Das Lenken meinem Auto überlassen? Wunschkind nach Katalog?

Fortbildung für hessische Ethiklehrer an der WvO mit Dr. Anita Rösch

Soll das autonome Auto das Lenken übernehmen? Soll ich abtreiben? Das Wunschkind im Katalog bestellen – mein Weg zum Glücklichsein? Sollten mittelschwere Verbrechen nicht bestraft werden? – Diese und viele andere Fragen aus dem (nicht so fernen) Alltag haben sich über 20 Philosophie- und Ethiklehrer, die aus ganz Hessen angereist waren, am 01.03.2018 gestellt.

An diesem Tag fand die von der Lehrerin im Vorbereitungsdienst Tina Pasalic organisierte Fortbildung statt. Als renommierte Referentin konnte Frau Dr. Anita Rösch – Fachdidaktikerin für Philosophie und Ethik der Gießener Uni – gewonnen werden. Nach einem sehr informativen und strukturierten Vortrag betreute sie die eingeteilten vier Arbeitsgruppen. Das Ziel der Veranstaltung war es, schulische Vorgaben mit dem Lebensalltag zu verzahnen. Dazu wurden aktuelle Materialien zu den aufgezeigten ethischen Fragestellungen mit passgenauen Lernmethoden verbunden. Den Schülern können somit die notwendigen Kompetenzen und das Wissen für die Beantwortung der ethischen Probleme besser vermittelt werden.

Zum Beispiel: Überwachungsstaat gegen Wohlstand

Die Fortbildung hat allen Beteiligten deutlich gemacht, dass ethisch-philosophische Fragen sehr kontrovers diskutiert werden können und nichts mit der grauen Theorie zu tun haben müssen. Zum Beispiel stehen auf der einen Seite die Versprechen von mehr Sicherheit, Effizienz, Bequemlichkeit und möglicherweise höherem Wohlstand, die jedoch andererseits mit Staatsüberwachung, Einschränkung der Menschen- und Bürgerrechte, Entmündigung und ungeklärten Verantwortlichkeits- und Haftungsfragen erkauft werden müssten. Diese Fragen sind somit von hoher moralischer und politischer Relevanz. Jeder Bürger – auch die Entscheidungsträger – haben sich diesen Problemen zu stellen. Wir alle müssen hier eine Abwägung treffen und wenn nicht heute, so doch in naher Zukunft eine Entscheidung fällen.

Am Ende des Treffens wurde allen Teilnehmern klar, dass wir erst am Anfang einer Entwicklung stehen. Die Jugend sollte entsprechendes "Rüstzeug" bekommen, um auch mit den neuen Herausforderungen im Alltag zurechtzukommen. Insgesamt bot diese Fortbildung viele gute und interessante Anregungen für die Unterrichtspraxis. Bezüglich der Unterrichtsmaterialien haben die Lehrer viele nützliche Film- und Literaturtipps erhalten. Wie man der Arbeitsatmosphäre und den kurzen Rückmeldungen der Teilnehmer entnehmen konnte, war es für alle eine sehr gelungene Veranstaltung, die eine Fortsetzung auf Grund des regen Interesses verdient hat.

©2018 Text & Fotos: Paul Sajon

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