"Hier musst du kerngesund sein!"

WvO-Sekretärin Ursula Spies nach 46 Dienstjahren im Ruhestand / Auch die Mathelehrer Klingelhöfer und Schweizer gehen in Pension

In einem stimmungsvollen Festakt hat das Dillenburger Gymnasium seine Sekretärin Ursula Spies verabschiedet – kein Mitglied der Schulgemeinde hat länger an der Wilhelm-von-Oranien-Schule gearbeitet, sechs verschiedenen Schulleitern hat Frau Spies in all den Jahren zugearbeitet und verlässlich den Rücken freigehalten. Auch die Oberstudienräte Günter Klingehöfer und Alfred Schweizer wurden nach langjährigen Dienstzeiten in den Ruhestand entlassen.
Bibliotheksleiterin Rosi Kowalski erhielt eine Ehrung zum 25jährigen Dienstjubiläum.

"Hier musst du kerngesund sein!" – Mit diesem halb ernst gemeinten, halb spaßhaften Ausruf kommentierte Sekretärin Ursula Spies gelegentlich das pulsierende Leben im Sekretariat: Ein weinender Fünftklässler an der Theke braucht ein Pflaster, eine besorgte Mutter am Telefon fragt nach einem Sprechstundentermin, ein Lehrer erklärt umständlich einen dringenden Kopierauftrag und der Schulleiter nebenan ruft nach einer Personalakte. So geht’s manchmal zu in einem Schulsekretariat, und damit ist nur ein Bruchteil dessen beschrieben, was die gelernte Stenotypistin Ursula Spies in all den Jahren tagtäglich auf ihrem Posten im "Maschinenraum des Schulschiffes" geleistet hat.

Dies wusste auch ihr Dienstherr, Landrat Wolfgang Schuster, der eigens zur Feierstunde gekommen war, zu würdigen. Er beschrieb mit großem Respekt den beruflichen Werdegang der Kreisangestellten sowie ihre Fähigkeit, in all den Jahren die vielen technischen Innovationen – von Stenoblock und Schreibmaschine bis zu EDV und E-Mail – professionell gemeistert zu haben. Anschließend warf er einen launigen, humorvollen Blick in den bevorstehenden Ruhestand: Zur Vermeidung von Langeweile überreichte er als Präsent ein Kochbuch.

Die letzten drei Schulleiter, denen Ursula Spies als Sekretärin zur Seite stand, ließen es sich ebenfalls nicht nehmen, gute Erfahrungen und gemeinsame Erlebnisse Revue passieren zu lassen: Die Oberstudiendirektoren a.D. Dieter Scholz (1988-2003) und Martin Henrich (2003-2012) berichteten vom Beginn ihrer jeweiligen Dienstzeiten, wie souverän Frau Spies ihnen erklärt habe, "wie der Laden so läuft", aber auch, welch große Hilfe sie in ihrem Fleiß und ihrer Loyalität stets gewesen gewesen sei. "Frau Spies wusste stets in allem Bescheid und sie behandelte alle Schüler, Eltern und Kollegen mit großer Herzlichkeit." – so der Tenor der Laudatoren. Diesem Lob schloss sich der seit 2012 amtierende Schulleiter Martin Hinterlang an und überreichte als Abschiedspräsent einen Wellnessgutschein.

Weitere Grüße überbrachten der Schulelternbeirat, die Schülervertretung (mit einem Buch, in dem schriftliche Abschiedsgrüße aller Klassen gebunden waren) und der Personalrat. Und ein musikalisches Ständchen gestalteten die beiden Chöre der Schule unter Leitung von Ulrich Kögel und Armin Müller.

Nach neununddreißig Dienstjahren wurde Oberstudienrat Günter Klingelhöfer verabschiedet. Der Mathematik- und Physiklehrer galt am Dillenburger Gymnasium bei allen Schülern stets als einer, der "total gut erklären kann", was er u.a. in seiner Mathe-Sprechstunde in individuellen Beratungsgesprächen unter Beweis stellte. Aber auch im Kollegium galt der gebürtige Offenbacher (Mittenaar) – früher selbst WvO-Schüler – als Koryphäe seiner Fächer. Lange Zeit organisierte Klingelhöfer die nachmittägliche Hausaufgabenbetreuung; unterbrochen wurde dies von zwei Phasen im Auslandsschuldienst: Mehrere Jahre unterrichtete er an deutschen Schulen in Kairo (Ägypten) und Windhuk (Namibia), kam danach aber auch immer wieder gern an die Wilhelm-von-Oranien-Schule zurück, wie er am Schluss seiner Abschiedsrede gestand.

Oberstudienrat Alfred Schweizer verabschiedete sich nach fünfunddreißig-einhalb Jahren aus dem Schuldienst; 1980 war er als frisch ausgebildeter Mathe- und Sportlehrer an die Wilhelm-von-Oranien-Schule gekommen. Das Korrigieren von Klassenarbeiten werde er sicher nicht vermissen, so Schweizer schmunzelnd, aber auf jeden Fall das Kollegium und die Atmosphäre an der WvO. Über viele Jahre engagierte sich Herr Schweizer als Schulsportleiter, später kümmerte er sich mit großer Sorgfalt um den Druck der Schuljahreszeugnisse aus der elektronischen Schülerdatenverwaltung. Bekannt war der Wahl-Gießener im Kollegium für sein akribisches Organisationstalent, z.B. bei Projektwochen, aber auch für seine unverblümten Statements zu pädagogischen oder juristischen Fragestellungen; eine Haltung, die in der Organisationspsychologie heutzutage treffend als "critical friend" beschrieben wird und als Element nachhaltiger Entwicklungsprozesse absolut bedeutsam ist.

Beide langjährigen Mitglieder des Kollegiums wurden von Schulleiter Martin Hinterlang in Abschiedsreden gewürdigt und mit Urkunden des Schulamts verabschiedet. Die Fachkonferenzen Mathematik, Physik und Sport sowie der Personalrat schlossen sich mit Präsenten, Liedvorträgen und stochastischen Knobelspielchen ("das Ziegenproblem"…) an.

Für ihre treue Arbeit in der Schulbibliothek wurde deren Leiterin Rosi Kowalski aus Anlass ihres 25jährigen Dienstjubiläums geehrt: Schulleiter Hinterlang sowie das Bibliotheksteam Uta Sippel, Jan Harms und Marcel Manderbach gratulierten und der Ehrenvorsitzende des Fördervereins Dieter Scholz erinnerte sich, dass die Anstellung von Frau Kowalski vor 25 Jahren "die beste Entscheidung" seiner Amtszeit als Schulleiter gewesen sei.

Zuvor konnte Schulleiter Martin Hinterlang noch weitere erfreuliche Mitteilungen machen: Die Studienräte Andreas Göbel (Deutsch, Physik) und Sascha Schulze (ev. Religion, Kunst) erhielten ihre Urkunden zur Lebenszeitverbeamtung sowie die frisch aus dem Referendariat übernommene Kollegin Lisa Theile (Mathematik, Erdkunde) ihre Berufung in das Beamtenverhältnis auf Probe.

©2017 Text und Fotos: M. Hoffmann, WvO

Bildergalerie
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Sekretärin Ursula Spies (Mitte) mit ihrem Dienstherrn Landrat Schuster (2.v.r.) sowie ihren drei letzten Schulleitern Dieter Scholz (2.v.l.), Martin Henrich (r.) und Martin Hinterlang (l.) 
Dreifacher Abschied: Ursula Spies (2.v.r.), Günter Klingehöfer (l.) und Alfred Schweizer (r.) mit Schulleiter Martin Hinterlang (2.v.l.) 
Bibliothekarin Rosi Kowalski (Mitte) wurde zum 25jährigen Dienstjubiläum geehrt vom Ehrenvorsitzenden des Fördervereins Dieter Scholz (l.), Schulleiter Martin Hinterlang (2.v.l.) und dem Bibliotheksteam Uta Sippel (r.) und Jan Harms (2.v.r.). 
 Ernennungen: Oberstudiendirektor Hinterlang (l.) beruft Lisa Theile, Andreas Göbel und Sascha Schulze (von r.) in neue Dienstverhältnisse.
 WvO-Sekretärin Ursula Spies verabschiedet sich nach 46 Dienstjahren in die Freistellungsphase der Altersteilzeit.
 Abschiedsgrüße vom letzten der sechs Schulleiter, unter denen Ursula Spies gearbeitet hat.
 Auch Landrat Schuster als Dienstherr sagte Frau Spies Dankeschön und Lebewohl.
 
 Alfred Schweizer (l.) und Günter Klingelhöfer (r.) lauschen ihren Laudatoren.