicht nur der Waldlehrpfad wurde mit den genannten Nistkästen und des Insektenhotels erweitert, auch durch die großzügige Unterstützung der Naturlandstiftung des Lahn-Dill-Kreises, die die Finanzierung der Schülerbeförderung in den Schelderwald übernommen hatte, war es erneut gelungen, möglichst vielen Beteiligten biologische Prinzipien der Forstwirtschaft sowie Zusammenhänge im Lebensraum Wald durch schweißtreibende und ermüdende Aktionen zu einem unvergesslichen Erlebnis zu machen.

Alle waren sich einig, dass die praktische Erfahrung, aktiv die umgebenden Wälder gestalten zu können und nicht nur in einem theoretischen Unterricht kennenzulernen, eine lohnenswerte Unternehmung darstellt.

Besonderer Dank gilt an dieser Stelle neben den engagierten Arbeitern des Hessenforstes auch natürlich den Schülerinnen und Schülern der Klassen 7A/7D sowie 10B von Herrn Haus und Herrn Seliger, des Kurses experimentelle Biologie E1 von Herrn Kämpfer, den beiden Biologie-Leistungskursen Q1 von Frau Hohmann und Herrn Jung sowie den Wahlunterrichtskursen von Herrn Kreck und Herrn Jung. Alle Klassen/Kurse haben auch in diesem Jahr das Wiederaufforstungsprojekt sowie den Schelderwald nachhaltig geprägt.

©2016Text: T. Jung
Bilder: S. Haus, K. Hohmann, T. Jung

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