Symposium zur Markus-Passion an der WvO-Schule Dillenburg

Das große Projekt der Chor 7-13 AG unter der Leitung von Armin Müller mit Hilfe von Ulrich Kögel in diesem Schuljahr ist die Aufführung der Markus-Passion von Johann Sebastian Bach gemeinsam mit der katholischen Kantorei unter der Gesamtleitung von Bezirkskantor Joachim Dreher. Grund genug, um den Schülerinnen und Schülern der Oberstufenkurse im Fach Musik sowie anderen interessierten Mitgliedern der Schulgemeinde die Hintergründe des Projekts im Rahmen eines Symposiums zu erläutern.

Joachim Dreher ging in seinem Einführungsvortrag auf die Faktenlage hinsichtlich der Rekonstruktion des Werkes ein. Eine vollständige bzw. durch Belege gesicherte Version der Komposition gibt es nämlich nicht mehr – spätestens seit das letzte bekannte Exemplar im Jahre 1945 durch einen Brand vernichtet wurde. Dreher hat nun mit Hilfe vorhandener Rekonstruktionen sowie eigener Recherchen eine Version erstellt, die es in dieser Form noch nicht gegeben hat. Er zeigte an Beispielen seine dedektivische Arbeit beim Finden geeigenter Werke im Bach´schen Ouvre, die im Parodieverfahren – d.h. ein bereits vorhandenes Werk Bachs wird mit einem anderen Text wiederverwendet – für die Markus-Passion verwendet werden. Interessant dabei ist die Möglichkeit, dass chronologisch betrachtet sogar einige Werke ursprünglich der Markus-Passion entnommen sein könnten und uns heute als Parodie derselbigen in anderen Kompositionen Bachs bekannt sind. Die Teilnehmer des Symposiums konnten hierbei hautnah erleben, wie ein verloren geglaubtes Werk durch musikwissenschaftliche Arbeit wieder real zugänglich gemacht werden kann.

Im weiteren Verlauf des Vormittags besuchten die Teilnehmer drei Workshops, die sich mit speziellen Aspekten der Markus-Passion beschäftigten. Armin Müller vermittelte den Teilnehmern die Besonderheiten des Wort-Ton-Verhältnisses im Bach´schen Passions-Oratorium und zeigte die vielfältigen Möglichkeiten eines Komponisten das biblische Wort sowie seine Bedeutung und Ausdeutung musikalisch umzusetzen. Dr. Arnold Führer betrachtete theologische Gesichtspunkte des Markus-Evangeliums. Besonders den Umgang mit dem Tode und der Auferstehung Jesu – auch im Vergleich mit anderen Evangelien des Neuen Testaments – vertiefte er mit den Teilnehmern. Ulrich Kögel gab den Teilnehmern einen Einblick in die Aufführungsbedingungen zur Bach-Zeit. So zeigte er anhand von Klangbeispielen mit historischem Instrumentarium die Ideale der sogenannten „Historischen Aufführungspraxis“, nicht ohne die Teilnehmer selbst entscheiden zu lassen, ob eine Aufführung mit modernen Orchesterinstrumenten nicht auch ihre Berechtigung habe.

Zum Abschluss des Symposiums versammelten sich alle Teilnehmer noch einmal im Forum der WvO-Schule, um abschließend Informationen zur Aufführung der Markus-Passion zu erhalten. Der Termin der Aufführung ist Sonntag, den 02. April 2017 um 17 Uhr in der katholischen Kirche Dillenburg. Konzertprogramme, die als Eintrittskarten gelten, sind ab Anfang März u.a. im Musiklehrerzimmer M131 für Euro 25.- (Erwachsene) erhältlich. Schülerinnen und Schüler erhalten einen ermäßigten Sonderpreis von Euro 5.-.

©2017 Text: Ulrich Kögel
Bilder: Markus Hoffmann

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